Messen & Ausstellungen Deutschland 2026
Deutschland ist Messeweltmeister. Die Zahlen stehen im Bild — dahinter steckt ein System, das weltweit seinesgleichen sucht. Gleichzeitig wächst die Konkurrenz aus Dubai, Shanghai und Singapur. Wo steht der Messeplatz Deutschland wirklich?
Globale Marktposition — Warum Deutschland?
Der AUMA (Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft) meldete für 2024 ein historisches Allzeithoch — nach einem Corona-Einbruch von 70 bis 80 Prozent in den Jahren 2020/2021. Die Erholung verlief schneller als erwartet: 2022 lag der Branchenumsatz bei 2,8 Milliarden Euro (71 Prozent des Vorkrisenniveaus), 2023 bei 3,8 Milliarden (96 Prozent), 2024 dann der Rekord mit 4,4 Milliarden.
Die Gründe für Deutschlands Dominanz sind strukturell: zentrale Lage in Europa, eine föderale Struktur mit acht Messegesellschaften von Weltrang, die Exportorientierung der Wirtschaft und eine ununterbrochene Tradition seit dem Mittelalter.
Umsatz der deutschen Messewirtschaft 2015–2024 (Mrd. Euro)
Quelle: AUMA (2025). Corona-Einbruch 2020/2021, Erholung 2022/2023, Rekord 2024.
Im internationalen Vergleich: Die wichtigsten Wettbewerber sind China (Guangzhou, Shanghai — mit stark staatlich subventionierten Mega-Geländen), Italien (Mailand, Bologna), die USA (Las Vegas, Chicago — stärker auf Fachkongresse fokussiert) und die VAE (Dubai — als Hub für Nahost und Afrika). Keiner dieser Märkte hat die Breite und Tiefe des deutschen Messeportfolios.
Die wichtigsten deutschen Messen
Von den rund 322 Messen pro Jahr sind 15 echte Weltleitmessen — Veranstaltungen, zu denen es weltweit keinen gleichwertigen Wettbewerber gibt. Die wichtigsten:
| Messe | Stadt | Branche | Aussteller | Besucher | Intern. Anteil |
|---|---|---|---|---|---|
| bauma | München | Baumaschinen | 3.500+ | 580.000 | 63 % |
| Hannover Messe | Hannover | Industrie / Automation | 5.500 | 130.000 | 50 % |
| Medica | Düsseldorf | Medizintechnik | 5.100 | 81.000 | 75 % |
| IAA Mobility | München | Automobil / Mobilität | 750+ | 557.000 | 42 % |
| Anuga | Köln | Lebensmittel | 7.800 | 170.000 | 78 % |
| IFA | Berlin | Unterhaltungselektronik | 1.800 | 182.000 | 55 % |
| ACHEMA | Frankfurt | Chemie / Verfahrenstechnik | 2.800 | 110.000 | 59 % |
| drupa | Düsseldorf | Druck / Verpackung | 1.800 | 170.000 | 76 % |
| Light + Building | Frankfurt | Licht / Gebäudetechnik | 2.200 | 196.000 | 55 % |
| Automechanika | Frankfurt | Kfz-Teile / Werkstatt | 4.800 | 136.000 | 76 % |
| FIBO | Köln | Fitness / Wellness | 1.100 | 129.000 | 40 % |
| Boot | Düsseldorf | Wassersport | 1.500 | 237.000 | 60 % |
| Spielwarenmesse | Nürnberg | Spielwaren | 2.300 | 57.000 | 68 % |
| interzum | Köln | Möbel-Zulieferer | 1.600 | 65.000 | 74 % |
| Agritechnica | Hannover | Landtechnik | 2.800 | 450.000 | 60 % |
Quellen: AUMA, Messegesellschaften (Daten der jeweils letzten Ausgabe, Stand 2024/2025). CeBIT existiert seit 2018 nicht mehr — die Hannover Messe hat die Digitalthemen übernommen.
Die großen Acht — Deutschlands Messegesellschaften
Deutschland hat acht Messegesellschaften von Weltrang — mehr als jedes andere Land. Die föderale Struktur ist hier ein entscheidender Vorteil: Jedes Bundesland investiert in sein eigenes Gelände und Portfolio. Das Ergebnis ist eine Vielfalt, die kein zentralistisches System replizieren kann.
