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Rüstungsindustrie Deutschland 2026, DefenseTech-Boom, Unternehmen, Investitionen

Nach Jahrzehnten der Friedensdividende erlebt die deutsche Verteidigungsindustrie den größten Umbruch seit dem Kalten Krieg. Der Wehretat 2026 durchbricht erstmals die 100-Milliarden-Grenze. Rheinmetall wächst wie ein Tech-Konzern. Und aus München kommen Startups wie Helsing und Quantum Systems, die mit KI-Drohnen die Kriegsführung verändern. Diese Seite zeigt die Zahlen, die Firmen und die Fragen, die sich daraus ergeben, sachlich, ohne Hurra-Patriotismus und ohne Pazifismus-Romantik.

Zuletzt aktualisiert am 26. Juli 2026
€108 Mrd.
Wehretat 2026
Höchster realer Wehretat seit Ende des Kalten Krieges. €82,7 Mrd. regulärer Etat + €25,5 Mrd. Sondervermögen.
BMVg 2026
€48 Mrd.
Beschaffung
Fast die Hälfte des Wehretats fließt in neue Ausrüstung, Munition und Systeme.
BMVg 2026
€1,25 Mrd.
VC DefenseTech
Venture Capital in deutsche DefenseTech-Startups 2025, Spitze in Europa.
PitchBook / Crunchbase 2025
18 Mrd. US$
Helsing-Bewertung
Wertvollstes europäisches DefenseTech-Startup. KI-Kampfdrohnen aus München. Series E über 1,8 Mrd. US-Dollar.
Juli 2026
Kapitel 01

Geschichte, vom Verbot zum Boom

Die deutsche Rüstungsindustrie hat eine bewegte Geschichte, die eng mit der politischen Entwicklung des Landes verknüpft ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion durch die Alliierten verboten und die Industrie vollständig demilitarisiert. Die Pariser Verträge 1954/55 hoben das Produktionsverbot auf, unter der Bedingung strikter Rüstungskontrolle durch die Westeuropäische Union (WEU). Mit der Wiederbewaffnung unter massivem US-Druck, dem NATO-Beitritt 1955 und dem Aufbau der Bundeswehr kam der Neustart: Firmen wie Rheinmetall (gegründet 1889), Krauss-Maffei Wegmann und Heckler & Koch knüpften an alte Traditionen an. Die Alliierten fuhren gezielt alte Kapazitäten für NATO-Standards wieder hoch.

Im Kalten Krieg florierte die Branche als Waffenschmiede für Bundeswehr und NATO-Partner, Deutschland war „Frontstaat" und produzierte nicht nur für die eigene Armee, sondern für das gesamte westliche Bündnis. Nach 1990 folgte die „Friedensdividende": Der Verteidigungsetat sank von ca. 2,5 % des BIP (1990) auf unter 1,3 % in den 2000er Jahren. Tausende Jobs gingen verloren, Konsolidierungen und Fusionen prägten die Jahrzehnte (z.B. Airbus Defence & Space). Die „Politischen Grundsätze" der Bundesregierung von 1971 regelten Exporte restriktiv, NATO-Partner bevorzugt, Drittländer stark eingeschränkt.

Die Zeitenwende 2022 änderte alles. Seitdem verzeichnen Rheinmetall (+47 % Umsatz), KNDS, TKMS und Hensoldt Rekordumsätze. Diehl Defence wuchs um 53 %. Die 100 größten Rüstungskonzerne weltweit machten 2024 Rekordumsätze, und deutsche Firmen kletterten in den Rankings.

Kapitel 02

Zeitenwende in Zahlen, der Wehretat

Im Februar 2022 kündigte Bundeskanzler Scholz die „Zeitenwende" an. 100 Milliarden Euro Sondervermögen für die Bundeswehr, plus das Versprechen, dauerhaft 2 % des BIP für Verteidigung auszugeben. Drei Jahre später zeigen die Zahlen: es war kein leeres Versprechen.

Wehretat 2021
€46,9 Mrd.
Wehretat 2022
€50,3 Mrd.
Wehretat 2023
€58,8 Mrd.
Wehretat 2024
€73,4 Mrd.
Wehretat 2025
€89,2 Mrd.
Wehretat 2026
€108,2 Mrd.
Sondervermögen Bundeswehr, kommt das Geld an?

Ja, und der Abfluss lässt sich amtlich nachvollziehen. Das Sondervermögen ist kein Konto, sondern eine Kreditlinie über 100 Milliarden Euro. Am 30. Juni 2026 stand es mit 51,6 Milliarden Euro in der Kreditaufnahme des Bundes, Ende 2024 waren es 23 Milliarden. Zum 30. Januar 2025 meldete die Bundesregierung rund 23,6 Milliarden Euro tatsächliche Ausgaben und weitere rund 55,3 Milliarden Euro vertraglich gebunden, aber noch nicht kassenwirksam. 2022 floss kassenwirksam noch nichts, seit 2023 laufen die Auszahlungen: F-35-Kampfjets, Puma-Nachrüstung, U-Boot-Modernisierung (sechs Boote Typ 212A für 800 Mio. Euro bei TKMS), Chinook-Hubschrauber, Eurofighter-Aufrüstung, Funkgeräte und Munitionsvorräte. Für 2025 waren im Wirtschaftsplan 24,06 Milliarden Euro veranschlagt, tatsächlich abgeflossen sind 19,50 Milliarden; die übrigen 4,56 Milliarden wurden nach 2026 übertragen und sind nicht verfallen. Kumuliert waren zum 30. Juni 2026 rund 50,7 Milliarden Euro ausgegeben (BT-Drucksache 21/7052). Für 2026 sind 25,5 Milliarden eingeplant, für 2027 nennt der Regierungsentwurf vom 6. Juli 2026 30,0 Milliarden Euro, die Eckwerte vom April hatten noch 27,5 vorgesehen. Ab 2028 führt der Bund das Sondervermögen mit null. Seine Aufgabe übernimmt seit März 2025 die Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse.

