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Bosch will ab August 2027 humanoide Roboter in Bühl bauen, und die Kunden mieten sie

Bosch will ab August 2027 im Werk Bühl im Nordschwarzwald humanoide Roboter in Serie fertigen, als Auftragsfertiger für das Londoner Unternehmen Humanoid. Geplant sind zunächst einige hundert Stück des Modells Gamma für Fabrik und Logistik. Die Maschinen werden nicht verkauft. Kunden mieten sie als Dienstleistung, erster Abnehmer ist der Zulieferer Schaeffler, der zugleich an Humanoid beteiligt ist. Alle Angaben zum Bühler Serienstart stammen aus Presseberichten mit Bosch-Aussagen; eine eigene Bosch-Pressemitteilung dazu liegt am 4. September 2026 weiterhin nicht vor.

August 2027
geplanter Serienstart im Werk Bühl, genannt in Presseberichten vom 22. bis 24. August 2026 mit Bosch-Aussagen
einige hundert
Roboter des Modells Gamma sollen 2027 entstehen, größere Stückzahlen erst danach (Presseberichte)
Miete
Humanoid verkauft die Roboter nicht. Kunden zahlen für die Nutzung als Dienstleistung, das Unternehmen nennt das Robotics-as-a-Service
2.700
Beschäftigte hat das Werk Bühl heute. Bis 2030 fallen dort nach Presseberichten weitere rund 1.100 Stellen weg

Was Bosch selbst veröffentlicht hat, und was nicht

Diese Unterscheidung steht am Anfang, weil sie den Wert der ganzen Meldung bestimmt. Bosch hat am 10. Juni 2026 eine Pressemitteilung zu Automatisierung und Robotik veröffentlicht. Sie belegt die Partnerschaft mit Humanoid und die Robotik-Strategie des Konzerns. Zum Serienstart in Bühl steht dort nichts.

Die Bühler Angaben, also der Serienstart im August 2027, das Modell Gamma und Schaeffler als erster Abnehmer, stammen aus einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 23. August 2026 und aus dessen Nachdrucken bei Handelsblatt, heise online und der Nachrichtenagentur dpa. In diesen Berichten kommen Bosch-Vertreter zu Wort. KIPODE führt sie deshalb als Presseberichte mit Bosch-Aussagen und ausdrücklich nicht als Unternehmensmitteilung.

Am 4. September 2026 findet sich im Bosch-Presseportal weiterhin keine eigene Mitteilung zum Bühler Serienstart. Solange das so bleibt, sind Termin und Stückzahl belastbar berichtet, aber nicht amtlich bestätigt. Eine in der Berichterstattung kursierende Bewertungszahl für Humanoid lässt KIPODE weg: Verschiedene Berichte nennen dieselbe Zahl einmal in Dollar und einmal in Euro. Solange das ungeklärt ist, gehört sie nicht auf diese Seite.

Warum ausgerechnet Bühl

Das Werk in Bühl in Baden-Württemberg schrumpft seit Jahren. Rund 2.700 Beschäftigte bauen dort vor allem Komponenten für die Autoindustrie, etwa Fensterheber und Kleinstmotoren. Wegen des Umbruchs in der Antriebstechnik fallen dort bis 2030 weitere rund 1.100 Arbeitsplätze weg. Die Robotermontage bringt eine neue Aufgabe an einen Standort, dessen bisheriges Geschäft wegbricht.

Die Technik ist im Werk bereits gelaufen. Im Frühjahr 2026 bewegten Prototypen der Reihe HMND 01 in der Werkslogistik eigenständig Kartons, gesteuert von KinetIQ, der Steuerungssoftware von Humanoid. Für den Anlauf der Montage ist zunächst eine zweistellige Zahl an Beschäftigten vorgesehen.

Bosch prüft nach den Berichten, künftig eigene Bauteile beizusteuern, etwa Motoren, Aktuatoren und Sensorik. Damit wäre der Konzern mehr als ein Auftragsfertiger. Beschlossen ist das bislang nicht.

Das Mietmodell ist der eigentliche Unterschied

Humanoid verkauft die Maschinen nicht. Kunden zahlen für die Nutzung, das Unternehmen bietet seine Systeme als Dienstleistung an und nennt das Robotics-as-a-Service. Schaeffler ist an Humanoid beteiligt und tritt zugleich als erster Abnehmer auf.

Für deutsche Betriebe ändert dieses Modell die Rechnung. Es entsteht keine große Anschaffung in der Bilanz, sondern eine laufende Kostenposition, die sich an der tatsächlichen Nutzung bemessen lässt. Das senkt die Einstiegshürde für mittelständische Anwender, die eine hohe Investition in eine noch unerprobte Maschine kaum rechtfertigen könnten.

Die Kehrseite gehört dazu. Wer mietet, bleibt dauerhaft vom Anbieter abhängig: von der Software, von Ersatzteilen, von der Preisgestaltung und davon, dass es das Unternehmen in fünf Jahren noch gibt. Mietpreise sind bislang nicht öffentlich, Vertragslaufzeiten ebenso wenig.

Einordnung von KIPODE

Bosch fährt mehrgleisig. Neben der Zusammenarbeit mit Humanoid arbeitet der Konzern auch mit Neura Robotics zusammen, einem deutschen Robotik-Unternehmen, dessen Finanzierungsrunde KIPODE in Beitrag 25 beschrieben hat. Für den Standort Deutschland zählt zunächst die Fertigung, unabhängig davon, wessen Roboter am Ende vom Band läuft.

Auffällig ist der zeitliche Gleichlauf mit der öffentlichen Hand. In derselben Zeit hat die Bundesagentur SPRIND eine Robotik-Challenge mit einem Gesamtvolumen von 90 Millionen Euro ausgeschrieben, nachzulesen in der Karte zur SPRIND-Challenge Next Frontier Robotics. Industrie und Staat setzen im selben Spätsommer auf dasselbe Feld.

Drei Punkte bleiben zu prüfen: eine eigene Bosch-Mitteilung zum Serienstart, belastbare Stückzahlen für 2027 und 2028 sowie die Konditionen des Mietmodells. KIPODE zieht die Karte nach, sobald dazu Primärquellen vorliegen.

Quellen: Bosch, Pressemitteilung zu Automatisierung und Robotik vom 10. Juni 2026, belegt die Partnerschaft mit Humanoid (Primärquelle) · Handelsblatt, Bosch plant Serienproduktion für humanoide Roboter, 22./23. August 2026 (Pressebericht) · heise online, Bühl als Pioniermodell, 23. August 2026 (Pressebericht) · Stuttgarter Nachrichten und dpa, ab August 2027 humanoide Roboter im Schwarzwald, 23. August 2026 (Pressebericht) · all-ai.de, Zusammenfassung mit Mietmodell, Beschäftigtenzahlen und HMND 01, 24. August 2026 (Pressebericht) · The Robot Report zu Humanoid, HMND 01 und dem Robotics-as-a-Service-Modell (Sekundärquelle) · Humanoid, Unternehmensseite (Primärquelle zum Unternehmen).

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