Autonomes Fahren in Deutschland 2026: was sich ändert, wenn keiner mehr am Steuer sitzt
Deutschland hatte 2021 als erstes Land der Welt ein Gesetz für fahrerlose Autos. Fünf Jahre später fährt hier kein einziges Robotaxi. Mercedes und BMW haben ihre Level-3-Funktion 2026 sogar wieder gestrichen. Ein in Grünheide gebautes Model Y darf seine Software in Belgien nutzen, in Brandenburg nicht. Diese Seite rechnet nach, was ein eigenes Auto wirklich kostet, was ein Fahrzeug ohne Fahrer daran ändern würde, wer weltweit tatsächlich fährt, und woran es in Deutschland hängt. Alle Zahlen mit Quelle und Standdatum.
1. Der Lastwagen, der heute losgefahren ist
Seit dem 15. September 2026 fährt in Edermünde bei Kassel ein Lastwagen ohne Fahrerhaus über öffentliche Straßen. Er gehört zu einem Lidl-Verteilzentrum, fährt bis zu dreimal am Tag fünfzehn Europaletten zur nahen Filiale und zurück, gebaut hat ihn das schwedische Unternehmen Einride. Die Genehmigung kommt vom Kraftfahrt-Bundesamt, der Versuch läuft vier Monate. Eine technische Aufsicht überwacht ihn aus der Ferne, so schreibt es das Gesetz vor.
Niemand sitzt im Fahrzeug. Einride schreibt ausdrücklich, es fahre „without a driver or safety operator on board“. Ein Mensch überwacht aus der Ferne und kann im Schritttempo eingreifen, etwa beim Andocken an die Rampe. Genau so verlangt es das deutsche Gesetz.
Das ist der erste fahrerlose Lastwagen im normalen deutschen Straßenverkehr. Und es ist ein bemerkenswerter Startpunkt: Das deutsche Level-4-Gesetz existiert seit 2021, und der erste Wagen, der es nutzt, transportiert Paletten, keine Menschen.
Zur Einordnung gehört allerdings die Größe des Vorhabens. Lager und Filiale liegen in derselben Straße, direkt benachbart. Eine Streckenlänge nennen weder Einride noch Lidl; was öffentlich befahren wird, ist ein kurzes Stück Gemeindestraße zwischen zwei eigenen Grundstücken. Kein Mischverkehr in Kassel, keine Autobahn, keine Nacht im Schneetreiben. Der eigentliche Test beginnt, wenn daraus wie geplant eine Rundtour über mehrere Filialen wird.
Dass der Güterverkehr vorfährt, hat einen einfachen Grund. In der Logistik fehlen die Fahrer. Der Bundesverband Güterkraftverkehr rechnet seit Jahren mit einer Lücke im sechsstelligen Bereich, und sie wächst, weil die Altersstruktur der Branche schlecht ist. Wer keine Fahrer findet, sucht eine Alternative. Wer Fahrgäste befördert, hat das Problem so nicht.
Deshalb lohnt sich der Blick auf beides. Die Technik ist dieselbe, die Wirtschaftlichkeit nicht.
2. Die Stufen null bis fünf
Alle reden von autonomem Fahren und meinen sechs verschiedene Dinge. Die Einteilung stammt von der amerikanischen Ingenieursvereinigung SAE und steht in ähnlicher Form auch im deutschen Straßenverkehrsgesetz. Zwei Fragen entscheiden alles: Wer muss hinsehen, und wer haftet, wenn es kracht.
| Stufe | Was das System kann | Wer muss hinsehen | Wer haftet | Beispiel |
|---|---|---|---|---|
| 0 | Nichts. Warnen und im Notfall bremsen ist erlaubt. | der Mensch | der Fahrer | jedes Auto mit Notbremsassistent |
| 1 | Entweder Abstand halten oder Spur halten, nie beides gleichzeitig. | der Mensch | der Fahrer | Abstandstempomat |
| 2 | Lenken und bremsen zusammen. Die Hände dürfen je nach Zulassung vom Lenkrad, die Augen nie von der Straße. | der Mensch, durchgehend | der Fahrer | Teslas „Full Self-Driving (Supervised)", BMW Highway Assistant, Ford BlueCruise |
| 3 | Das System fährt. Der Mensch darf wegsehen, muss aber auf Aufforderung binnen Sekunden übernehmen. | das System | der Hersteller, solange das System fährt | Mercedes Drive Pilot bis 95 km/h, BMW Personal Pilot bis 60 km/h. Beide 2026 gestrichen. |
| 4 | Kein Mensch nötig, aber nur in einem vorher genehmigten Gebiet. Kommt das System nicht weiter, hält es selbst an. | niemand | der Betreiber | Waymo, Cybercab, VW ID. Buzz AD, der Lidl-Lastwagen |
| 5 | Überall, jede Straße, jedes Wetter, kein Lenkrad nötig. | niemand | der Betreiber | existiert nicht, von niemandem, nirgends |
Der wichtigste Satz dieser Tabelle steht in der vierten Spalte. Der Sprung von Stufe zwei auf Stufe drei ist juristischer Natur. Ab Stufe drei haftet nicht mehr der Fahrer.
Daraus folgt fast alles, was 2026 passiert ist. Ein Hersteller, der Stufe 2 verkauft, verkauft Komfort und lässt das Risiko beim Kunden. Ein Hersteller, der Stufe 3 verkauft, übernimmt es. Das ist die teuerste Zeile in jedem Businessplan dieser Branche.
Und es erklärt auch, warum Teslas Produkt trotz seines Namens in Stufe 2 fällt. „Full Self-Driving" klingt nach Stufe 5. Zugelassen ist es als Assistenzsystem, bei dem der Fahrer jederzeit die Verantwortung trägt. Die niederländische Zulassungsbehörde hat es im April 2026 ausdrücklich als Level 2+ eingestuft und verlangt, dass der Produktname das Wort „überwacht" enthält.
3. Was Ihr Auto wirklich kostet
Rechnen wir einen normalen Fall durch. Ein gebrauchter Kompaktwagen, gekauft mit fünf Jahren und 100.000 Kilometern für rund 14.000 Euro, gefahren bis 200.000 Kilometer. Benzin bei 2,40 Euro je Liter, sechseinhalb Liter auf hundert Kilometer.
| Posten | pro Jahr | Anmerkung |
|---|---|---|
| Wertverlust | 1.800 € | 14.000 auf 5.000 Euro in fünf Jahren |
| Kraftstoff | 3.120 € | bei 20.000 km im Jahr |
| Versicherung und Steuer | 600 € | fällt an, ob das Auto fährt oder steht |
| Wartung, Reifen, TÜV, Reparatur | 1.200 € | Erfahrungswert für ein Fahrzeug dieses Alters |
| Summe | 6.720 € | rund 560 Euro im Monat, 34 Cent je Kilometer |
Zum Vergleich der ADAC-Wert für einen neuen VW Golf 1.5 bei 15.000 Kilometern im Jahr: 56,9 Cent je Kilometer. Beim Neuwagen ist der Wertverlust der größte Posten, beim Gebrauchten der Sprit.