Zwei Zahlen, die hier leicht durcheinandergehen: Die 51,6 Milliarden Euro sind der Stand der Kreditaufnahme des Bundes für das Sondervermögen, die 50,7 Milliarden die bis zum selben Tag geleisteten Ausgaben. Und „gebunden" ist nicht dasselbe wie „ausgegeben": Ende 2025 waren die Ausgabemittel des Sondervermögens nach dem Fortschrittsbericht der Bundesregierung zu 97 Prozent gebunden, eine amtliche Euro-Zahl zur vertraglichen Bindung gibt es seit dem 26. Mai 2025 nicht mehr, weil die halbjährlichen Berichte des Verteidigungsministeriums als Verschlusssache eingestuft sind.

Die eigentliche Zäsur war nicht 2022, sondern März 2025

Das Sondervermögen ist die bekannte Zahl, aber es ist die kleinere. Am 18. März 2025 beschloss der Bundestag mit 512 Stimmen eine Änderung der Artikel 109, 115 und 143h des Grundgesetzes, in Kraft seit dem 25. März 2025. Seither zählen Ausgaben für Verteidigung, Zivil- und Bevölkerungsschutz, Nachrichtendienste, den Schutz informationstechnischer Systeme und die Hilfe für völkerrechtswidrig angegriffene Staaten oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts nicht mehr gegen die Schuldenbremse. Fachlich heißt das Bereichsausnahme.

Der Unterschied zum Sondervermögen ist grundsätzlich. Das Sondervermögen war ein einmaliger Betrag mit Ende. Die Bereichsausnahme hat keine Obergrenze und kein Ablaufdatum. Für 2026 rechnet das Bundesfinanzministerium mit 100,1 Milliarden Euro Ausgaben in diesem Bereich, davon 82,2 Milliarden für Verteidigung. Nach Abzug des einen Prozents vom Bruttoinlandsprodukt (43,3 Milliarden) bleiben 57,6 Milliarden Euro an Krediten, die außerhalb der Schuldenbremse aufgenommen werden dürfen.

Deshalb steigt der Wehretat weiter, obwohl das Sondervermögen ausläuft. Die Finanzplanung des Bundes sieht für die Verteidigung innerhalb der Bereichsausnahme diesen Verlauf vor:

Verteidigung 2026
€82,2 Mrd.
Verteidigung 2027
€104,5 Mrd.
Verteidigung 2028
€149,5 Mrd.
Verteidigung 2029
€158,8 Mrd.
Verteidigung 2030
€179,8 Mrd.

Ausgaben für Verteidigung innerhalb der Bereichsausnahme nach Artikel 143h Grundgesetz. Quelle: Bundesfinanzministerium, Monatsbericht Mai 2026, Eckwerte für den Bundeshaushalt 2027.

Wofür das Geld 2026 ausgegeben wird, und wie klein der digitale Anteil ist

Der Wehretat 2026 setzt sich aus 82,69 Milliarden Euro im Einzelplan 14 und 25,51 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen zusammen, zusammen 108,2 Milliarden Euro. Fast die Hälfte davon geht in die militärische Beschaffung. Wer in diesen Zahlen nach Künstlicher Intelligenz sucht, findet keinen eigenen Haushaltstitel, sondern nur Posten, in denen sie steckt.

Vier Zahlen für 2026, die alle stimmen und Verschiedenes messen

Wenn in Debatten über den Wehretat unterschiedliche Zahlen fallen, liegt das meist nicht an Fehlern, sondern an vier verschiedenen Definitionen. 108,2 Milliarden Euro ist der Wehretat im engeren Sinn, also Einzelplan 14 plus Sondervermögen. 100,9 Milliarden Euro ist die haushaltsrechtliche Bereichsausnahme, die auch Zivilschutz, Nachrichtendienste und Hilfen für angegriffene Staaten enthält. 124,66 Milliarden Euro meldet Deutschland der NATO, weil deren Definition Pensionen und militärische Ausgaben aus anderen Einzelplänen mitzählt. Und 57,6 Milliarden Euro sind die Kredite, die dank der Bereichsausnahme nicht gegen die Schuldenbremse zählen.

Entsprechend gibt es auch mehrere Quoten: Der Bundestag rechnet die 108,2 Milliarden gegen das Bruttoinlandsprodukt von 2024 und kommt auf 2,5 Prozent. Die NATO weist für Deutschland 2026 2,69 Prozent aus, das Bundesfinanzministerium plant mit 2,8 Prozent. Das NATO-Ziel von 3,5 Prozent will Deutschland 2029 erreichen. Wer eine dieser Quoten zitiert, sollte dazusagen, welche Größe darin steckt. Quellen: Bundestag (hib 360/2025), NATO „Defence Investment of NATO Countries", Bundesfinanzministerium.

Eine ökonomische Einordnung, die in der Debatte oft in die falsche Richtung läuft: Der Sachverständigenrat beziffert den Wachstumsbeitrag des gesamten Finanzpakets, also Infrastruktur-Sondervermögen, Verteidigung und Entlastungen zusammen, auf etwa 0,3 Prozentpunkte je Jahr für 2026 und 2027. Das Kiel Institut kommt auf 0,4 Prozentpunkte für 2026, das ifo-Institut auf 0,5. Für die Verteidigungsausgaben allein rechnet der Sachverständigenrat mit einem Multiplikator von 0,4 im ersten und 0,3 im fünften Jahr und schreibt ausdrücklich, dass kreditfinanzierte Verteidigungsausgaben „in allen Zeithorizonten Multiplikatoren unter eins aufweisen". Ein Euro Rüstungsausgabe erzeugt also weniger als einen Euro zusätzliche Wirtschaftsleistung. Wer den Wehretat als Konjunkturprogramm beschreibt, findet dafür in den Gutachten keine Grundlage.

