Spritpreise Deutschland 2026, Steuern, Rohöl und der Vergleich mit Polen und Dänemark
Der Preis an der Zapfsäule ist die Zahl, die in Deutschland jeder kennt und fast niemand erklären kann. In der Woche zum 14. September 2026 kostete der Liter Super 95 in Deutschland 2,357 Euro, der Liter Diesel 2,426 Euro. Der Ölmarkt erklärt davon einen Teil, der Wechselkurs einen weiteren, und rund die Hälfte des Benzinpreises sind Steuern und Abgaben. Die Zahlen auf dieser Seite kommen aus dem wöchentlichen Ölbulletin der EU-Kommission und werden jede Woche automatisch nachgeführt.
Warum 2026 alles teurer wurde, der Schock am Persischen Golf
2026 ist kein normales Spritjahr. Ins Jahr gestartet war Brent bei 61 US-Dollar je Barrel, bis Ende Februar stieg der Preis ruhig auf rund 72 Dollar. Dann kam der Militärschlag vom 28. Februar, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus brach ein, und das Quartal endete bei 118 Dollar. Die US-Energiebehörde EIA nennt das den größten Quartalsanstieg im gesamten Datenbestand, der 1988 beginnt, inflationsbereinigt gerechnet. Im März brach das Weltölangebot nach Zahlen der Weltbank um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein.
Pro Barrel Brent, Jahresanfang bis Quartalsende. Inflationsbereinigt der größte Quartalsanstieg im seit 1988 verfügbaren Datenbestand.
Barrel pro Tag weniger als zuvor. Der Ausfall trifft einen Markt, der kaum freie Kapazität hat.
Barrel pro Tag, die die OPEC+ im Juli 2026 kurzfristig zusätzlich hätte fördern können. Im September 2026 waren es 0,22 Millionen. Ein Puffer, der praktisch keiner mehr ist.
Gesperrt ist die Straße von Hormus nicht. Sie ist stark eingeschränkt. Nach Zahlen der Internationalen Energieagentur lagen die Ölausfuhren der Golfstaaten im August 2026 bei rund 13 Millionen Barrel pro Tag, also knapp der Hälfte des Vorkriegsniveaus; ein Teil der Durchfahrten läuft unter Geleitschutz der US-Marine. Zwischen März und Mai war der Verkehr zeitweise fast vollständig zum Erliegen gekommen.
Der Wechselkurs rechnet mit. Öl wird in Dollar gehandelt, getankt wird in Euro. 2022 kam rund ein Drittel des deutschen Preissprungs nicht vom Ölmarkt, sondern vom schwachen Euro, der im Jahresmittel bei 1,05 Dollar stand. Wer nur auf den Barrelpreis schaut, sieht die halbe Rechnung.
Rohöl gegen Zapfsäule, zwanzig Jahre nebeneinander
Die häufigste Vermutung beim Tanken lautet: Der Ölpreis steigt, also steigt der Spritpreis im gleichen Maß. Die beiden Kurven laufen tatsächlich zusammen, aber sie laufen nicht gleich weit. Der Grund steht im nächsten Kapitel: Ein großer Teil des Literpreises ist ein fester Betrag in Cent und bewegt sich überhaupt nicht mit dem Öl.
Brent-Rohöl und Super E10 im Jahresdurchschnitt, 2006 bis 2026
Linke Achse: Brent in US-Dollar je Barrel (Balken). Rechte Achse: Super E10 in Euro je Liter an deutschen Tankstellen (Linie).
Quellen: EIA (Brent), ADAC Kraftstoffpreisentwicklung (E10). 2026 sind Zwischenstände, keine Jahreswerte: Brent ist das Mittel Januar bis August, der E10-Wert ist der ADAC-Stand vom 1. September 2026.
Zwei Stellen in der Reihe lohnen den zweiten Blick. 2020 fiel Brent auf 41,96 Dollar, der E10-Preis aber nur auf 1,255 Euro, er kam also nie in die Nähe der Ölbewegung. Und 2022 stieg der Spritpreis auf 1,860 Euro, obwohl Brent mit 100,93 Dollar unter dem Niveau von 2012 lag, als der Liter 1,589 Euro kostete. Dazwischen liegen zehn Jahre Wechselkurs, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer auf höhere Beträge.