Jetzt kommt die Zahl, auf die es ankommt.
Wertverlust, Versicherung und Steuer laufen weiter, ob Sie fahren oder nicht. Der Kilometerpreis des eigenen Autos fällt also mit der Fahrleistung. Wer viel fährt, fährt billig. Wer wenig fährt, zahlt am meisten.
Das dreht die übliche Erzählung um. Zuerst wechseln die Wenigfahrer. Der Zweitwagen, der 5.000 Kilometer im Jahr schafft. Das Auto der Rentner, das fast nur in der Einfahrt steht und gerade deshalb am teuersten fährt.
Und noch etwas steckt in der Rechnung. Sprit und Verschleiß allein kosten rund 24 Cent je Kilometer, und die fallen auch dann an, wenn das Auto längst abbezahlt ist. Sollte eine Fahrt im Robotaxi jemals 12 Cent kosten, wie Elon Musk es als Ziel ausgibt, wäre das eigene Auto bei keiner Fahrleistung mehr billiger. Auch nicht bei 50.000 Kilometern im Jahr.
Was diese Seite ausdrücklich nicht rechnet: den Preis einer Robotaxi-Fahrt. Tesla verkauft das Cybercab derzeit nicht, betreibt die Flotte selbst und bestimmt den Fahrpreis allein. Solange ein Unternehmen Hersteller, Betreiber und Preisbildner in einer Person ist, misst jede Kostenrechnung dessen Gewinnerwartung, nicht die Betriebskosten. Belastbar ist die Spanne, die PwC am 9. September 2026 für große Flotten nennt: 1,70 bis 2,20 Dollar je Meile, umgerechnet etwa ein Euro je Kilometer. Bei kleinen Flotten 6 bis 8 Dollar. Robotaxi ist heute die teure Variante.
4. Wem das Auto gehört
Sobald Fahrzeuge verkauft werden, ändert sich die Frage. Aus „was verlangt der Betreiber" wird „was kostet der Betrieb". Und dann sind Eigentümer denkbar, die es beim Taxi nie gab.
Eine Familie kauft das Fahrzeug wie heute ein Auto, zahlt danach aber nur noch Strom, Reifen und Versicherung. Eine Gemeinde beschafft ein einziges Fahrzeug für alle; bei zwei oder drei Fahrten am Tag rechnet sich das gegen jeden Rufbus. Ein Betrieb hält zehn Wagen für seine Leute, tagsüber für Dienstfahrten, abends für alle anderen. Ein Supermarkt stellt Fahrzeuge bereit, die kommen, wenn jemand einkaufen will, und macht den Weg zum Kunden zum Werbemittel, so wie heute den Parkplatz.
Was in diesem Bild endet, ist nicht das Autofahren. Es ist die Selbstverständlichkeit, dass jedem sein Auto gehört.
Ausrechnen lässt sich das heute nicht, weil es keinen Markt gibt, auf dem sich ein Preis bilden könnte. Begründen lässt es sich: Der teuerste Posten am Privatauto ist die stehende Zeit, und die verteilt sich in jedem dieser Modelle auf mehrere Nutzer.
5. Der Verkehr selbst wird besser
Jeder kennt den Moment. Die Ampel wird grün, vorn fährt einer an, der nächste legt den Gang ein, die Kette zieht sich durch, und wer zehnter steht, sieht schon wieder Rot.
Dieser Anfahrverlust ist gemessen. Eine Arbeit aus dem Jahr 2026 hat ihn für menschliche und für automatisierte Fahrzeuge getrennt modelliert.
| Größe | Mensch am Steuer | automatisiert |
|---|---|---|
| Reaktionszeit | 2,05 Sekunden, stark schwankend | 0,3 bis 0,5 Sekunden, stabil |
| Anfahrverlust vorn in der Kolonne | 2,92 Sekunden | 0,85 Sekunden |
| Sättigungsfluss erreicht ab Fahrzeug | sechstes | drittes |
| Zuwachs der Verzögerung bei Sättigung | 18,2 bis 67,5 Prozent | 3,1 bis 12,3 Prozent |
Das zehnte Auto ist also keine Übertreibung. Eine menschliche Kolonne braucht sechs Fahrzeuge, bis sie überhaupt flüssig läuft. Der Anteil automatisierter Fahrzeuge hängt dabei exponentiell mit der Zusatzverzögerung zusammen, es muss also längst nicht alles autonom fahren, damit es spürbar besser wird.
Der Stau, an dessen Spitze nichts ist
Im Wasserschlauch fließt es schneller, wenn es enger wird, weil der Durchfluss erhalten bleibt. Im Verkehr passiert das Gegenteil. Der Grund ist die Reaktionszeit. Bremst einer, bremst der Hintermann eine Sekunde später etwas stärker, der nächste noch stärker, und nach zwanzig Fahrzeugen steht eine Welle. Sie wandert rückwärts durch die Kolonne, während vorn längst wieder alles rollt.
Ein Feldversuch hat das sauber gezeigt: 22 Fahrzeuge auf einer Kreisbahn von 260 Metern, kein Hindernis, keine Kreuzung, die Anweisung lautet gleichmäßig fahren. Die Welle entsteht zuverlässig von selbst. Dann übernimmt ein einziges automatisiert geregeltes Fahrzeug die Geschwindigkeit, weniger als fünf Prozent der Kolonne.
Diese Zahl ist deshalb bemerkenswert, weil sie nichts voraussetzt. Keine Vollausstattung, keine neue Straße, keine Gesetzesänderung. Der Stau ohne Ursache ist ein menschlicher Effekt, und er verschwindet, lange bevor die Mehrheit autonom fährt.
Beim Elektroauto wirkt derselbe Effekt auf den Verbrauch. Eine Untersuchung von 2023 beziffert die Ersparnis durch gleichmäßiges, vorausschauendes Fahren bei batterieelektrischen Fahrzeugen auf 10 bis 21 Prozent im Mittel, im günstigen Fall bis 35 Prozent. Mit einem ehrlichen Haken: Rechner und Sensoren brauchen selbst Strom. Bleibt ihr Verbrauch unter etwa 1.000 Watt, überwiegt der Gewinn, darüber frisst die Automatik ihn wieder auf. Und der Vorteil entsteht im zähen Stadtverkehr; oberhalb von 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit ist er weg.
Was dabei verloren geht, ist die Beschleunigung, die man spürt. Die bleibt im schönen Auto, am Wochenende.
6. Berlin hat fast genau so viele Parkplätze wie Autos
Die Senatsverkehrsverwaltung hat den öffentlichen Straßenraum mit Kameras erfassen lassen und im November 2024 veröffentlicht: 1.276.312 Parkplätze. Zugelassen sind in Berlin rund 1,24 Millionen Autos.