Militärische Beschaffung
47,88 Mrd.
22,37 Mrd. aus dem Einzelplan 14, 25,51 Mrd. aus dem Sondervermögen.
Munition
14,8 Mrd.
12,67 Mrd. aus dem Einzelplan, 2,13 Mrd. aus dem Sondervermögen. Der größte Einzelblock der Beschaffung.
Informationstechnik
2,49 Mrd.
Kapitel 1413, vom Haushaltsausschuss um 14 Mio. angehoben. Darin bis zu 40 Mio. für den Cyber Innovation Hub.
Wehrforschung und Erprobung
1,58 Mrd.
2025 waren es 1,19 Mrd. Hier sitzt der größte Teil der Entwicklungsarbeit an autonomen Systemen.

Das Verhältnis ist der eigentliche Befund. Munition allein bekommt rund sechs mal so viel wie die gesamte Informationstechnik der Bundeswehr, und der Cyber Innovation Hub, die Stelle, an der neue Software überhaupt erst getestet wird, liegt bei 40 Millionen Euro. Das ist weniger als ein Tausendstel des Wehretats. Gleichzeitig nennt das Bundesministerium der Verteidigung die Beschaffung von Drohnensystemen im Wirkverbund als wachsenden Schwerpunkt, und im Februar 2026 ist in Erding ein eigenes Innovationszentrum eröffnet worden. Der Anspruch ist also da, der Haushaltsposten hält bisher nicht Schritt.

Quellen: Bundestag, heute im bundestag 360/2025 · Bundestag, heute im bundestag 583/2025 · BMVg zum Verteidigungshaushalt 2026 · BMF-Monatsbericht Juli 2026, Kreditaufnahme des Bundes

Kapitel 03

NATO-Ziel, 2 %, 3,5 %, oder Trumps 5 %?

20 Jahre Verteidigungsausgaben, Deutschland im NATO-Vergleich

Jahrelang hat Deutschland das NATO-2-%-Ziel (vereinbart 2002 in Prag, bestätigt 2014 in Wales) verfehlt. Donald Trump hat seit 2017 wiederholt kritisiert, dass Deutschland seinen fairen Anteil nicht zahlt. Bis 2023 traf diese Kritik zu, seit 2024 liegt Deutschland erstmals seit über 20 Jahren darüber.

Jahr% des BIPMrd. EuroEinordnung
20051,28 %~33Friedensdividende, Tiefstand
20101,34 %~36Unter Ziel, kaum Debatte
20141,18 %~34Wales-Gipfel: 2 %-Ziel vereinbart
20171,22 %~40Trump-Kritik beginnt
20201,53 %~52Langsamer Anstieg
20221,44 %~50Zeitenwende angekündigt
20231,57 %~58Sondervermögen fließt an
20242,12 %~90,6Erstmals 2 % erreicht
2025~2,39 %~95 bis 100Deutlich über Ziel
2026~2,5 %~108Höchster realer Wehretat seit Kaltem Krieg

Quellen: NATO Defence Expenditure Report, SIPRI Military Expenditure Database, BMVg Haushalt 2026. BIP-Anteile nach NATO-Definition (inkl. Pensionen). Werte gerundet.

Deutschlands Wehretat 2005 bis 2026

Milliarden Euro (Balken) und BIP-Anteil in Prozent (Linie). Die rote Linie zeigt das NATO-2-%-Ziel.

NATO-Gipfel Den Haag 2025, das neue 5-%-Ziel

Auf dem NATO-Gipfel in Den Haag im Juni 2025 haben die Alliierten ein deutlich höheres Ziel vereinbart: Bis 2035 sollen alle Mitglieder jährlich 5 % des BIP für Verteidigung und sicherheitsrelevante Ausgaben aufwenden, davon mindestens 3,5 % für Kernverteidigung (Personal, Ausrüstung, Einsatzbereitschaft) und 1,5 % für ergänzende Bereiche wie Infrastruktur, Resilienz und Verteidigungsindustrie. 2025 haben erstmals alle NATO-Staaten das alte 2-%-Ziel erfüllt oder übertroffen. Drei Länder (Polen, Litauen, Lettland) erreichten bereits die neue 3,5-%-Marke.

Trump forderte als US-Präsident sogar ein pauschales 5-%-Ziel für alle NATO-Staaten, sofort, nicht erst 2035. Das würde für Deutschland bei aktuellem BIP-Niveau €215 bis 225 Mrd. pro Jahr bedeuten, mehr als eine Verdopplung. Deutschland plant, 3,5 % bereits 2029 zu erreichen, sechs Jahre früher als von der NATO gefordert.

2024, erreicht
2,12 %
2026, geplant
2,5 %
2029, Deutschlands Ziel
3,5 %
Trump-Forderung
5,0 %

5 % sind politisch und haushaltstechnisch (Schuldenbremse, Sondervermögen-Auslauf 2027) hoch umstritten und aktuell unrealistisch. Aber die Richtung ist klar: Deutschland wird in den nächsten Jahren mehr für Verteidigung ausgeben als je zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik.