Messe Frankfurt
Umsatz 2023. Weltgrößte Messegesellschaft. 393.000 m² Hallenfläche. 113 Auslandsmessen (von 334 Veranstaltungen weltweit). 43 % des Umsatzes im Ausland. Flaggschiffe: Automechanika, Light + Building, Texcare.
Messe München
Umsatz 2024. 200.000 m² Hallenfläche. Flaggschiffe: bauma (weltgrößte Messe überhaupt), IAA Mobility, ISPO, electronica, IFAT.
Messe Düsseldorf
Umsatz 2024. 262.000 m² Hallenfläche. 54 Auslandsmessen (stark wachsend). Flaggschiffe: Medica, drupa, K (Kunststoff), Boot, interpack.
Deutsche Messe Hannover
Umsatz 2024. 466.000 m² Hallenfläche (zweitgrößtes Gelände weltweit). Flaggschiffe: Hannover Messe, Agritechnica, Ligna, EuroTier.
Koelnmesse
Umsatz 2024. 284.000 m² Hallenfläche. Flaggschiffe: Anuga, FIBO, Photokina, interzum, gamescom.
Messe Berlin
Umsatz 2024. 160.000 m² Hallenfläche. Flaggschiffe: IFA, ITB (Tourismus), Grüne Woche, InnoTrans (Bahntechnik), Fruit Logistica.
NürnbergMesse
Umsatz 2024. 170.000 m² Hallenfläche. Flaggschiffe: Spielwarenmesse, BioFach (Bio-Lebensmittel), SPS (Automatisierung), Chillventa.
Messe Stuttgart
Umsatz 2024. 120.000 m² Hallenfläche. Flaggschiffe: AMB (Metallbearbeitung), R+T (Rolladen, Tore), CMT (Tourismus), LogiMAT.
Sonderfall Leipziger Messe — mit über 850 Jahren Tradition die älteste Messe der Welt. Heute kleiner als die großen Acht, aber 48 Projekte weltweit und ein wichtiger Botschafter des Modells „German Trade Fair Quality" in Osteuropa, Zentralasien und dem Nahen Osten.
Wirtschaftliche Bedeutung — 30 Milliarden Euro Effekt
Messen sind weit mehr als Ausstellungshallen. Sie sind Deutschlands größte Geschäftsanbahnung-Plattform. Die Zahlen:
28–30 Milliarden Euro
Gesamtwirtschaftlicher Effekt der Messewirtschaft auf das deutsche BIP. Direkte und indirekte Impulse aus Standmiete, Standbau, Catering, Logistik, Hotels und Gastronomie. (Quelle: AUMA / ifo-Institut)
231.000 – 280.000
Direkte und indirekte Beschäftigung durch Messegesellschaften, Standbau, Catering, Technik, Sicherheit, Hotels und Gastronomie. Rund 100.000 direkt bei Messegesellschaften und Dienstleistern. (Quelle: AUMA 2025)
4,5 Milliarden Euro
Jährliche Steuereinnahmen aus messeinduzierter Wirtschaftstätigkeit. Umsatzsteuer, Gewerbesteuer, Einkommensteuer — ein Vielfaches der öffentlichen Investitionen in Messeinfrastruktur. (Quelle: AUMA / Destatis)
80 % des Mittelstands
Rund 80 Prozent der Exportgeschäfte des deutschen Mittelstands werden auf Messen angebahnt. Messen sind für KMU der wichtigste Kanal für internationale Kundenkontakte — wichtiger als digitales Marketing oder Kaltakquise. (Quelle: AUMA-Studie 2024)
Internationale Ausstrahlung — Made in Germany goes global
Deutsche Messen sind keine Inlandsveranstaltungen. Im Durchschnitt kommen 65 Prozent der Aussteller aus dem Ausland, bei manchen Messen über 75 Prozent (Medica, Anuga, drupa, Automechanika). Die größten Aussteller-Nationen neben Deutschland: China, Italien, Türkei, USA, Südkorea, Indien.