Es reicht also, mit etwa drei Prozent Luft. Wer in der Innenstadt trotzdem keinen Platz findet, hat recht: Innerhalb des S-Bahn-Rings sind es nur rund 230.000 Stellplätze, davon etwas mehr als die Hälfte Anwohnerparken. Dort wohnen die meisten.
Diese Fläche verschwindet nicht dadurch, dass Autos autonom fahren. Sie verschwindet dadurch, dass ein Fahrzeug, das nach der Fahrt weiterfährt, keinen Platz an genau der Stelle braucht, an der Sie ausgestiegen sind. Ein privates Auto steht dort, wo sein Besitzer wohnt. Ein Flottenfahrzeug steht dort, wo die nächste Fahrt beginnt, oder gar nicht.
7. Der größte Taxikunde Deutschlands ist die Krankenkasse
2023 wurden mehr als 55 Millionen Beförderungen mit der gesetzlichen Krankenversicherung abgerechnet. Gut drei Viertel davon entfielen auf Taxi und Mietwagen, also rund 41 Millionen Fahrten im Jahr. Die Ausgaben für Fahrtkosten insgesamt haben sich in neun Jahren fast verdoppelt.
| Jahr | Fahrtkosten der GKV |
|---|---|
| 2015 | 4,96 Milliarden Euro |
| 2019 | 5,50 Milliarden Euro |
| 2024 | 9,56 Milliarden Euro |
Auf Taxi und Mietwagen entfallen davon 21 Prozent, also rund zwei Milliarden Euro. Bei 41 Millionen Fahrten sind das im Schnitt knapp 49 Euro je Fahrt. Eine sitzende Krankenfahrt über 30 Kilometer kostet nach Taxitarif 50 bis 80 Euro, die 49 Euro entsprechen also einer Strecke in der Größenordnung von 20 Kilometern.
41 Millionen Fahrten zu je 20 Kilometern ergeben rund 825 Millionen Kilometer im Jahr. Zur Veranschaulichung: die Strecke zum Mond, zweitausendmal.
| Szenario | Kosten im Jahr | Ersparnis |
|---|---|---|
| heute, mit Fahrer | rund 2,00 Mrd. € | – |
| bei 1,00 € je Kilometer (heutige Flottenkosten) | rund 0,83 Mrd. € | 1,2 Mrd. € |
| bei 0,30 € je Kilometer | rund 0,25 Mrd. € | 1,8 Mrd. € |
Eine Einschränkung gehört dazu, und sie ist wichtig. Ein Teil dieser Fahrten braucht einen Menschen, der beim Ein- und Aussteigen hilft, den Tragestuhl bedient oder bis zur Wohnungstür begleitet. Dafür ersetzt kein Fahrzeug den Fahrer. Die Rechnung gilt für den Teil, bei dem wirklich nur transportiert wird.
Trotzdem bleibt der Befund: Hier liegt die Rechnung bei Institutionen, die rechnen können und rechnen müssen. Gut möglich, dass eine Krankenkasse das erste Robotaxi in der deutschen Provinz bezahlt.
8. Kamera oder Lidar: der Streit, an dem die Branche hängt
Die Industrie zerfällt in zwei Lager, und der Unterschied ist im Kern einer. Eine Kamera schätzt die Entfernung. Ein Lidar misst sie.
Eine Autokamera ist ein passiver Sensor. Sie sammelt vorhandenes Licht ein, wie das menschliche Auge, und liefert ein flaches Farbbild. Wie weit etwas entfernt ist, muss die Software daraus errechnen, aus Perspektive, Objektgröße und Bewegung über die Zeit. Tesla verbaut acht Außenkameras, seit der vierten Hardwaregeneration mit fünf Megapixeln statt vorher 1,2. Der Dynamikumfang liegt bei rund 120 Dezibel, also etwa auf Augenniveau.
Ein Lidar schickt kurze, unsichtbare Infrarot-Laserpulse aus und misst deren Laufzeit. Licht legt rund 30 Zentimeter je Nanosekunde zurück, jede Messung ergibt damit direkt eine Entfernung, auf Zentimeter genau. Millionenfach pro Sekunde in verschiedene Richtungen wiederholt entsteht eine dreidimensionale Punktwolke. Ein aktueller Sensor dieser Art sieht 230 Meter weit selbst bei dunklen, kaum reflektierenden Objekten, liefert bis zu 3,8 Millionen Messpunkte je Sekunde und wiegt 360 Gramm bei 8 Watt Verbrauch.
Das Wetterproblem, und zwar auf beiden Seiten
Michael Bertelsen fragte bei der Recherche nach der einfachsten aller Fragen: Was passiert eigentlich, wenn die Kameras dreckig werden? Die Antwort ist unangenehm konkret.
Nur die zwei bis drei Kameras hinter der Windschutzscheibe profitieren vom normalen Scheibenwischer. Alle anderen, an B-Säule, Kotflügel, Heck und vorderer Stoßstange, sitzen ungeschützt im Fahrtwind, im Spritzwasser und im Salznebel. Kamera-Entfroster gibt es seit 2016, belegt ist die Funktion für die Kameras hinter der Scheibe; ob die Seitenkameras beheizt sind, ist öffentlich nicht belegt.
Waschdüsen für Seiten- und Heckkameras haben Serienfahrzeuge nicht. Die Robotaxi-Flotte bekam sie im Januar 2026 nachgerüstet, das Cybercab an allen Kameras außer der im Innenraum. Tesla führt zudem eigene Fehlercodes für verdeckte Kameras, die den Assistenten abschalten, darunter „Camera blocked or blinded".
Die US-Verkehrsbehörde NHTSA untersucht seit dem 19. März 2026 genau diesen Punkt. Aus einer Voruntersuchung wegen FSD-Versagen bei Sonnenblendung, Nebel und aufgewirbeltem Staub wurde eine Engineering Analysis, die letzte Stufe vor einem Rückruf. Betroffen sind 3.203.754 Fahrzeuge, neun Unfälle, ein Todesfall.
Lidar hat das umgekehrte Problem. Wassertröpfchen in Nebel, Regentropfen und Schneeflocken streuen das Laserlicht. Ein Teil der Pulsenergie kommt nie am Ziel an, und der Nebel selbst wirft Licht zurück und erzeugt eine Geisterwand aus Messpunkten unmittelbar vor dem Fahrzeug. Belastbare, öffentlich zugängliche Zahlen zur Reichweiteneinbuße bei definierter Sichtweite gibt es nicht.
Dafür sieht ein Lidar in völliger Dunkelheit, weil er sein eigenes Licht mitbringt, und er lässt sich von tiefstehender Sonne nicht blenden. Umgekehrt sieht er eine Ampel als Metallkasten, nicht als rot. Kein Lidar-Anbieter hat je vorgeschlagen, ohne Kameras zu fahren. Die Frage ist nur, ob Kameras allein genügen.