Top-Verteidigungsausgaben weltweit 2026

in Mrd. Euro · Maßstab: USA = 100 %
🇺🇸 USA ~€820 Mrd.
🇨🇳 ~€250
🇷🇺
🇮🇳
🇬🇧
🇩🇪
🇺🇸 USA ~€820 Mrd. 🇨🇳 China ~€250 Mrd. 🇷🇺 Russland ~€115 Mrd. 🇮🇳 Indien ~€105 Mrd. 🇬🇧 UK ~€100 Mrd. 🇩🇪 Deutschland €108 Mrd. ↑ Top 6 weltweit

Quellen: SIPRI, NATO, nationale Haushaltspläne. Werte gerundet, Wechselkurseffekte berücksichtigt.

Verteidigungsausgaben 2026 im Ländervergleich

in Milliarden Euro (links) und Anteil am BIP in Prozent (rechts)

Quellen: SIPRI MILEX, NATO Defence Expenditure. Werte gerundet, teilweise Schätzungen.

Kapitel 04

Die großen Player, etablierte Rüstungskonzerne

Deutschland hat eine Handvoll Rüstungskonzerne, die in ihren Segmenten europa- oder weltweit führend sind. Anders als in den USA oder Frankreich ist die deutsche Rüstungsindustrie stärker auf Land- und Marinesysteme spezialisiert, bei Kampfflugzeugen und Raketen dominieren die USA und Frankreich.

Rheinmetall

Düsseldorf · börsennotiert · ~33.000 Mitarbeiter

Größter deutscher Rüstungskonzern. Panzer (Leopard 2, Panther KF51), Munition, Fahrzeugsysteme, Flugabwehr (Skynex). Umsatzwachstum 2025: +29 %, für 2026 werden +40 bis 45 % erwartet. Q1 2025: +73 % im Verteidigungsbereich. Rheinmetall ist der DAX-Wert mit dem stärksten Kursanstieg seit 2022.

KNDS (KMW + Nexter)

München/Paris · Gemeinschaftsunternehmen · ~9.000 MA

Deutsch-französischer Heeresausstatter. KMW baut den Leopard 2, den Boxer und den Puma. Nexter den französischen Leclerc. Gemeinsames Zukunftsprojekt: MGCS (Main Ground Combat System), der Panzer der nächsten Generation für Europa.

Hensoldt

Taufkirchen · börsennotiert · ~7.400 MA

Europas führender Sensorik-Spezialist. Radar, Elektronische Kampfführung, Optronik. Auftragseingang 2025: Rekord von €4,7 Mrd. Kernprodukt: TRML-4D-Radar (NATO-Standard). Liefert die „Augen und Ohren" für fast jedes europäische Waffensystem.

ThyssenKrupp Marine Systems

Kiel · Konzerngesellschaft · ~6.500 MA

U-Boote und Marineschiffe. Baut die U-Boot-Klasse 212CD für Deutschland und Norwegen, das modernste konventionelle U-Boot der Welt. Auftragsbestand auf Rekordhoch: über €18 Mrd. Kiel als größter Marineschiffbau-Standort Europas.

Diehl Defence

Überlingen · Familienunternehmen · ~4.000 MA

Lenkflugkörper und Flugabwehr. Produziert die IRIS-T, das Flugabwehrsystem, das in der Ukraine bereits hunderte russische Raketen und Drohnen abgefangen hat. Familiengeführt, kein Börsenunternehmen. Stille Weltspitze bei Kurzstrecken-Lenkflugkörpern.

MBDA Deutschland

Schrobenhausen · Joint Venture (Airbus/BAE/Leonardo)

Europas größter Lenkflugkörper-Hersteller. Taurus-Marschflugkörper, Meteor-Luftkampfrakete, MEADS-Flugabwehr. Trinationaler Konzern, aber die deutschen Standorte (Schrobenhausen, Aschau) liefern Schlüsselkomponenten für nahezu jedes europäische Raketenprogramm.

Airbus Defence & Space

Manching/München · Konzerngesellschaft · ~35.000 MA (weltweit)

Eurofighter-Produktion (Endmontage Manching), A400M-Transportflugzeug, militärische Hubschrauber (NH90, Tiger), Aufklärungssatelliten und die Eurodrohne (MALE RPAS). Der deutsche Standort Manching ist die Drehscheibe für europäische Kampfflugzeug-Entwicklung.

Heckler & Koch

Oberndorf am Neckar · privat · ~1.100 MA

Weltbekannte Handfeuerwaffen: G36 (Standardgewehr der Bundeswehr bis 2025), HK416 (genutzt von KSK, US-Delta Force, französischer Armee), MP5, MP7. Seit 2024 liefert H&K das neue Sturmgewehr HK416 A8 an die Bundeswehr. Symbolisch das bekannteste deutsche Rüstungsunternehmen, wenn auch gemessen am Umsatz deutlich kleiner als Rheinmetall.

SIPRI Top 100, deutsche Rüstungskonzerne im Aufstieg

Laut dem SIPRI Top 100 Arms Producers Report 2024 sind vier deutsche Unternehmen unter den weltweit 100 größten Rüstungsproduzenten vertreten. Ihre kombinierten Rüstungsumsätze stiegen um 36 % auf 14,9 Milliarden US-Dollar. Rheinmetall (Rang 20) verzeichnete mit 8,24 Milliarden US-Dollar (+47 %) das stärkste Wachstum, gefolgt von Diehl (+53 %), Hensoldt und TKMS. Die Zuwächse gehen vor allem auf die starke Nachfrage nach Munition, gepanzerten Fahrzeugen und Luftabwehrsystemen zurück.

Kapitel 05

DefenseTech-Startups, KI, Drohnen, Software

Die eigentliche Revolution findet nicht bei den großen Konzernen statt, sondern in einer neuen Generation von Startups, die mit KI, Autonomie und Software-Defined Defense die Spielregeln ändern. Deutschland liegt hier in Europa vorne, mit München als Epizentrum.

