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Migration Deutschland: Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Deutschland hat sich mit dem Zuwanderungsgesetz vom 30. Juli 2004 erstmals offiziell als Einwanderungsland verfasst. Statistisch ist das längst Realität: 21,8 Mio. Menschen mit Einwanderungsgeschichte, +235.000 Netto‑Einwanderung in 2025 und damit 45 % weniger als 2024, gleichzeitig der stärkste Rückgang bei Asylanträgen seit zehn Jahren. Diese Seite sammelt die Zahlen aus erster Hand, BAMF, Destatis, BMI, Eurostat, OECD, und beantwortet die zentrale Frage: Wer kommt eigentlich nach Deutschland, warum, und was bedeutet das?

Stand: 11. September 2026
Migration Deutschland in vier Zahlen
21,8 Mio
Menschen mit Einwanderungsgeschichte (Destatis Mikrozensus 2025), rund ein Viertel der Bevölkerung.
+235.000
Netto‑Einwanderung 2025 (Destatis, endgültige Ergebnisse), minus 45 % gegenüber 2024 (430.000).
113.236
Asyl‑Erstanträge 2025 (BAMF), minus 50,7 % gegenüber 2024. Zusammen mit 55.307 Folgeanträgen 168.543 Gesamtanträge.
22.787
Abschiebungen 2025 (Bundespolizei / Drs. 21/4103), +13 % gegenüber 2024.
Kapitel 01

Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Die Antwort ist heute eindeutig: Ja, und das in mehrfacher Hinsicht. Statistisch leben 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte hier (Destatis Mikrozensus 2025, ein Viertel der Bevölkerung), 14,1 Millionen davon ohne deutschen Pass (Ausländerzentralregister, BAMF). Rechtlich hat sich Deutschland mit dem Zuwanderungsgesetz vom 30. Juli 2004 (in Kraft seit 1. Januar 2005) erstmals als Einwanderungsland verfasst, das Gesetz war die Antwort auf die Empfehlungen der Unabhängigen Kommission „Zuwanderung“ von 2001. Aktuelle Regelwerke: Aufenthaltsgesetz (in der Fassung vom 25. Februar 2008), Fachkräfteeinwanderungsgesetz vom 15. Juni 2023, EU‑Freizügigkeitsgesetz, Blue Card EU (§ 18g AufenthG) und die Westbalkanregelung (§ 26 Abs. 2 BeschV, entfristet seit 18. November 2023).

Die Position der Bundesregierung 2026 (Bundesinnenminister Alexander Dobrindt): „Für ein sicheres Zusammenleben, eine geordnete Migration und eine stärkere Integration. Wir wollen weniger irreguläre Migration und deutlich mehr Rückführungen.“ Das Land bekennt sich also explizit zur Einwanderung, allerdings in Form regulierter, kontrollierter und arbeitsmarktbezogener Migration. Die Asylzahlen sind 2025 stark zurückgegangen, gleichzeitig sind die qualifizierten Zuwanderungswege ausgebaut worden.

Kapitel 02

Asyl‑Erstanträge: 30 Jahre im Überblick

Die Zahl der Asyl‑Erstanträge ist 2025 auf 113.236 gefallen, ein Rückgang um 50,7 % gegenüber 2024 (229.751 Erstanträge). Im historischen Vergleich liegt 2025 weit unter den Spitzenwerten der Flüchtlingskrise (2016: 722.370) und unter dem zweiten Höhepunkt 2023 (329.120). Im ersten Halbjahr 2026 wurden 39.646 Erstanträge gestellt, 35,4 % weniger als im Vorjahreszeitraum (61.336). Im Juni allein waren es 4.267, ein Minus von 37,8 % gegenüber Juni 2025. Der Trend setzt sich also fort. Ein Hinweis zur Vergleichbarkeit: Seit dem Inkrafttreten der GEAS‑Reform am 12. Juni 2026 sind Folgeanträge und anhängige Verfahren weiter gefasst als zuvor. Monatswerte ab Juni 2026 lassen sich deshalb nicht bruchlos mit früheren Monaten vergleichen.