Das Kostenargument ist tot, die Position lebt weiter
Elon Musk nannte Lidar 2019 auf dem Tesla Autonomy Day „a fool's errand" und setzte nach: „Anyone relying on lidar is doomed." Damals war das wirtschaftlich schlüssig. Ein Waymo-Lidar hatte 2009 noch 75.000 Dollar gekostet, 2017 waren es nach Waymos eigener Angabe rund 7.500.
Musks Position ist geblieben, die Begründung hat er dreimal ausgetauscht. 2016 argumentierte er physikalisch, Lidar dringe nicht durch Regen und Nebel. 2019 ökonomisch, die Sensoren seien zu teuer und unnötig. Seit August 2025 architektonisch: „Lidar and radar reduce safety due to sensor contention." Wenn Kamera und Lidar sich widersprechen, welcher gewinnt?
Die Gegenseite hält dagegen, dass genau dieser Widerspruch der Sinn der Sache ist. Waymos Co-Vorstandschef Dmitri Dolgov am 4. August 2026: „Menschen können natürlich mit bloßen Augen fahren, das ist der Existenzbeweis. Aber schwache Sensorik führt zu einer Sicherheitskurve, die viel zu früh abflacht." Und Marc Vrecko, der bei Valeo die Sparte Fahrerassistenz leitet und den Lidar für Mercedes' Drive Pilot geliefert hat: „Level-3-Automatisierung lässt sich nur mit Lidar erreichen. Ohne ihn bleiben manche Objekte unentdeckt."
Eine Randnotiz, die selten erwähnt wird: Tesla war im ersten Quartal 2024 der größte Lidar-Kunde des Herstellers Luminar. Branchenüblich ist ein solcher Einsatz als Referenzmessung, um die Tiefenschätzung der Kameras zu trainieren und zu prüfen. Luminar meldete im Dezember 2025 Insolvenz an.
Einen fairen Sicherheitsvergleich gibt es nicht
Für Waymo existiert eine unabhängige Prüfung. Das amerikanische Versicherungsinstitut IIHS fand im Juli 2026 1,28 gegen 4,06 Unfälle je Million Meilen, also 68 Prozent weniger als bei menschlichen Fahrern in denselben Gebieten. Waymo selbst weist 220,6 Millionen fahrerlose Meilen aus, Stand März 2026, und veröffentlicht seine Methodik.
Tesla liefert Eigenangaben aus überwachtem Betrieb, bei dem ein Mensch die Fehler wegfängt. Eine Reuters-Untersuchung vom 28. Mai 2026 kam zu dem Ergebnis, der behauptete Sicherheitsvorsprung sei um den Faktor drei aufgebläht. Zehn von elf befragten Verkehrssicherheitsforschern nannten die Methodik gegenüber Reuters irreführend.
Wer beide Zahlen nebeneinanderlegt, vergleicht zwei verschiedene Dinge: ein Lidar-System im fahrerlosen Betrieb, bei dem der Betreiber haftet, gegen ein Kamera-System im überwachten Betrieb, bei dem der Fahrer haftet.
| Datenbestand | Umfang | Art des Betriebs |
|---|---|---|
| Tesla FSD weltweit | 14 Milliarden Meilen (27. August 2026) | überwacht, der Fahrer haftet |
| Waymo | 220,6 Millionen Meilen (März 2026) | fahrerlos, der Betreiber haftet |
| Tesla FSD in Europa | 100 Millionen Kilometer (26. August 2026) | davon null in Deutschland |
Was FSD kostet
Den Einmalkauf gibt es nicht mehr. In den USA hat Tesla ihn am 14. Februar 2026 gestrichen, in Europa am 21. Mai 2026; vorher kostete er hier 7.500 Euro. Seitdem gilt nur noch das Abonnement: 99 Euro im Monat, für Besitzer des Erweiterten Autopiloten 49 Euro. Über zehn Jahre sind das rund 11.900 Euro statt 7.500.
In Deutschland ist FSD buchbar, aber nicht nutzbar. Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Funktion nicht freigegeben. Die niederländische Behörde RDW erteilte am 10. April 2026 als erste in der EU eine Genehmigung, nach anderthalb Jahren Prüfung, 1,6 Millionen Testkilometern und über 13.000 Demofahrten. Belgien, Dänemark, Litauen und Estland haben sie übernommen. Deutschland und Frankreich haben die vorzeitige Anerkennung abgelehnt.
9. Für zehn Kilometer zum Supermarkt braucht niemand ein schönes Auto
Wenn ein Fahrzeug 23 Stunden am Tag unter einem Baum steht und eine Stunde fährt, ist der Innenraum das Letzte, worüber man nachdenkt. Genau darauf aber ist die deutsche Autoindustrie gebaut: auf Marke, Materialanmutung und Fahrgefühl. Also auf alles, was man schätzt, solange man selbst am Steuer sitzt.
Das schöne Auto verschwindet deshalb nicht. Es wird zum Hobby, so wie das Pferd zum Hobby wurde, als das Auto kam. Wer Freude am Fahren hat, kauft sich einen Oldtimer und bewegt ihn am Sonntag. Was er nicht mehr kauft, ist ein bequemes Auto als Gebrauchsgegenstand. Diese beiden Märkte trennen sich, und nur einer davon ist groß.
2026 ist das Jahr, in dem Europa die Stufe 3 wieder verlassen hat. Innerhalb von sechs Monaten haben die drei deutschen Premiumhersteller ihre Level-3-Funktionen kassiert, nachdem Stellantis schon im August 2025 vorangegangen war.