18 Mrd. US$

Helsing SE

KI-gestützte autonome Kampf- und Überwachungssysteme. Bewertung 18 Mrd. US-Dollar nach einer Series E über 1,8 Mrd. US-Dollar (Juli 2026), zuvor 12 Mrd. Euro nach 600 Mio. Euro im Juni 2025. Gründer: Gundbert Scherf und Torsten Reil. Wertvollstes europäisches DefenseTech-Startup. Möglicher Börsengang 2026.

Unicorn

Quantum Systems

Aufklärungsdrohnen (Vector, Trinity). €160 Mio. Finanzierungsrunde Mai 2025, jüngstes europäisches DefenseTech-Unicorn. Drohnen im aktiven Einsatz in der Ukraine. Produktion in Gilching bei München. IPO-Pläne 2026.

Newcomer

ARX Robotics

Autonome Bodenroboter für Logistik, Minenräumung und Aufklärung. München. Modulares System, verschiedene Aufbauten für verschiedene Missionen. Prototypen im Test bei der Bundeswehr. Frühphase, aber mit starkem Momentum.

€1,25 Milliarden Venture Capital flossen 2025 in deutsche DefenseTech-Startups, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Vor fünf Jahren existierte diese Branche in Deutschland praktisch nicht. Die Ukraine hat gezeigt: moderne Kriegsführung ist Software-Krieg. Und Deutschland hat plötzlich die Startups, die Software können.

ILA 2026: Quantum Systems enthüllt die PULSE P19, halb Flugzeug, halb Drohne

Auf der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung in Berlin (10. bis 14. Juni 2026) hat Quantum Systems am Eröffnungstag die PULSE P19 enthüllt, in Anwesenheit von Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Messe eröffnete und als Privatpilot ein besonderes Verhältnis zur Luftfahrt mitbringt. Das Besondere an dem Propellerflugzeug: Es ist ein optional bemanntes Mehrzweck-Kampfflugzeug. Derselbe Flieger kann mit Pilot im Cockpit starten oder als Drohne, der Wechsel zwischen beiden Betriebsarten soll im fertigen System per Schalter möglich sein. Quantum Systems bezeichnet die P19 als Konzeptstudie dafür, wie sich das Unternehmen große Aufklärungs- und Kampfdrohnen künftig vorstellt: schneller und deutlich günstiger als heutige Systeme dieser Klasse, damit sie in Stückzahlen beschafft werden können.

Die vorläufigen Daten: maximal 4.200 kg Startgewicht, bis zu 2.500 kg Zuladung an sechs Flügelstationen nach NATO-Standard, rund 536 km/h Reisegeschwindigkeit, etwa 7.600 m Flughöhe, elf Stunden Ausdauer (mit Zusatztanks 18 Stunden) und 2.200 km Reichweite (erweiterbar auf 3.700 km). Der gedachte Haupteinsatz ist der Schwarmjäger: Die P19 kann bis zu zwölf der hauseigenen Abfangdrohnen mitführen, autonom aufsteigen und damit anfliegende Kamikaze-Drohnen vom Typ Shahed bekämpfen, deutlich billiger, als wenn Eurofighter gegen Billigdrohnen aufsteigen müssen. Je nach Bestückung (Maschinengewehre, Loitering Munition, Sensorik, Lenkflugkörper des Partners Destinus) wird daraus ein Aufklärer, Drohnenjäger oder Erdkampfflugzeug. Der Erstflug ist für Sommer 2027 geplant, zunächst bemannt, weil die Zulassung in Deutschland so schneller gelingt. Für Quantum Systems, groß geworden mit kleinen Aufklärungsdrohnen wie der Vector, ist es der bisher größte Schritt: vom taktischen Spezialisten zum Anbieter bewaffnungsfähiger Luftplattformen. Helsing enthüllte am selben Messetag die CA‑1EA, eine Variante seines Kampfdrohnen-Konzepts für den elektronischen Kampf.

Der Münchner Drohnen-Cluster: Startups, Bundeswehr und Industrie an einem Ort

Was sich um München herum entwickelt hat, ist mehr als eine Ansammlung einzelner Firmen. Innerhalb weniger Kilometer liegen Hersteller (Quantum Systems in Gilching, Helsing, ARX Robotics und Tytan Technologies in München), die TU München und die Universität der Bundeswehr als Forschungs-Anker, und seit Februar 2026 auch die zentrale Test-Infrastruktur des Bundes. Drei Bausteine machen den Cluster aus:

3.000/Monat

Tytan Technologies

Münchner Spezialist für kostengünstige Abfangdrohnen gegen anfliegende Kampfdrohnen, bereits im Ukraine-Einsatz erprobt. Geplante Fertigungskapazität: bis zu 3.000 Abfangdrohnen pro Monat bis Ende 2026. Seit Januar 2026 strategische Partnerschaft mit HENSOLDT: Tytans Abfangjäger werden mit der Führungssoftware Elysion Mission Core verbunden, eine sofort einsetzbare Drohnenabwehr „made in Bavaria".

4 Firmen

UXS Alliance

2024 von Quantum Systems und ARX Robotics gegründeter Zusammenschluss, erweitert um STARK (Kamikaze-Drohnen) und ACS Armoured Car Systems. Kernprojekt ist ein Software-Rahmen, der unbemannte Systeme aller Hersteller über Luft und Boden hinweg vernetzt. Erklärtes Ziel: gebündelte deutsche und europäische Fähigkeiten für die Sicherung der NATO-Ostflanke, statt Insellösungen einzelner Anbieter.