Eine Warnung zur beliebten Milchmädchenrechnung. „Ein Barrel hat 159 Liter, also kostet das Rohöl im Liter X Cent" ist eine Kostenzurechnung, keine Mengenbilanz. Eine Raffinerie macht aus einem Barrel Rohöl nicht einen Barrel Benzin, sondern Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl, Bitumen und Petrochemie in einem Verbund. Wer den Literpreis so herleitet, rechnet eine Zahl aus, die es am Markt nicht gibt.
Was im Liter steckt, die Aufschlüsselung
Das Ölbulletin der EU-Kommission meldet für jedes Land zwei Preise: den Preis mit Steuern und den Preis ohne Steuern. Die Differenz ist der staatliche Anteil, und die ist damit keine Schätzung, sondern eine Meldung. In der Woche zum 14. September 2026 waren im Liter Super 95 117,9 Cent Steuern und Abgaben enthalten, also 50,0 Prozent. Beim Diesel waren es 102,0 Cent oder 42,0 Prozent.
Der Literpreis auseinandergenommen, Woche zum 14. September 2026
Angaben in Cent je Liter. Super 95 oben, Diesel unten.
Quelle: Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin, Preise mit und ohne Steuern. Die Mehrwertsteuer ist aus dem gesetzlichen Satz von 19 Prozent gerechnet, der Rest der Abgaben ergibt sich als Differenz.
| Bestandteil | Super 95 | Diesel |
|---|---|---|
| Produkt inklusive Transport, Lager, Marge | 117,80 ct | 140,65 ct |
| Übrige Steuern und Abgaben (Energiesteuer, CO₂-Preis, Bevorratung) | 80,27 ct | 63,22 ct |
| Mehrwertsteuer 19 Prozent | 37,63 ct | 38,73 ct |
| Steuern und Abgaben zusammen | 117,90 ct (50,0 %) | 101,95 ct (42,0 %) |
Die Zeile „übrige Steuern und Abgaben" enthält in Deutschland drei Posten: die Energiesteuer, den CO₂-Preis aus dem nationalen Emissionshandel und den Erdölbevorratungsbeitrag. Der Energiesteuersatz beträgt seit 2003 unverändert 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel. Der CO₂-Preis wurde 2026 erstmals versteigert; die erste Auktion am 1. Juli 2026 schloss nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle beim Höchstpreis von 65 Euro je Tonne, am oberen Rand des gesetzlichen Korridors. Der Bevorratungsbeitrag liegt im Bereich von 0,3 Cent.
Warum der Prozentsatz wandert. Die Energiesteuer ist ein fester Centbetrag, kein Prozentsatz. Steigt der Ölpreis, wächst der Literpreis, der Steuerbetrag bleibt gleich, und der prozentuale Steueranteil sinkt. Deshalb nannte der ADAC für Juli 2026 noch rund 57 Prozent beim Benzin und 47 Prozent beim Diesel, während die Rechnung für die Woche zum 14. September 2026 auf 50,0 und 42,0 Prozent kommt. Beide Zahlen stimmen, sie gehören zu verschiedenen Zeitpunkten und Preisniveaus.
Nicht alles davon ist Lenkungssteuer. Energiesteuer, CO₂-Preis und Bevorratungsbeitrag sind Abgaben auf den Kraftstoff selbst. Die Mehrwertsteuer dagegen ist die normale Umsatzsteuer, die auf jede Ware anfällt — sie liegt hier allerdings auch auf den anderen Abgaben, es wird also Steuer auf Steuer erhoben. Wer den staatlichen Anteil eng fasst und die Mehrwertsteuer herausrechnet, kommt auf einen deutlich kleineren Wert als die Hälfte.
Eine staatlich verursachte Kostenposition steckt im Produktpreis. Die Treibhausgasminderungsquote verpflichtet die Mineralölwirtschaft, die Emissionen ihres Kraftstoffabsatzes zu senken; 2026 steigt die Quote von 10,6 auf 12 Prozent. Die Kosten dafür landen im Produktpreis, nicht in einer Steuerzeile. Wie hoch sie je Liter sind, weist keine amtliche Stelle aus, deshalb nennen wir keine Zahl. Beim CO₂-Preis rechnet der Branchenverband en2x für 2026 mit bis zu 15,6 Cent je Liter Benzin und 17,4 Cent je Liter Diesel.
Das sogenannte Dieselprivileg. Die Energiesteuer auf Diesel liegt mit 47,04 Cent je Liter deutlich unter den 65,45 Cent auf Benzin. An der Zapfsäule ist Diesel dadurch steuerlich bessergestellt, über die Haltedauer eines Fahrzeugs gleicht die höhere Kfz-Steuer für Dieselfahrzeuge das je nach Fahrleistung ganz oder teilweise wieder aus.