Auch auf der Besucherseite: Rund 30 bis 35 Prozent der Besucher kommen aus dem Ausland — bei Fachmessen oft deutlich mehr. Die internationale Strahlkraft ist das, was deutsche Messen von chinesischen oder arabischen Groß-Events unterscheidet: Es kommen nicht nur viele, es kommen die richtigen.
German Trade Fair Quality Abroad (GTQ)
Deutsche Messegesellschaften organisieren nicht nur daheim, sondern exportieren ihre Formate aktiv ins Ausland. Unter dem Qualitätslabel GTQ (entwickelt vom AUMA gemeinsam mit FAMA-Mitgliedern) finden jährlich über 300 eigene Messen auf allen Kontinenten statt.
Für 2026 geplant: 330 Auslandsmessen in fast 40 Ländern — das sind 10 Prozent mehr als 2024. Asien bleibt der wichtigste Zielmarkt, gefolgt von Nord- und Südamerika sowie dem Nahen Osten.
Messe Frankfurt ist mit 113 Auslandsmessen (von 334 weltweit) und rund 43 Prozent Auslandsumsatz der stärkste Exporteur. Messe Düsseldorf betreibt 54 Auslandsmessen (stark wachsend), die Leipziger Messe 48 Projekte weltweit. (Quelle: AUMA-Umfrage Oktober 2025, Unternehmensberichte)
Das GTQ-Label garantiert: Der deutsche Veranstalter ist Inhaber des Grundkonzepts, führt die Umsetzung federführend, erstellt das Budget und steuert den internationalen Vertrieb. Deutsche Messe-Expertise als Exportgut.
Regionale Messen — Das unterschätzte Rückgrat
Die Weltleitmessen dominieren die Schlagzeilen — aber die Basis der deutschen Messewirtschaft ist breiter. Neben den großen internationalen Veranstaltungen gibt es laut AUMA rund 138 Regionalmessen pro Jahr (Stand 2024). Diese Veranstaltungen sind kleiner, aber wirtschaftlich hochrelevant: Sie bringen regionale Anbieter und lokale Einkäufer zusammen — oft in Branchen, die auf den Weltleitmessen nicht vertreten sind.
Die Ausstellerzahl stieg 2024 um 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr — ein Zeichen, dass die regionale Ebene nach Corona vollständig zurück ist. Für den Mittelstand sind Regionalmessen oft der erste Schritt in die Messewelt: kostengünstiger als ein Stand auf der Hannover Messe, direkter Kontakt zu regionalen Entscheidern, kurze Anreisewege.
Beispiele: Die NORTEC (Fertigungstechnik, Hamburg), opti (Augenoptik, München), deubau (Bau, Essen), die FMB (Zulieferer Maschinenbau, Bad Salzuflen) oder die Handwerksmessen in Leipzig und München. Ohne diese regionale Basis wäre das deutsche Messemodell nicht so stabil, wie es ist.
Quelle: AUMA — Regionale Messen in Deutschland 2024 (Daten veröffentlicht 2025)
Von der Fischbrötchen-Messe zum Messeweltmeister — 850 Jahre in 8 Minuten
Mittelalter — Wo alles begann
Die Leipziger Messe erhielt ihr Messeprivileg 1165 von Kaiser Friedrich Barbarossa — eine der ältesten Messen der Welt. Die Frankfurter Messe folgte 1240. Im Mittelalter waren Messen der zentrale Handelsplatz Europas: Kaufleute aus Italien, Flandern und dem Baltikum trafen sich in deutschen Städten an der Kreuzung der großen Handelsrouten. Die föderale Struktur Deutschlands — kein Paris, kein London als einziges Zentrum — schuf von Anfang an ein Netz konkurrierender Standorte.