02/2026

Innovationszentrum Erding

Am 2. Februar 2026 eröffnete Verteidigungsminister Boris Pistorius auf dem ehemaligen Fliegerhorst Erding das Innovationszentrum der Bundeswehr (InnoZBw), im Beisein von Ministerpräsident Markus Söder. Formal aufgestellt wurde es bereits am 1. Dezember 2025. Träger ist der Bund über das Beschaffungsamt BAAINBw. In den Hangars testen Truppe und Industrie gemeinsam Drohnen, Drohnenabwehr und Roboter in nachgebauten Einsatz-Kulissen. Schwerpunkte: KI, Drohnen, autonome Logistik, robuste Kommunikation, Laser, Kleinstsatelliten. Leiter ist Flottillenadmiral Christian Bock.

>130 km

Stark Defence

Am 26. Februar 2026 schloss das Unternehmen einen Rahmenvertrag mit dem Beschaffungsamt BAAINBw über die Loitering Munition Virtus: nach Herstellerangaben über 130 Kilometer Reichweite und bis zu 90 Minuten Flugzeit. Am selben Tag unterzeichnete die Bundeswehr auch mit Helsing Kaufverträge, es waren die ersten Beschaffungsverträge dieser Art mit deutschen Drohnenherstellern. Weitere eigene Systeme: Vanta, Minerva, Gambit, Cascade. Ein deutscher Fertigungsstandort ist vom Unternehmen bisher nicht öffentlich benannt, genannt wird nur eine Produktionsfläche von 18.500 Quadratmetern.

3 Systeme

Donaustahl

Der Hersteller aus Hutthurm im Landkreis Passau baut drei Loitering-Munition-Plattformen, ALMP Maus, ALMP Ratte und ALMP Stryga, sowie den eigenen Avionik-Baustein Combat Stack mit einer angegebenen Kapazität von 300.000 Stück im Jahr. Die 2025 angekündigte eigene Fertigung von Drohnenmotoren und Lichtwellenleitern ist bislang eine Ankündigung, ein Produktionsstart ist nicht belegt.

22 ha

Defense Lab Erding

Um das InnoZBw herum entsteht ein bayerischer Innovationscampus, das Defense Lab Erding. Der Ministerrat beschrieb es am 19. Mai 2026 als „bundesweit einmalige Entwicklungsumgebung für Verteidigungs- und Dual-Use-Technologien", das InnoZBw ist darin der erste Meilenstein. Rund 22 Hektar sollen vom Bund an die Stadt Erding übergehen. Pionierpartner sind der TechHUB SVI von Bayern Innovativ, die TU München, die TUM Venture Labs und die TH Deggendorf. Wichtig zur Unterscheidung: Das InnoZBw ist eine Bundeseinrichtung und läuft, das Defense Lab ist das bayerische Umfeld und ist noch nicht eröffnet. Beides wird häufig verwechselt.

Damit ist die Kette komplett, die anderswo in Deutschland fehlt: Forschung (TU München, Universität der Bundeswehr), Startups mit Ukraine-erprobten Produkten, Massenfertigung im Aufbau, Vernetzung über die UXS Alliance, ein Bundeswehr-Testzentrum vor der Haustür und der politische Rückenwind aus dem Sondervermögen. Die Lehre aus der Ukraine, dass billige Masse plus Software über teure Einzelplattformen siegt, wird hier in Serienprodukte übersetzt. Die ehrliche Einschränkung: Gemessen am Verbrauch eines echten Drohnenkriegs sind auch 3.000 Abfangdrohnen pro Monat erst der Anfang, und die Beschaffungsverfahren der Bundeswehr bleiben der Engpass, den auch ein Testzentrum nicht allein beseitigt.

Helsings Strategie: Masse statt Einzelstück, Software statt Stahl

Helsing ist das Unternehmen, an dem sich die Wette des Clusters am besten ablesen lässt, und die Wette lautet nicht „bessere Flugzeuge", sondern „viele Systeme mit gemeinsamem Gehirn". Vier Bausteine tragen das:

Im Juli 2026 nahm Helsing in einer Series E 1,8 Milliarden US-Dollar auf, bei einer Bewertung von 18 Milliarden US-Dollar. Nach eigenen Angaben bleibt das Unternehmen überwiegend in europäischer Hand. Die nötige Einordnung: Zentrale Leistungsangaben, etwa die Aussage, die HX-2 sei durch Bordintelligenz gegen elektronische Störung „immun", stammen vom Hersteller selbst und sind unabhängig nicht belegt. Für eine Faktenseite gilt: Reichweite, Stückzahl und Bewertung sind belegte Angaben, die Wirksamkeit im Gefecht ist keine.

Was auf der ILA politisch entschieden wurde

Am Morgen des 10. Juni 2026 beschloss das Bundeskabinett die Luftfahrtstrategie der Bundesregierung, Bundeskanzler Friedrich Merz stellte sie am selben Tag zur Eröffnung der ILA in Berlin vor. Es ist die erste seit 2014, und sie wurde von drei Ressorts gemeinsam vorgelegt, Wirtschaft, Verkehr und Verteidigung. Verteidigungsminister Pistorius hob hervor, dass damit erstmals zivile und militärische Luftfahrt in einem Dokument behandelt werden; ein eigenes Ziel der Strategie heißt „Souveränität, Luftfahrt als militärische und zivile Sicherheitstechnologie". Für Drohnen sind zwei Aussagen konkret: Merz nannte die zwei deutschen Drohnen-Einhörner ausdrücklich und kündigte an, diese Stärken „noch intensiver für unsere Verteidigung" zu erschließen. Und für die zivile Seite will die Regierung bis Ende 2026 ein nationales U-Space-Gesetz zur unbemannten Luftfahrt erarbeiten.