Quelle: BAMF „Aktuelle Zahlen zu Asyl“ (Dez. 2025) · BAMF April 2026
Kapitel 03

Top‑10 Herkunftsländer 2025

Drei Länder dominieren die Zugangsstatistik: Afghanistan, Syrien und die Türkei stellen 2025 zusammen 52 % aller Erstanträge. Im laufenden Jahr 2026 (Januar bis April) ist die Konzentration noch höher: die Top 3 machen 48,5 % der Anträge aus.

Auch bei den Leistungsempfängern zeigt sich der Rückgang: Ende 2025 bezogen rund 390.000 Menschen Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz, 15 % oder 71.400 weniger als Ende 2024. Größte Herkunftsgruppe blieb Syrien mit 64.600 Personen (17 %).

Quelle: BAMF Asylzahlen Gesamtjahr 2025
Kapitel 04

Migrationswege, wer kommt warum?

Asyl ist nur ein Weg unter mehreren. Die vollständige Aufschlüsselung aller Zuzugswege liefert der BAMF‑Migrationsbericht, dessen aktuellster Jahrgang (veröffentlicht Februar 2026) das Jahr 2024 abdeckt: Damals zogen insgesamt 1.347.590 Ausländer nach Deutschland (Ausländerzentralregister). Die stärkste Gruppe sind EU‑Bürger im Rahmen der Freizügigkeit, gefolgt von Asyl‑Antragstellern, Familiennachzug und Erwerbsmigration. Das Bild verändert sich allerdings 2025/2026: Asyl sinkt (2025 nur noch 113.236 Erstanträge, −50,7 % zum Vorjahr laut BAMF), Erwerbsmigration nach dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz steigt langsam.

WegPersonen (2024)Anteil
EU‑Freizügigkeit510.28137,9 %
Asylanträge (Erst)229.75117,0 %
Familiennachzug97.0557,2 %
Erwerbsmigration54.5904,1 %
Bildungsmigration (davon Studium 33.125)49.3853,7 %
Spätaussiedler4.3280,3 %
Sonstige402.20029,8 %
Gesamt1.347.590100 %
Quelle: BAMF Migrationsbericht 2024 (veröffentlicht Februar 2026)
Kapitel 05

Abschiebungen 2022–2025, Trend, Zielstaaten

Die Zahl der vollzogenen Abschiebungen ist seit 2022 kontinuierlich gestiegen: von 12.945 (2022, Angabe der Fragesteller in BT‑Drs. 20/14946) auf 22.787 (2025, BT‑Drs. 21/4103 vom 11. Februar 2026), ein Plus von 76 % in drei Jahren. Davon gingen 15.254 Abschiebungen 2025 direkt ins Herkunftsland, der Rest waren Dublin‑Überstellungen innerhalb der EU (BT‑Drs. 21/4403 vom 26. Februar 2026). Im ersten Quartal 2026 waren es 4.807 Abschiebungen (BT‑Drs. 21/5661, Antwort vom 28. April 2026); im gesamten ersten Halbjahr 2026 zählte die Bundesregierung 9.663 Abschiebungen und insgesamt 18.939 Rückführungen einschließlich 9.276 geförderter Ausreisen über REAG/GARP (BT‑Drs. 21/7311 vom 24. Juli 2026).

Quelle: Drucksache 21/4103 der Bundesregierung (Februar 2026)

Top‑15 Zielstaaten 2025

Die Türkei führt die Liste der Zielstaaten an. Spanien, Frankreich, Bulgarien und Griechenland sind überwiegend Dublin‑Überstellungen innerhalb der EU, also keine Rückführungen ins eigentliche Herkunftsland.