| Hersteller | Was er 2026 tatsächlich tut | Sensorik | Im Einsatz |
|---|---|---|---|
| Volkswagen (MOIA) | Einziger europäischer Hersteller mit einem echten Level-4-Serienfahrzeug, dem ID. Buzz AD. Hamburg seit 15. Juli 2026 mit Fahrgästen, kostenlos, Sicherheitsfahrer an Bord. Berlin im Test, Los Angeles mit Uber. Die Entwicklungsallianz mit Bosch wurde am 2. Juli 2026 beendet. | 13 Kameras, 9 Lidar, 5 Radar | bis zu 10 in Hamburg, rund 500 Vorserienfahrzeuge 2026, Serie ab 2027 |
| Mercedes-Benz | Der Drive Pilot war die weltweit erste zugelassene Level-3-Serienfunktion, bis 95 km/h auf allen 13.191 Autobahnkilometern. Beim Facelift der S-Klasse im Januar 2026 fiel er weg, beim EQS ebenfalls. Begründung: Die Hardware sei an ihrer Leistungsgrenze. Ersatz ist MB.Drive Assist Pro, Level 2, ab Ende 2026 in Stuttgart und München. | Pkw neu: Kamera und Radar, kein Lidar. Robotaxi-S-Klasse: mit Lidar | Drive Pilot Anfang 2026 im EQS noch für 8.841,70 € bestellbar |
| BMW | Der Personal Pilot L3 kostete 6.000 Euro, gab es nur in Deutschland, funktionierte bis 60 km/h und war das erste System dieser Art, das auch nachts arbeitete. Ende April 2026 fiel er mit dem Facelift des 7ers weg. Ersatz ist ein Level-2-System für 1.450 Euro, bis 130 km/h. | L3 war Lidar, Radar, Kamera. Nachfolger ohne Lidar | der Level-2-Assistent hat über 160 Mio. km zurückgelegt, Level 3 kaufte fast niemand |
| Audi | Stellte 2017 den A8 als weltweit erstes Serienauto mit Level-3-Fähigkeit vor. Die Funktion wurde nie für Kunden freigeschaltet, 2020 gab Audi auf; die Konzernjuristen hatten vor Haftungsrisiken gewarnt. 2026 kommt erstmals freihändiges Level 2 im Q9, bis 137 km/h. | Radar, Kamera, GPS, Fahrerüberwachung. Kein Lidar | keine autonome Flotte |
| Porsche | Der zurückhaltendste Hersteller, und der einzige, der es offen ausspricht. Aus dem eigenen Ausstattungsleitfaden: „Alle Porsche-Assistenzsysteme erfordern die Überwachung durch den Fahrer. Das sind bestenfalls SAE-Level-2-Systeme, kein autonomes Fahren." | Kamera, Radar, Ultraschall, Wärmebild. Kein Lidar | keine autonome Flotte |
| Opel (Stellantis) | Intelli-Drive 2.0, halbautomatischer Spurwechsel, adaptive Geschwindigkeitsregelung. Die Hände müssen am Lenkrad bleiben. Kein freihändiges Fahren, kein Level 3. Der Konzern stoppte sein Level-3-System STLA AutoDrive im August 2025. | Kamera, Radar, Ultraschall | Level 2 |
| Ford (Werk Köln) | BlueCruise ist seit dem 12. Oktober 2023 in Deutschland bestellbar und damit das erste freihändige System mit europäischer Freigabe. Freihändig bis 130 km/h, aber nur auf freigegebenen Abschnitten der Bundesautobahnen. Ab Frühjahr 2026 auch in Puma, Kuga und Ranger PHEV. | Kamera, Radar, Infrarot-Fahrerbeobachtung | 24,99 € im Monat, erste 90 Tage kostenlos |
| Stellantis | Stellte STLA AutoDrive im Februar 2025 vor und legte es im August 2025 auf Eis. Der Sprecher wörtlich: „Was im Februar 2025 vorgestellt wurde, war Level-3-Technik, für die es derzeit nur begrenzte Marktnachfrage gibt." Neu ist eine Partnerschaft mit dem britischen Unternehmen Wayve, Level 2++, Serienziel 2028, zuerst Nordamerika. | L3 war mit Valeo-Lidar geplant. Robotaxi-Plattform mit Pony.ai aus China | Test in Luxemburg mit Bolt |
| Renault | Sagt offen, dass Level 3 im Pkw keine Priorität hat, wegen unfertiger Gesetze, ungeklärter Haftung und zu hoher Kosten. Level 4 baut Renault nur im Nahverkehrs-Shuttle, mit Technik von WeRide aus China. | Pkw: Kamera und Radar. Shuttles: Lidar | ein Robobus je Standort |
| Volvo | Kündigte 2022 als erster Hersteller unbeaufsichtigtes autonomes Fahren an, „Ride Pilot", mit Lidar von Luminar. Es kam nie. Im November 2025 kündigte Volvo den Vertrag, im Dezember meldete Luminar Insolvenz an. Im Juli 2026 strich Volvo die Lidar-Funktionen endgültig und entschädigte die Käufer. | kein Lidar mehr. Geblieben: 5 Radare, 8 Außenkameras, 16 Ultraschall | Die Autos waren mit der Dachhardware ausgeliefert worden. Die Software kam nie. |
In der Tabelle steckt ein Riss, der leicht zu übersehen ist. Im Privatauto streichen VW, Mercedes und BMW den Lidar. In der Robotaxi-Flotte derselben Konzerne sitzen neun davon auf dem Dach. Die Trennlinie verläuft nicht zwischen Herstellern, sondern zwischen Produktarten.
10. Warum verstehen sie das nicht? Sie verstehen es. Das ist das Problem.
Die ehrlichste Antwort hat BMWs Entwicklungsvorstand Joachim Post am 17. März 2026 selbst gegeben:
„Wir hatten das Level-3-System in den Fahrzeugen. Aber wir haben festgestellt, dass die Nachfrage danach nicht auf einem Niveau war, auf dem wir profitabel hätten sein können."
Das ist eine kaufmännische Rechnung, und genau deshalb ist es gefährlich. Ein Hersteller, der jedes Jahr Millionen Autos an Privatleute verkauft, kann Level 3 nur als Sonderausstattung anbieten. Für 6.000 Euro, damit man im Stau bis 60 km/h aufs Handy schauen darf. Das kauft fast niemand, also lohnt es sich nicht, also lässt man es. Jede einzelne dieser Entscheidungen ist für sich betrachtet richtig.
Der Denkfehler liegt eine Ebene höher. Die Rechnung geht von einem Kunden aus, der weiterhin ein Auto kauft. Sie fragt, was er für ein besseres Auto zusätzlich bezahlt, und nicht, was passiert, wenn er gar keins mehr kauft. Ein Flottenbetreiber rechnet umgekehrt: Für ihn ersetzt die Technik einen Fahrer, also den größten Kostenblock überhaupt.
Dieselbe Technik ist im Privatauto ein unverkäufliches Extra und im Flottenfahrzeug das ganze Geschäftsmodell. Das ist der Grund, warum die Antwort aus einer ganz anderen Ecke kommt: von Uber, von Waymo und von einer Handvoll chinesischer Softwarefirmen.
11. Die Lastwagen fahren vor
Beim Lastwagen fehlt der Fahrer schon heute. Das verschiebt die Rechnung komplett: Wer keine Fahrer findet, vergleicht die Technik mit einer Fahrt, die sonst gar nicht stattfindet.
Daimler Truck entwickelt gemeinsam mit der Tochter Torc Robotics einen fahrerlosen Freightliner Cascadia. Die autonomiefähige Plattform mit redundanter Bremse und Lenkung wurde im April 2025 übergeben, das Serienziel ist 2027, die Skalierung 2028. Getestet wird mit Sicherheitsfahrer in Texas, New Mexico und Arizona, der Hauptkorridor ist die I-35 zwischen Laredo und Dallas. Für Europa ist bei Daimler Truck nichts belegt; die Autonomie-Strategie ist auf Nordamerika beschränkt.
MAN hat das Forschungsprojekt ATLAS-L4 im Mai 2025 abgeschlossen, drei Jahre Laufzeit, 59,1 Millionen Euro, gefördert vom Bundeswirtschaftsministerium. Am 18. April 2024 fuhr ein MAN rund zehn Kilometer autonom über die A9, mit Sicherheitsfahrer an Bord. Ein Serientermin existiert nicht. Die Muttergesellschaft TRATON hat im Januar 2026 ihre Partnerschaft mit dem amerikanischen Softwareunternehmen PlusAI ausgebaut, bis zu 25 Millionen Dollar für Entwicklung, Flottentests laufen in Texas.