Auf der Messe selbst hatte die Drohnentechnik erstmals einen eigenen Ausstellungsbereich, den Drone Pavilion im Defence Park, mit einer eingebauten Flugzone. Dort fand am 11. Juni auch die erste Swarm Drone Challenge statt, ein Wettbewerb für vollautonome Drohnenschwärme im Format „Capture the Flag", ausgerichtet von MBDA Deutschland und brigkAIR, mit Teams aus elf Nationen und 50.000 Euro Preisgeld. Gewonnen hat ein Team aus Abu Dhabi. Zwei Monate zuvor, am 11. Mai 2026, hatten Rheinmetall und die Deutsche Telekom angekündigt, gemeinsam einen Drohnen-Schutzschild für Städte und kritische Infrastruktur zu entwickeln. Das ist ausdrücklich ein ziviles Vorhaben und bisher eine Absichtsvereinbarung ohne Volumen und ohne Vertrag.

Kapitel 06

Rüstungsexporte, Platz 4 weltweit

Deutschland ist laut SIPRI (2021 bis 2025) der viertgrößte Waffenexporteur der Welt mit 5,7 % Anteil am globalen Volumen, ein Anstieg von 15 % gegenüber 2016 bis 2020. Deutschland hat damit China überholt.

Globale Rüstungsexporte nach Ländern

SIPRI 2021 bis 2025 · Anteile am Weltvolumen
🇺🇸 USA 42 %
🇫🇷 11 %
🇷🇺
🇩🇪
🇨🇳
🇬🇧
🇮🇱
Andere
🇺🇸 USA 42 % 🇫🇷 Frankreich 11 % 🇷🇺 Russland 6 % ↓ stark gesunken 🇩🇪 Deutschland 5,7 % ↑ +15 % · Nr. 4 🇨🇳 China 5 % überholt 🇬🇧 UK 4 % 🇮🇱 Italien 3,5 %

Quelle: SIPRI Arms Transfers Database, Trends in International Arms Transfers 2025. Anteile gerundet.

Größte Rüstungsexporteure weltweit (SIPRI 2021 bis 2025)

Anteil am globalen Waffenhandel in Prozent

Quelle: SIPRI Arms Transfers Database, Trends in International Arms Transfers 2025.

Fast ein Viertel (24 %) der deutschen Exporte ging als Hilfe an die Ukraine, weitere 17 % an andere europäische Staaten. Exporte unterliegen dem Kriegswaffenkontrollgesetz und den „Politischen Grundsätzen" der Bundesregierung (seit 1971): NATO-Partner bevorzugt, Drittländer eingeschränkt. Durch die Zeitenwende und Ukraine-Hilfe sind die Genehmigungen stark gestiegen.

Rüstungsexportbericht 2025, Rekordgenehmigungen

Laut dem offiziellen Rüstungsexportbericht der Bundesregierung (BMWK) wurden 2025 Genehmigungen im Gesamtwert von rund 12 Milliarden Euro erteilt, davon 5,6 Mrd. Euro Kriegswaffen und 6,4 Mrd. Euro sonstige Rüstungsgüter. Hauptempfängerland war die Ukraine mit rund 2 Milliarden Euro. Rund 90 % der Genehmigungen entfielen auf EU-, NATO- und NATO-gleichgestellte Staaten. Die Exportpolitik wurde im Kontext der Nationalen Sicherheitsstrategie 2023 angepasst und stellt nun stärker auf die eigene Verteidigungs- und Bündnisfähigkeit ab.

Kapitel 07

Was Deutschland baut, Produktkategorien

Die deutsche Rüstungsindustrie hat klare Stärken und blinde Flecken. Sie dominiert bei Landsystemen und U-Booten, hat Lücken bei Kampfflugzeugen und strategischen Drohnen.

U-Boote, Weltmarktführer im konventionellen Bereich

Deutschland ist dank TKMS Weltmarktführer bei konventionellen (diesel-elektrischen) U-Booten. Die Bundeswehr betreibt 6 U-Boote des Typs 212A mit luftunabhängigem Antrieb (extrem leise). Exporte sind stark:

Drohnen, von der Lücke zum Aufholsprint

Deutschland war lange kein Spitzenreiter bei Drohnen (im Gegensatz zu USA, Israel, Türkei, China), holt aber massiv auf. Die Ukraine-Lektionen haben alles beschleunigt:

Das Heer plant bis 2029, seinen Drohnenbestand von ~600 auf ~12.000 Systeme zu erhöhen (Aufklärung, Kamikaze, Loitering Munition). Deutschland ist bei Integration mit Panzer und Artillerie gut aufgestellt, bei reiner Kamikaze-Massenproduktion (wie Ukraine) aber noch nicht Weltspitze.

Kapitel 08

Europäische Dimension, FCAS, MGCS, PESCO, Sky Shield

Die großen Zukunftsprojekte sind europäisch, Deutschland baut nicht mehr allein.

Trotz teilweise kontroverser Diskussionen über Arbeitsteilung, Industrieanteile und Zeitpläne unterstreichen diese Vorhaben das Ziel einer stärkeren europäischen Verteidigungsunion, weg von der totalen Abhängigkeit von US-Systemen.

Kapitel 09

Arbeitsplätze und Wirtschaftsfaktor

Die deutsche Sicherheits- und Verteidigungsindustrie ist ein signifikanter Wirtschafts- und Jobmotor. Laut BMWK beschäftigt die Branche direkt rund 105.000 Menschen und erwirtschaftet einen Umsatz von ca. 31 Milliarden Euro (Stand 2025). Hinzu kommen Zehntausende indirekte Arbeitsplätze bei Zulieferern.

