Deutschlands Wette auf ein eigenes Spitzenmodell: SPRIND startet mit zehn Teams
Während beim Rennen um die großen Sprachmodelle bislang die USA und China vorn liegen, unternimmt Deutschland einen eigenen Anlauf. Die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) hat für ihr Programm „Next Frontier AI" Ende Juni die ersten Teams ausgewählt. Ab Juli 2026 werden zunächst zehn Teams gefördert, mit einem Gesamttopf von 125 Millionen Euro. Das Ziel ist groß: bis Herbst 2028 sollen daraus bis zu drei europäische KI‑Labore hervorgehen, die es mit ChatGPT, Claude oder Gemini aufnehmen können. KIPODE erklärt, was dahintersteckt, und ordnet ein, was das für den Standort Deutschland bedeutet.
Was SPRIND vorhat
SPRIND ist eine staatliche Agentur, die gezielt sogenannte Sprunginnovationen fördert, also Ideen mit dem Potenzial für einen großen Umbruch. Mit „Next Frontier AI" will sie nicht einfach die bekannten Sprachmodelle nachbauen, sondern neue KI‑Ansätze aus Europa nach vorn bringen. Ausgewählt wurden die Teams Ende Juni nach persönlichen Pitches vor einer Jury. Sie erhalten das Geld als nicht rückzahlbare Zuschüsse, gestaffelt in Tranchen: Wer die Ziele erreicht, kommt in die nächste Stufe. Über die gesamte Laufzeit von bis zu 24 Monaten kann ein Team so bis zu rund 27 Millionen Euro erhalten. Anders als eine übliche Beteiligung nimmt der Staat dafür keine Firmenanteile, die Gründer behalten ihr Unternehmen.
Mehr als nur Geld
Neben der Förderung stellt SPRIND den Teams bereit, was beim Bau großer KI‑Modelle am meisten fehlt: Rechenleistung und Infrastruktur, praktische Unterstützung beim Betrieb der Modelle sowie Hilfe bei Recht, Strategie und Firmenaufbau. Dazu kommt die Vermittlung an Investoren und Partner. Der Fahrplan sieht vor, dass im Herbst 2028 bis zu drei Gewinner‑Teams übrig bleiben, die dann in der Lage sein sollen, eine Finanzierungsrunde von jeweils rund einer Milliarde Euro zu stemmen, also den Sprung vom geförderten Projekt zum eigenständigen Technologieunternehmen zu schaffen.
Was das für Deutschland heißt (KIPODE‑Einordnung)
Der Vorstoß trifft einen wunden Punkt. Deutschlands bekanntestes KI‑Unternehmen Aleph Alpha wurde im April 2026 vom kanadischen Anbieter Cohere übernommen, ein selbst entwickeltes Spitzenmodell „made in Germany" gab es zuletzt nicht mehr. Genau diese Lücke will SPRIND mit öffentlichem Geld schließen, statt allein auf den Markt zu warten. Ob daraus ein echtes Gegengewicht zu den US‑Laboren wird, ist offen: 125 Millionen Euro sind gemessen an den Milliardenbudgets von OpenAI, Google oder Anthropic ein kleiner Betrag, und der Zeitplan bis 2028 ist ambitioniert. Für den Standort ist der Ansatz dennoch bedeutsam, weil er die Frage der Datenhoheit berührt. Ein in Europa gebautes, möglichst offenes Modell hält Wissen und Kontrolle im Land, statt sie an ausländische Anbieter abzugeben, ein Thema, das auch die deutsche Wirtschaft zunehmend umtreibt. KIPODE bleibt hier nüchtern: Das Programm ist ein ernsthafter Versuch mit klaren Zahlen und Fristen, aber noch kein Erfolg. Entscheidend wird, ob die geförderten Teams bis 2028 privates Kapital in Milliardenhöhe anziehen. Wir behalten die Auswahl und die Fortschritte im Blick. Mehr zum Stand des KI‑Standorts in unserer Übersicht Künstliche Intelligenz in Deutschland.