RangZielstaatAbschiebungen
1Türkei2.297
2Georgien1.690
3Spanien (Dublin)1.162
4Frankreich (Dublin)1.053
5Serbien875
6Bulgarien (Dublin)855
7Griechenland (Dublin)829
8Republik Moldau811
9Irak793
10Albanien790
11Marokko785
12Polen (Dublin)781
13Nordmazedonien742
14Kroatien (Dublin)659
15Algerien631
Kapitel 06

Migration nach Deutschland, 6 historische Phasen

Deutschland ist seit den 1950er Jahren Einwanderungsland, auch wenn das politisch lange geleugnet wurde. Sechs große Wellen haben die heutige Bevölkerungsstruktur geprägt.

Phase 1 · 1955–1973

Gastarbeiter

Rund 4 Millionen Anwerbungen über bilaterale Abkommen mit Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. 1973 Anwerbestopp wegen Ölkrise.

Phase 2 · 1973–1990er

Familiennachzug

Mehrere Hunderttausend Familienangehörige (v. a. aus der Türkei und Jugoslawien). Aus „Gastarbeitern“ werden Einwanderer mit Familie, Schulen, Arbeitsplätzen.

Phase 3 · 1989–2000er

Spätaussiedler

2,58 Mio. Personen aus Russland, Kasachstan und anderen Nachfolgestaaten der Sowjetunion (1990–2024 kumuliert, BAMF). Hauptphasen 1989–2000er.

Phase 4 · 2004/2007

EU‑Osterweiterung

Polen, Rumänien, Bulgarien und andere neue EU‑Staaten führen zu starker Arbeitsmigration, Hunderttausende pro Jahr ab 2004.

Phase 5 · 2015/2016

Fluchtmigration

Rund 1,2 Millionen Asylanträge in zwei Jahren, hauptsächlich aus Syrien, Afghanistan und Irak. Politisches Erdbeben, gesellschaftliche Polarisierung.

Phase 6 · 2022

Ukraine‑Krieg

1.164.000 ukrainische Schutzsuchende im Ausländerzentralregister zum 31. Dezember 2025, größte Gruppe unter insgesamt 3,2 Mio. Schutzsuchenden (Syrien 669.000, Afghanistan 321.000). Erstmals europaweit greift der Massenzustrom‑Schutz nach EU‑Richtlinie 2001/55/EG.

Kapitel 07

Aktuelle Debatte 2026: GEAS, Grenzkontrollen, Rückführungen

2026 ist ein Jahr des Umbruchs in der deutschen und europäischen Migrationspolitik. Drei Themen prägen die Debatte:

GEAS · Gemeinsames Europäisches Asylsystem
Inkrafttreten 12. Juni 2026

Die GEAS‑Anpassungsgesetze wurden vom Kabinett am 3. September 2025 beschlossen, vom Bundestag am 27. Februar 2026 und vom Bundesrat am 27. März 2026. Inkrafttreten weitgehend zum 12. Juni 2026. Kernpunkte: beschleunigte Verfahren an den EU‑Außengrenzen, verbindlicher Solidaritätsmechanismus zwischen Mitgliedstaaten, einheitliche Liste sicherer Herkunftsstaaten auf EU‑Ebene.

Stationäre Binnengrenzkontrollen
Seit September 2024, verlängert

Deutschland kontrolliert seit dem 16. September 2024 stationär an allen Landgrenzen, eine Ausnahme vom Schengen‑Regime; zu Österreich laufen Kontrollen bereits seit 2015, zu Polen, Tschechien und der Schweiz seit Oktober 2023. Die Kontrollen wurden mehrfach verlängert; der laufende Zeitraum endet am 15. September 2026, bei der EU‑Kommission ist der Anschlusszeitraum vom 16. September 2026 bis 15. März 2027 notifiziert. Sie sind nach BMI‑Angaben einer der Hauptgründe für den Rückgang der Asylzahlen.

Quelle: BMI
Rückführungen ausgebaut
+76 % Abschiebungen seit 2022

Von 12.945 Abschiebungen in 2022 auf 22.787 in 2025. Die Bundesregierung will den Trend fortsetzen: erweiterte sichere Herkunftsstaaten‑Liste, sicherere Rückkehrabkommen mit Marokko, Türkei und Westbalkanstaaten, schnellere Verfahren. Für 2026 sind weitere Steigerungen geplant.