Eine Studie von EY-Parthenon (2025) rechnet bis 2029 mit bis zu 144.000 zusätzlichen direkten Arbeitsplätzen durch die steigenden NATO-Ausgaben, gesamtwirtschaftlich sogar bis zu 360.000 gesicherte und neue Stellen. Rheinmetall allein plant, bis 2030 auf 70.000 Mitarbeiter zu wachsen. Die Standorte (Düsseldorf, München, Kiel, Überlingen, Unterlüß, Oberndorf, Manching) verteilen sich über ganz Deutschland, die Branche ist kein reiner Großstadt-Effekt, sondern stärkt auch strukturschwache Regionen.

Kapitel 10

Trotz Rekordetat, Geld allein reicht nicht

Der Jahresbericht 2025 des Wehrbeauftragten (67. Bericht, Henning Otte) macht deutlich, dass der Personalmangel das zentrale Problem bleibt. Die Abbruchquote bei der Ausbildung liegt bei ca. 20 %, viele Dienstposten sind unbesetzt. Der Wehrbeauftragte fordert eine „Personalwende" und stellt fest, dass die Freiwilligkeit des neuen Wehrdienstmodells möglicherweise nicht ausreicht, eine Rückkehr zur Wehrpflicht wird als Option diskutiert.

Das zeigt: Auch wenn die Industrie boomt und der Etat auf Rekordhöhe steht, ohne Menschen, die die Systeme bedienen, nützt die beste Ausrüstung nichts. Strukturelle Reformen bleiben die eigentliche Baustelle der Bundeswehr.

Kapitel 11

Ethische Debatte, darf man das gut finden?

KIPODE zeigt Fakten, keine Meinungen. Aber die Frage gehört dazu: Ist ein boomender Rüstungssektor eine gute Nachricht?

Zwei Perspektiven

Ja: Verteidigungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für alles andere, Demokratie, Wohlstand, Freiheit. Wer nicht verteidigen kann, was er hat, wird es verlieren. Die Ukraine hat das in brutaler Klarheit gezeigt. Eine starke Rüstungsindustrie schafft technologische Souveränität und hochqualifizierte Arbeitsplätze.

Aber: Rüstungsexporte gehen auch an problematische Empfänger. Die „Zeitenwende" lenkt Milliarden von Bildung, Infrastruktur und Sozialem um. Und eine Industrie, die vom Krieg profitiert, hat ein inhärentes Interesse an Bedrohungsnarrativen. Kontrolle, Transparenz und parlamentarische Aufsicht sind nicht optional, sie sind existenziell.

Häufige Fragen (FAQ)

Wie hoch ist der deutsche Wehretat 2026?

Über €108 Mrd., davon €82,7 Mrd. regulärer Haushalt und €25,5 Mrd. Sondervermögen. Knapp €48 Mrd. allein für Beschaffung.

Welches ist das größte deutsche Rüstungsunternehmen?

Rheinmetall, börsennotiert, +29 % Umsatz 2025, für 2026 werden +40 bis 45 % erwartet. KNDS ist der größte deutsch-französische Heeresausstatter.

Was ist Helsing und warum ist es wichtig?

Münchner KI-Defense-Startup, Bewertung 18 Mrd. US-Dollar (Juli 2026). Entwickelt autonome Kampf- und Überwachungssysteme. Wertvollstes europäisches DefenseTech-Unternehmen.

Wie viel VC fließt in deutsche DefenseTech?

€1,25 Mrd. in 2025, Spitze in Europa. Größte Runden: Helsing (€600 Mio.), Quantum Systems (€160 Mio.).

Was ist das Sondervermögen Bundeswehr?

Ein 2022 beschlossenes Kreditpaket über 100 Milliarden Euro für die Modernisierung der Bundeswehr. Es ist kein Guthaben, sondern eine Kreditlinie: Am 30. Juni 2026 stand es mit 51,6 Milliarden Euro in der Kreditaufnahme des Bundes, Ende 2024 waren es 23 Milliarden. Das Geld fließt in F-35, Puma, Chinook, Funkgeräte und Munition. Für 2026 sind 25,5 und für 2027 nach dem Regierungsentwurf vom 6. Juli 2026 30,0 Milliarden Euro eingeplant, ab 2028 ist das Sondervermögen mit null angesetzt. Seine Rolle übernimmt seit März 2025 die Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse. Davon getrennt besteht das Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität mit einem Rahmen von 500 Milliarden Euro über zwölf Jahre.

Plant Helsing oder Quantum Systems einen Börsengang?

Ja, laut Medienberichten bereiten beide Unternehmen IPOs für 2026 vor. Der europäische DefenseTech-Boom und die steigenden Verteidigungsbudgets machen das Timing günstig.

Wo steht Deutschland bei Rüstungsexporten?

Platz 4 weltweit laut SIPRI (2021 bis 2025) mit 5,7 % Anteil. +15 % ggü. 2016 bis 2020. 24 % gingen an die Ukraine, 17 % an europäische Partner. Deutschland hat China als Exporteur überholt.

Was bedeutet die NATO-Forderung von 3,5 % BIP?

Mindestens 3,5 % BIP für Militärausgaben bis 2035 (NATO-Beschluss 2025). Deutschland plant, das Ziel schon 2029 zu erreichen, ~€150 bis 160 Mrd./Jahr. Trumps 5-%-Forderung wäre €215+ Mrd. und gilt als unrealistisch.

Wie viele Drohnen hat die Bundeswehr?

Aktuell ~600 Systeme. Ziel: 12.000 bis 2029 (Aufklärung, Kamikaze, Loitering Munition). Rheinmetall hat einen Rahmenvertrag über bis zu €2,4 Mrd. für Drohnensysteme.

Das Buch

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