Die Zulieferer sind weiter als die Hersteller. Knorr-Bremse bringt 2027 ein redundantes Bremssystem für Level-4-Nutzfahrzeuge in Serie, Leitmarkt Nordamerika. Bosch will sein Nutzfahrzeuggeschäft von über vier auf über acht Milliarden Euro bis Mitte der 2030er Jahre verdoppeln, mit Level 4 für definierte Betriebsbereiche als Ziel.
In den USA ist der fahrerlose Lastwagen längst Realität. Aurora meldete bis Ende Juni 2026 440.000 fahrerlose Meilen auf zehn Strecken im Sun Belt und will bis Jahresende mindestens 200 kommerziell fahrerlose Trucks im Einsatz haben. Kodiak betreibt 35 fahrerlose Lastwagen im Permian Basin, bisher abseits der Autobahn, der Fernverkehr soll bis Ende 2026 folgen.
12. Der Blick nach außen: China, Japan, Korea, USA
Zum 15. September 2026 fährt in Europa kein einziges Robotaxi ohne Menschen an Bord im kommerziellen Betrieb. London hat seit dem 3. September einen bezahlten Uber-Dienst mit 15 Fahrzeugen; in jedem sitzt ein lizenzierter Fahrer, der rechtlich verantwortlich ist. Zagreb fährt seit April kommerziell, mit Operator. Hamburg fährt kostenlos, mit Sicherheitsfahrer.
| Betreiber | Land | Robotaxis | Stand | fahrerlos |
|---|---|---|---|---|
| Waymo | USA | rund 2.500, etwa 500.000 bezahlte Fahrten pro Woche, 14 Metropolregionen | Mai bis September 2026 | ja |
| WeRide | China | über 1.800 Robotaxis, über 60 Städte in 13 Ländern | 31. Juli 2026 | ja |
| Pony.ai | China | 1.975, Ziel über 3.500 bis Jahresende | 30. Juni 2026 | ja |
| Baidu Apollo Go | China | über 1.000, letzte veröffentlichte Zahl | Mai 2025 | ja |
| Tesla | USA | 439 Robotaxis in Texas zugelassen, davon 49 Cybercab | Anfang September 2026 | teilweise |
| Zoox | USA | unter 100, Las Vegas, Fahrzeug ohne Lenkrad und Pedale | seit 10. August 2026 | ja |
| Motional | Südkorea/USA | Las Vegas mit Uber, Zahl nicht veröffentlicht | seit März 2026 | nein, Operator am Lenkrad |
| Hamburg, ALIKE | Deutschland | bis zu 10, Projekt gesamt bis 20 | seit 15. Juli 2026 | nein, Sicherheitsfahrer |
Noch deutlicher wird der Abstand eine Stufe tiefer, bei den Assistenzsystemen im normalen Auto. BYD liefert sein System „God's Eye" kostenlos und serienmäßig aus, bis hinunter in ein Modell für rund 9.500 Dollar. Über 2,3 Millionen Fahrzeuge waren Anfang 2026 damit unterwegs und erzeugen mehr als 160 Millionen Kilometer Fahrdaten am Tag. Huaweis System steckt in 1,4 Millionen Fahrzeugen. In Europa kostet vergleichbare Technik zwischen 1.450 und 8.800 Euro Aufpreis.
Japan und Südkorea sind zurückhaltender, als man erwarten würde. Honda brachte 2021 als weltweit erster Hersteller ein Level-3-Serienfahrzeug auf den Markt, allerdings nur 100 Leasingfahrzeuge. Der für Anfang 2026 versprochene Robotaxi-Dienst in Tokio startete nie, weil der Partner GM Cruise das Geschäft aufgab. Nissan testete von November 2025 bis Januar 2026 fünf Fahrzeuge in Yokohama, ausdrücklich auf Level 2 mit Sicherheitsfahrer; kommerziell soll es ab dem Geschäftsjahr 2027 werden. Hyundai zielt mit eigener Plattform auf Level 2++ im Jahr 2029, also ausdrücklich unterhalb von Level 3, will aber bis 2033 Teslas gesammelte Fahrdaten übertreffen.
Ein Gegengewicht zur Erzählung vom Wilden Osten
In der Nacht des 31. März 2026 blieben in Wuhan über hundert Robotaxis von Baidu gleichzeitig stehen, teils auf Hochstraßen, Passagiere saßen bis zu zwei Stunden fest. Verletzt wurde niemand. Ende April setzte China daraufhin landesweit alle neuen Genehmigungen aus, ließ die Branche prüfen und erteilte erst ab dem 23. Juli wieder Lizenzen. Baidus fahrerlose Fahrten brachen im zweiten Quartal von 3,2 auf rund eine Million ein. Seit August 2026 gibt es einen verbindlichen Sicherheitsstandard, gültig ab Juli 2027.
In den USA führte im selben Zeitraum kein Vorfall zu einer bundesbehördlichen Maßnahme.
Und noch eine Zahl, die in Deutschland kaum beachtet wurde: Seit dem 29. Juli 2026 darf das chinesische Unternehmen Momenta deutschlandweit Level 4 auf Stadtstraßen testen, genehmigt vom Kraftfahrt-Bundesamt, ohne Einzelgenehmigung je Stadt. Mercedes-Benz ist seit 2017 an Momenta beteiligt.
13. Was die Politik dazu sagt
Bürger haben mehrfach nachgefragt, warum ein in Grünheide gebautes Auto seine Software in Belgien nutzen darf und in Brandenburg nicht. Die Antworten stehen öffentlich auf abgeordnetenwatch.de.
Christian Hirte (CDU), Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, antwortete am 18. Juli 2026, die niederländische Genehmigung sei eine Ausnahme nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858 und gelte nicht automatisch in jedem Mitgliedstaat. Das Kraftfahrt-Bundesamt sollte im Juli ein Testfahrzeug erhalten. Sein Schlusssatz: „Das Bundesministerium für Verkehr misst der Entwicklung des autonomen Fahrens und der Vereinfachung der Zulassungsvorschriften große Bedeutung bei."
Patrick Schnieder (CDU), Bundesminister für Verkehr, antwortete am 7. September 2026 auf eine Frage vom 12. Juni fast wortgleich: „Die niederländische Ausnahmegenehmigung gilt nicht automatisch in Deutschland." Eine Freigabe könne erst nach Abschluss des europäischen Verfahrens erfolgen.
Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Die Grünen) nannte am 28. August 2026 als einziger inhaltliche Gründe: Bedenken gegen die rein kamerabasierte Technik, gegen eine unzureichende Fahrerüberwachung in urbanen Situationen, und dagegen, dass Tesla sich bei der Geschwindigkeit am Verkehrsfluss orientiert statt am Tempolimit. Sein Schlusssatz: „Eine europäische Abstimmung zur Klärung der Kriterien ist aber in Vorbereitung. Ein konkreter Zeitplan liegt uns nicht vor."