1947 — Die „Fischbrötchen-Messe"
Zwei Jahre nach Kriegsende, Deutschland in Trümmern. Die britische Besatzungsmacht genehmigt eine Exportmesse in Hannover — in den Hallen des ehemaligen Vereinigte Leichtmetallwerke. Die Bedingungen sind improvisiert: Fischbrötchen als Verpflegung, Trümmergrundstücke als Parkplatz. Trotzdem kommen 736.000 Besucher aus 53 Ländern in nur 21 Tagen. Es werden Exportverträge im Wert von 32 Millionen US-Dollar geschlossen — für das zerstörte Deutschland ein Lebenszeichen an die Weltwirtschaft. Die Deutsche Messe AG wird gegründet. (Quelle: Deutsche Messe AG, Unternehmenschronik)
1950er–1970er — Wirtschaftswunder auf dem Messegelände
Mit dem Wirtschaftswunder explodieren die Zahlen. Ab 1960 überschreitet die Hannover Messe die Millionengrenze bei den Besuchern. Frankfurt, Düsseldorf, Köln und München bauen ihre Gelände massiv aus. 1970 entsteht in Hannover die CeBIT-Halle — laut Guinness die größte Messehalle der Welt. Die Messen sind Motor und Schaufenster zugleich: „Made in Germany" wird auf den Messeständen zum globalen Markenzeichen.
1980er — Die goldene Ära der Massenströme
Das Rekordjahr 1984: 740.000 Besucher auf der Hannover Messe, acht Guinness-Einträge. Die Messe ist zu dieser Zeit ein Volksfest der Industrie — Hunderttausende strömen durch die Hallen, Aussteller zeigen alles von Werkzeugmaschinen bis Unterhaltungselektronik unter einem Dach. 1986 wird die CeBIT als eigenständige IT-Messe abgespalten — der Boom der Computer- und Bürotechnik ist so groß, dass eine Messe allein nicht mehr reicht.
CeBIT — Aufstieg und Fall der größten IT-Messe der Welt
Die CeBIT ist die spektakulärste Erfolgsgeschichte — und Warnung — der deutschen Messewirtschaft. Nach der Abspaltung von der Hannover Messe 1986 wächst sie in den 1990ern zur weltgrößten IT-Messe. Der Höhepunkt: 2001 kommen über 830.000 Besucher nach Hannover — mehr als auf jeder anderen Fachmesse der Welt.
Dann der Absturz. Das Platzen der Dotcom-Blase trifft die CeBIT hart, aber der eigentliche Killer ist strukturell: Das Internet macht Produktvorstellungen jederzeit online verfügbar. Apple zeigt seine iPhones in eigenen Events. Der Mobile World Congress in Barcelona übernimmt die Mobilfunkbranche, die CES in Las Vegas die Consumer Electronics. Die CeBIT verliert ihre Monopolstellung.
Die Zahlen erzählen die Geschichte schonungslos: 2010 noch 334.000 Besucher, 2015 nur noch 221.000, 2017 rund 200.000, 2018 die letzte Ausgabe mit 120.000 Besuchern. Die Deutsche Messe AG stellt das Format ein. Die Hannover Messe übernimmt die Digitalthemen zurück — diesmal unter dem Label Industrie 4.0 und KI.
Die Lektion der CeBIT: Keine Messe ist unsterblich. Wer den Strukturwandel verschläft, verliert — auch als Weltmarktführer. Die deutschen Messegesellschaften haben daraus gelernt: Jede große Messe heute hat hybride Formate, digitale Matchmaking-Plattformen und eine klare Fokussierung auf Branchen, in denen persönlicher Kontakt unersetzlich ist.
Besucherentwicklung: Hannover Messe & CeBIT 1947–2025
Quellen: Deutsche Messe AG (Unternehmenschronik), AUMA. CeBIT-Daten 1986–2018 (eigenständige Messe). Ab 2019 nur noch Hannover Messe (CeBIT eingestellt).
Deutschland vs. CES Las Vegas vs. China — Der Vergleich
Deutschlands Messen haben nicht mehr die Besuchermassen der 1980er — aber sie haben etwas Besseres: die höchste Qualität. Der direkte Vergleich mit den größten internationalen Wettbewerbern zeigt, warum Quantität und Qualität zwei verschiedene Dinge sind.