Gut zu wissen

Ist Deutschland ein Einwanderungsland?

Ja, sowohl statistisch als auch rechtlich. Statistisch leben 21,8 Millionen Menschen mit Einwanderungsgeschichte in Deutschland (etwa ein Viertel der Bevölkerung, Destatis Mikrozensus 2025). Rechtlich hat Deutschland sich mit dem Zuwanderungsgesetz vom 30. Juli 2004 (in Kraft seit 1. Januar 2005) erstmals offiziell als Einwanderungsland verfasst. Aktuelle Gesetze: Aufenthaltsgesetz, Fachkräfteeinwanderungsgesetz 2023, Westbalkanregelung, EU-Freizügigkeit. Quelle: Destatis, BMI.

Wie viele Asylanträge gab es 2025 in Deutschland?

Im Gesamtjahr 2025 wurden 113.236 Asyl-Erstanträge gestellt, ein Rückgang um 50,7 Prozent gegenüber 2024 (229.751 Erstanträge). Zusammen mit 55.307 Folgeanträgen waren es 168.543 Gesamtanträge, bei 310.930 Entscheidungen und einer Gesamtschutzquote von 28,1 Prozent. Die drei stärksten Herkunftsländer waren Afghanistan (23.972), Syrien (23.256) und Türkei (11.919). Quelle: BAMF, Meldung vom 12. Januar 2026.

Wie viele Menschen wurden 2025 abgeschoben?

2025 vollzog die Bundespolizei 22.787 Abschiebungen, davon 15.254 direkt in das jeweilige Herkunftsland. Das ist ein Anstieg um rund 13 Prozent gegenüber 2024 (20.084). Die häufigsten Zielstaaten waren Türkei (2.297), Georgien (1.690), Spanien (1.162), Frankreich (1.053) und Serbien (875). Spanien und Frankreich sind dabei oft Dublin-Überstellungen innerhalb der EU. Im ersten Halbjahr 2026 waren es 9.663 Abschiebungen. Quellen: Bundestagsdrucksache 21/4103 vom 11. Februar 2026 (Gesamtzahl und Zielstaaten), 21/4403 vom 26. Februar 2026 (15.254) und 21/7311 vom 24. Juli 2026 (erstes Halbjahr 2026).

Warum sind die Asylzahlen 2025 so stark gesunken?

Das Bundesinnenministerium nennt vier Hauptursachen: stationäre Binnengrenzkontrollen seit September 2024, Vorbereitung der Umsetzung des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems GEAS (Inkrafttreten 12. Juni 2026), erweitertes Konzept sicherer Herkunftsstaaten, und deutlich mehr Rückführungen (22.787 Abschiebungen in 2025). Hinzu kommt weniger Sekundärmigration aus EU-Erstaufnahmeländern. Quelle: BMI, Bundesregierung.

Wie hoch war die Netto-Einwanderung nach Deutschland 2025?

Die Netto-Einwanderung 2025 betrug +235.000, so viele Menschen sind mehr zu- als abgewandert. Gegenüber 2024 (430.000) ist das ein Rückgang um 45 Prozent, gerechnet aus rund 1,48 Millionen Zuzügen und 1,25 Millionen Fortzügen. Der Saldo umfasst alle Einwanderungsformen: EU-Freizügigkeit, Asyl, Erwerbsmigration, Studium, Familiennachzug, Spätaussiedler. Ohne Netto-Einwanderung würde die deutsche Bevölkerung jährlich um rund 350.000 Menschen schrumpfen, da die Geburtenziffer (1,32 im Jahr 2025) deutlich unter dem Replacement Level (2,1) liegt. Quelle: Destatis, Pressemitteilung Nr. 184 vom 1. Juni 2026.

Quellen & weiterführende Links

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