Allen drei Antworten gemeinsam ist das Verfahren. Man prüft, man stimmt sich ab, man wartet auf Europa. Nur eine nennt einen inhaltlichen Grund, und sie kommt aus der Opposition. Ein Datum nennt keine.
Der nächste Termin, an dem sich das ändern könnte, ist eine Abstimmung im zuständigen EU-Ausschuss TCMV, erwartet für den 6. Oktober 2026. Bestätigt ist er nicht.
14. Der Stand, in vier Zahlen
| Zahl | Was sie bedeutet |
|---|---|
| 49 | in Texas zugelassene Cybercab. Fahrerloser Betrieb bisher nur in Austin. |
| 439 | Tesla-Robotaxis in Texas insgesamt, davon 390 Model Y. |
| 1 | fahrerloses Fahrzeug im deutschen Straßenverkehr: der Lidl-Lastwagen in Edermünde, seit heute. |
| 0 | Fahrzeuge, die in Deutschland Menschen fahrerlos befördern. Und null erteilte Betriebsbereichsgenehmigungen nach AFGBV, fünf Jahre nach dem Gesetz. |
Die letzte Zahl ist die interessanteste auf dieser Seite. Sie wird eines Tages springen, und dann wird man wissen, wann es angefangen hat.
15. Was dann möglich wird
Im Alltag vergisst man, wie viel Aufwand ein eigenes Fahrzeug macht, und wie viele Dinge man unterlässt, weil einer fahren muss.
Essen gehen, ohne die ganze Zeit an den Rückweg zu denken. Beim Gastwirt hängt die Marge am Getränk. Für ihn ist ein Fahrzeug ohne Fahrer deshalb ein Umsatzthema.
Wer weit draußen wohnt, entscheidet jedes Wochenende neu, ob er ausgeht. Hundertdreißig Kilometer bis in die Stadt, vier Stunden Fahrt für einen Abend, die Rückfahrt im Morgengrauen und nüchtern. Diese Rechnung stellt sich dann nicht mehr.
Ein älteres Ehepaar, das abends nicht mehr fährt, käme wieder ins Theater. Nicht wegen des Preises. Weil es überhaupt wieder geht.
Und der Arzttermin richtet sich nach dem Arzt statt nach dem Fahrdienst. Keine Bittstellerei bei Nachbarn und Kindern.
Mit siebzehn und mit siebenundachtzig ist Mobilität heute eine Frage der Fahrerlaubnis. Sie würde eine Preisfrage, und Preise kann man senken.
Auf dem Land kostet ein Taxi zum nächsten Bahnhof leicht 70 Euro für zwanzig Kilometer, weil der Fahrer An- und Rückfahrt mitberechnet. Von achtzig gefahrenen Kilometern sind zwanzig die eigenen. Ein Fahrzeug, das im Ort steht, streicht drei Viertel der Strecke ersatzlos. Das ist der Faktor drei bis vier, noch vor jedem technischen Fortschritt. Und um zehn Uhr abends geht bei keinem Unternehmen mehr jemand ans Telefon; da hilft kein Preis, weil das Angebot nicht existiert.
Häufige Fragen
Faehrt in Deutschland schon ein Robotaxi?
Nein. Zum 15. September 2026 befördert in Deutschland kein Fahrzeug Menschen fahrerlos. In Hamburg läuft seit dem 15. Juli 2026 ein Pilotbetrieb mit bis zu zehn autonomen VW ID. Buzz AD, allerdings kostenlos und mit Sicherheitsfahrer an Bord. Betriebsbereichsgenehmigungen nach der AFGBV sind bislang keine erteilt worden. Im Güterverkehr ist die Lage anders: Seit dem 15. September 2026 fährt in Edermünde bei Kassel ein Lastwagen ohne Fahrerhaus von Lidl und Einride im öffentlichen Straßenverkehr, genehmigt vom Kraftfahrt-Bundesamt.
Welche Stufe hat Teslas Full Self-Driving?
Stufe 2. Trotz des Namens ist FSD (Supervised) ein Assistenzsystem, bei dem der Fahrer durchgehend hinsehen und jederzeit eingreifen muss. Die niederländische Zulassungsbehörde RDW hat es im April 2026 ausdrücklich als Level 2+ eingestuft und verlangt, dass der Produktname das Wort „überwacht" enthält. Erst ab Stufe 3 haftet der Hersteller während der automatisierten Fahrt.
Warum ist Tesla FSD in Deutschland nicht freigegeben?
Das Kraftfahrt-Bundesamt hat die Funktion nicht freigegeben. Die niederländische Genehmigung vom 10. April 2026 ist eine Ausnahme nach Artikel 39 der EU-Verordnung 2018/858 und gilt nicht automatisch in anderen Mitgliedstaaten. Belgien, Dänemark, Litauen und Estland haben sie übernommen, Deutschland und Frankreich haben die vorzeitige Anerkennung abgelehnt. Eine Abstimmung im zuständigen EU-Ausschuss TCMV wird für den 6. Oktober 2026 erwartet, ist aber nicht bestätigt.
Warum haben Mercedes und BMW Level 3 gestrichen?
Wegen fehlender Nachfrage. BMW-Entwicklungsvorstand Joachim Post sagte am 17. März 2026, man habe das Level-3-System in den Fahrzeugen gehabt, die Nachfrage sei aber nicht auf einem Niveau gewesen, auf dem man profitabel hätte sein können. Mercedes nannte zusätzlich technische Gründe: Die Hardware sei an ihrer Leistungsgrenze angekommen. Der BMW Personal Pilot kostete 6.000 Euro und funktionierte nur bis 60 km/h, der Mercedes Drive Pilot bis 95 km/h.
Was kostet ein eigenes Auto pro Kilometer?
Das hängt stark von der Fahrleistung ab, weil Wertverlust, Versicherung und Steuer fix sind. Ein gebrauchter Kompaktwagen kostet bei 20.000 Kilometern im Jahr rund 6.720 Euro, also etwa 34 Cent je Kilometer. Bei nur 4.000 Kilometern im Jahr sind es rund 84 Cent je Kilometer. Der ADAC nennt für einen neuen VW Golf 1.5 bei 15.000 Kilometern 56,9 Cent je Kilometer. Wer wenig fährt, zahlt je Kilometer am meisten.
Was kostet Tesla FSD in Deutschland?
Den Einmalkauf für 7.500 Euro hat Tesla am 21. Mai 2026 europaweit gestrichen. Seitdem gibt es nur noch das Abonnement für 99 Euro im Monat, beziehungsweise 49 Euro für Besitzer des Erweiterten Autopiloten. In Deutschland ist FSD buchbar, aber nicht nutzbar, weil das Kraftfahrt-Bundesamt die Funktion nicht freigegeben hat.
Wie viele Robotaxis fahren weltweit?