| Kriterium | Deutschland 2025 | CES Las Vegas 2025 | China (Canton Fair 2024) |
|---|---|---|---|
| Top-Messe Besucher | Hannover: 127.000 (B2B, hochqualifiziert) | 142.465 (Consumer + Fach) | ~250.000 pro Session (Import/Export) |
| Aussteller | 4.000 (Hannover) aus 60 Ländern | 4.500 aus 150+ Ländern | 25.000+ (Canton Fair) |
| Charakter | Industrie-Leitmesse: KI, Energie, Automation | Consumer-Tech-Show + Innovation | Massen-Handelsmesse (Import/Export) |
| Internationalität | 65 % ausl. Aussteller, 40 % Besucher | 40 % international (142+ Länder) | Stark wachsend, aber chinesisch dominiert |
| Exportimpuls | 80 % der KMU-Exporte messeinduziert | Eher Trendsetting als Geschäftsanbahnung | Hoch (Einkaufsplattform für Global Sourcing) |
| Hallenfläche | 466.000 m² (Hannover — zweitgrößtes Gelände weltweit) | 250.000 m² (LVCC + Venetian) | 1,5 Mio. m² (Canton Fair Complex — weltgrößtes Messegelände) |
| Stärke | 2/3 aller Weltleitmessen. Qualität + Tiefe. | Größte Tech-Consumer-Messe der Welt | Quantitativ überlegen + staatliche Förderung |
Quellen: Deutsche Messe AG (2025), CES Attendance Audit (März 2025), AUMA (2025), Canton Fair Official Statistics (2024). Alle Zahlen auf die jeweils letzte verfügbare Ausgabe bezogen.
Qualität statt Masse — Warum weniger Besucher mehr Wirkung haben
Die Kernfrage ist nicht „wie viele kommen", sondern „wer kommt". Auf der Hannover Messe 2025 waren über 40 Prozent der Besucher aus dem Ausland — Einkäufer, Ingenieure, Geschäftsführer. Die CES in Las Vegas zieht ein breiteres Publikum (Journalisten, Influencer, Technik-Fans), die Canton Fair in Guangzhou ist primär eine Einkaufsplattform für Global Sourcing.
Deutschlands Messen haben sich von Massenveranstaltungen zu fokussierten Business-Hubs gewandelt. Das ist kein Schrumpfen — das ist eine strategische Neuausrichtung. Die Besucherzahlen der 1980er kommen nicht wieder, und das ist in Ordnung. Dafür ist der Anteil der Entscheider höher als je zuvor, die digitale Verlängerung (Matchmaking, Lead-Scoring, virtuelle Rundgänge) multipliziert die Kontakte, und 80 Prozent der Exportgeschäfte des deutschen Mittelstands werden nach wie vor auf Messen angebahnt — nicht auf LinkedIn, nicht per Kaltakquise.
Das Fazit in einem Satz: Von 736.000 Fischbrötchen-Besuchern 1947 zur fokussierten Weltleitmesse 2025 — weniger Masse, mehr Klasse, gleiches Ergebnis: Deutschland bleibt Messeweltmeister.
Digitalisierung — Vom Messestand zum Matchmaking
Hybride Messen (physisch + digital) sind seit Corona Standard. Alle großen Messegesellschaften haben digitale Plattformen aufgebaut: Messe Frankfurt mit „Nextrade" und „Neonyt Digital", Deutsche Messe mit der DXMD (Digital Experience), Koelnmesse mit dem „matchmaking365"-Portal. Die physische Messe bleibt der Kern — aber digitale Vorab-Matchings, Lead-Generierung und virtuelle Rundgänge sind zum Pflichtprogramm geworden.
KI auf Messen: Intelligentes Matchmaking (Aussteller ↔ Besucher nach Branche, Produkt, Sprache), automatisierte Lead-Scoring-Systeme, KI-gestützte Besucherlenkung und Navigation. Die Hannover Messe 2026 hat erstmals einen dedizierten „AI in Manufacturing"-Bereich mit über 200 Ausstellern.
Herausforderungen — Wo der Messeplatz unter Druck steht
Konkurrenz aus Schwellenländern: Dubai, Shanghai, Singapur und Abu Dhabi investieren Milliarden in neue Mega-Gelände und subventionierte Events. Das Dubai World Trade Centre und die China Import and Export Fair (Canton Fair) setzen auf staatliche Massenförderung — ein Modell, dem deutsche Messegesellschaften mit ihrem Qualitätsansatz nicht folgen können und wollen.
Verpasste Chancen im Ausland: Deutsche Veranstalter haben bei der Etablierung echter globaler Weltleitmessen im Ausland nicht die gleiche Dominanz erreicht wie daheim. Die einzigartige Dichte deutscher Weltmarktführer und Hidden Champions lässt sich nur schwer ins Ausland verpflanzen. Asien ist zwar stärkster GTQ-Markt, aber echte Leitmesse-Positionen in Branchen wie Future Mobility oder Consumer Electronics werden dort zunehmend von lokalen Playern besetzt.
Nachhaltigkeit: Messen erzeugen CO₂ durch Flüge, Standbau, Energie. Alle großen Gesellschaften haben Nachhaltigkeitsstrategien (z.B. Messe München: klimaneutral bis 2030, Messe Frankfurt: Green-Venue-Zertifizierung). Der Standbau bleibt eine Baustelle — modulare und wiederverwendbare Systeme ersetzen langsam die Einweg-Standbauten.
Fachkräftemangel im Messebau: Standbauer, Logistiker, Elektrotechniker — der Mangel trifft die Messebranche hart. Aufbau und Abbau einer großen Messe erfordern tausende Fachkräfte innerhalb weniger Tage.
Digitale Alternativen: Videokonferenzen, virtuelle Showrooms und KI-gestütztes Lead-Management machen physische Messen nicht überflüssig — aber sie verändern die Erwartungen. Aussteller fragen: „Lohnt sich der Messestand für 50.000 Euro noch?" Die Antwort ist meistens ja — wenn die Messe eine echte Leitmesse ist. Bei B- und C-Messen wächst der Druck.
Zukunft — 770 Millionen Euro bis 2029
Die deutschen Messegesellschaften investieren massiv in Infrastruktur und Nachhaltigkeit. Laut AUMA fließen bis 2029 insgesamt 770,6 Millionen Euro in Modernisierung, Energieeffizienz und Klimaschutz — eine klare Antwort auf die wachsende Konkurrenz aus Dubai und Shanghai.
770,6 Mio. Euro bis 2029
Neue Hallen, Sanierung bestehender Gelände, energieeffiziente Gebäudetechnik. Messe München baut aktuell eine neue Halle für die bauma 2028, Messe Frankfurt modernisiert die Hallen 1–3. (Quelle: AUMA Pressemitteilung 2025)
Klimaneutral bis 2030
Photovoltaik-Anlagen auf Hallendächern, E-Ladestationen für Aussteller und Besucher, Begrünung von Freiflächen, modularer Standbau statt Einwegkonstruktionen. Messe München hat sich als erste große Gesellschaft zur Klimaneutralität bis 2030 verpflichtet. (Quelle: AUMA, Messegesellschaften)
236 Gemeinschaftsbeteiligungen
Das Bundeswirtschaftsministerium fördert 2026 insgesamt 236 deutsche Gemeinschaftsbeteiligungen in über 50 Ländern. Top-Zielmärkte: USA (32), China (27), VAE (23), Indien (20). Rund 5.000 deutsche Unternehmen nutzen das Programm jährlich — der Bund übernimmt etwa 50 Prozent der Kosten. (Quelle: AUMA / BMWK 2026)
Hybride Formate als Standard
Jede große Messegesellschaft betreibt eine eigene digitale Matchmaking-Plattform. Besucherdaten werden KI-gestützt analysiert, um Aussteller und Einkäufer gezielter zusammenzubringen. Die physische Messe bleibt der Kern — aber ohne digitale Verlängerung geht nichts mehr.
Die Botschaft: Deutschlands Messegesellschaften investieren antizyklisch — während andere Branchen sparen, wird hier gebaut. Das ist kein Zufall: Wer im internationalen Messegeschäft die beste Infrastruktur hat, zieht die Aussteller an. Und wer die Aussteller hat, hat die Besucher.
Quellen: AUMA (Pressemitteilung Investitionen, 2025), BMWK (Bundesauslandsmesseprogramm 2026), Messegesellschaften (Geschäftsberichte 2024)
Quellen & Datenstand
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