Belegbar sind Einzelwerte, keine Gesamtsumme. Waymo betreibt in den USA rund 2.500 Fahrzeuge mit etwa 500.000 bezahlten Fahrten pro Woche in 14 Metropolregionen. WeRide meldet über 1.800 Robotaxis zum 31. Juli 2026, Pony.ai 1.975 zum 30. Juni 2026. Tesla hat 439 Robotaxis in Texas zugelassen, davon 49 Cybercab. In Europa fährt kein einziges Robotaxi ohne Menschen an Bord im kommerziellen Betrieb.
Quellen und Stand
Deutschland: Recht, Genehmigungen, Projekte
- Erster fahrerloser Lastwagen im öffentlichen Straßenverkehr: Einride, Mitteilung vom 15. September 2026 und Lidl Deutschland
- Level-4-Genehmigungen des Kraftfahrt-Bundesamts, Stand Ende 2025: t3n, 24. Dezember 2025
- Hamburger Fahrgastbetrieb mit dem ID. Buzz AD: MOIA, 15. Juli 2026 und HOCHBAHN, Projekt ALIKE
- Deutschlandweite Level-4-Testgenehmigung für Momenta: CnEVPost, 29. Juli 2026
- Antworten der Politik: Christian Hirte, 18. Juli 2026 · Patrick Schnieder, 7. September 2026 · Tarek Al-Wazir, 28. August 2026
Kosten und Verkehr
- Autokosten je Kilometer: ADAC Autokostenvergleich. Die Beispielrechnung für den Gebrauchtwagen ist eine eigene Berechnung nach den im Text genannten Annahmen.
- Betriebskosten von Robotaxi-Flotten: PwC, 9. September 2026, 1,70 bis 2,20 Dollar je Meile bei großen Flotten.
- Anfahrverlust an Lichtsignalanlagen: Delay Model of Start-Up Loss Time at Signalized Intersections, Applied Sciences 16(4):2081, 2026
- Ringexperiment zum Stau ohne Ursache: Stern et al., Dissipation of stop-and-go waves via control of autonomous vehicles, Transportation Research Part C 89:205, 2018
- Kolonnenkapazität in vernetzten Flotten: Zheng et al., Communications Engineering, 2025
- Verbrauch bei automatisiertem Fahren: He et al., SAE Journal of Connected and Automated Vehicles, 2023
- Parkplätze in Berlin: Erfassung der Senatsverkehrsverwaltung, November 2024; Fahrzeugbestand: Tagesspiegel. Die Flächenrechnung ist eine eigene Berechnung bei 12 Quadratmetern je Stellplatz.
- Fahrtkosten und Fälle der gesetzlichen Krankenversicherung: KBV, Gesundheitsdaten und AOK, Daten und Analysen. Die Aufteilung auf Taxi und Mietwagen sowie die Kilometer-Hochrechnung sind eigene Berechnungen.
Technik und Sicherheit
- Untersuchung der US-Verkehrsbehörde zu Kamerasicht bei Blendung, Nebel und Staub: NHTSA, Voruntersuchung PE24-031, hochgestuft am 19. März 2026 zur Engineering Analysis EA26-002 (Electrek)
- Waschdüsen nur an der Robotaxi-Flotte: Not a Tesla App, 26. Januar 2026
- Lidar-Leistungsdaten: Hesai ATX, Herstellerangabe. Preisentwicklung aus Waymo-Angaben von 2017 und dem Hesai-Quartalsbericht vom 18. August 2026, eigene Berechnung.
- Musk-Zitate: Tesla Autonomy Day, 22. April 2019 und X, 25. August 2025
- Waymo-Gegenposition: Dmitri Dolgov, 4. August 2026. Valeo-Position: Marc Vrecko, Valeo
- Unabhängige Sicherheitsprüfung von Waymo: IIHS, Juli 2026. Kritik an Teslas Methodik: Reuters-Untersuchung, 28. Mai 2026
- Sensorik der sechsten Waymo-Generation: Waymo
Hersteller
- Mercedes-Benz, Wegfall des Drive Pilot: ComputerBase, 2. Februar 2026 und electrive, 12. Januar 2026
- BMW, Wegfall des Personal Pilot und das Zitat von Joachim Post: BMWblog, 17. März 2026 und electrive, 23. Februar 2026
- Audi, Aufgabe des A8-Staupiloten: Motor Authority, 2020; freihändiges Level 2 im Q9: Carscoops, 4. August 2026
- Stellantis, Stopp von STLA AutoDrive: electrive, 29. August 2025; Wayve-Partnerschaft: Stellantis, 21. Mai 2026
- Opel Intelli-Drive 2.0: Opel Deutschland
- Ford BlueCruise in Deutschland: Ford, 12. Oktober 2023 und Ford, 13. November 2025
- Renault, Zwei-Wege-Strategie: Renault Group
- Volvo, Ende der Lidar-Funktionen: Electrek, 29. Juli 2026
- Volkswagen, Vorserie des ID. Buzz AD: electrive, 6. März 2026; Ende der Bosch-Allianz: electrive, 2. Juli 2026
Lastwagen
- Daimler Truck und Torc: Torc Robotics, 16. April 2025
- MAN, Abschluss von ATLAS-L4: automobil-industrie, 8. Mai 2025; A9-Fahrt: MAN
- TRATON und PlusAI: TRATON, 26. Januar 2026
- Knorr-Bremse, redundantes Bremssystem: Knorr-Bremse, 14. Juli 2026
- Aurora: Aurora, 22. Juli 2026. Kodiak: Kodiak, August 2026
China, Japan, Korea, USA
- Pony.ai, Flottenstand: Quartalsbericht, 30. Juni 2026
- WeRide, Flottenstand: Quartalsbericht, 31. Juli 2026
- Baidu Apollo Go, letzte veröffentlichte Flottenzahl: CnEVPost, Mai 2025
- Landesweiter Genehmigungsstopp in China und dessen Aufhebung: CnEVPost, 29. April 2026 und 23. Juli 2026
- BYD, kostenloses Assistenzsystem in der Serie: CarNewsChina, 28. Januar 2026
- Honda, Ende des Robotaxi-Vorhabens in Tokio: TechCrunch, 11. Dezember 2024. Nissan, Pilot in Yokohama: Nissan
- Uber und Wayve in London: TechRepublic, 7. September 2026
- Flottenzahlen Tesla in Texas: TxDMV-Fahrzeugregister, öffentlich abfragbar über den TxMCCS Truck Stop; laufend ausgewertet vom Texas AV Tracker
Passend dazu auf KIPODE: Autoindustrie Deutschland · Humanoide Roboter · KI Radar
Hinweis zur KI-Unterstützung: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI-Werkzeugen recherchiert und aufbereitet. Alle Inhalte wurden redaktionell durch Michael Bertelsen geprüft und freigegeben. Das Kopfbild ist eine KI-generierte Darstellung und im Bild als solche gekennzeichnet. Originalquellen sind direkt verlinkt, wir empfehlen, diese für eigene Entscheidungen heranzuziehen.