Super 95 oder E10? Das Ölbulletin führt Eurosuper 95, also die Sorte mit bis zu fünf Prozent Ethanol. E10 ist in Deutschland etwas billiger: Am 17. September 2026 kostete der Liter E10 2,308 Euro, der Liter Diesel 2,471 Euro. Die staatlichen Bestandteile sind bei beiden Benzinsorten nahezu gleich, der Unterschied liegt im Produktpreis.
Was wir nicht wissen. Wie sich der Produktpreis auf Raffineriemarge und Tankstellenmarge verteilt, weist die Branche nicht getrennt aus, sondern nur als eine Bruttomarge. Jede Aufteilung, die man dazu liest, ist eine Schätzung. Wir machen keine.
Die 12-Uhr-Regel, das größte Missverständnis des Jahres
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihren Preis nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Senken dürfen sie jederzeit. Verstöße kosten bis zu 100.000 Euro Bußgeld. Die Regel ist zunächst befristet, nach einem Jahr wird sie ausgewertet. Vorbild ist Österreich.
Es ist kein Tankrabatt bis 12 Uhr. Diese Verwechslung hält sich hartnäckig. Es gibt keinen staatlichen Vormittagspreis. Es gibt nur ein Verbot, den Preis mehr als einmal täglich anzuheben.
Gewirkt hat die Regel messbar. Das Bundeskartellamt zählte in seinem Quartalsbericht zur Markttransparenzstelle für Kraftstoffe vom 10. Juli 2026, dass die Zahl der Preisänderungen von bis zu 50 auf rund 8 pro Tag gefallen ist. Um 12 Uhr springen die Preise im Mittel um rund 7,3 Prozent nach oben, bis 18 Uhr sind davon fast 80 Prozent wieder abgebaut. Der ADAC wertete im Mai 2026 über 14.000 Tankstellen aus: am günstigsten ist es kurz vor 12 Uhr, am teuersten direkt danach. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten Zeitpunkt eines durchschnittlichen Tages lagen bei Super E10 14,6 Cent je Liter, beim Diesel 18,4 Cent. Bei einer Tankfüllung von 50 Litern sind das 7,30 Euro Unterschied, je nachdem, wann man hält.
Vor und nach dem 1. April 2026.
Zwischen teuerstem und günstigstem Zeitpunkt eines durchschnittlichen Tages, Super E10. Diesel 18,4 Cent.
91,7 Prozent melden weniger Absatz nach 12 Uhr, 12,1 Prozent haben bereits Bußgeldbescheide erhalten.
Das Gewerbe hält von der Regel wenig. Die Tankstellenverbände ZTG und BTG berichten, dass das Shop-Geschäft nach 12 Uhr einbricht, und schlagen vor, den Stichtagswechsel auf Mitternacht zu legen. Der ADAC nennt die Regel „eher preistreibend". Ob sie während des Oktober-Rabatts unverändert gilt, ist derzeit nicht belegt.
Der Tankrabatt, und wie viel davon wirklich ankommt
Deutschland hat 2026 zweimal zum selben Mittel gegriffen. Der erste Tankrabatt lief vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026, senkte die Energiesteuer um 14,04 Cent und kostete den Bund nach dem Gesetzentwurf rund 1,6 Milliarden Euro. Am 1. Juli um 0 Uhr fiel er weg, seitdem gilt wieder der Regelsatz von 65,45 Cent je Liter Benzin und 47,04 Cent je Liter Diesel. Der zweite soll vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 gelten, wieder 14 Cent, mit Mehrwertsteuer rund 17 Cent an der Säule, Volumen 2,5 Milliarden Euro, hälftig Bund und Länder. Für spätestens den 1. Januar 2027 ist ein Spritpreisdeckel angekündigt.
Stand der Gesetzgebung am 22. September 2026: Bund und Länder haben sich am 18. September geeinigt, das Bundeskabinett hat den Entwurf am Wochenende darauf im Umlaufverfahren beschlossen. Bundestag und Bundesrat stehen noch aus; wegen der verkürzten Fristen ist dafür eine Zweidrittelmehrheit nötig. Der Starttermin 1. Oktober ist das Ziel, nicht die Zusage.
| Weitergabe des Rabatts von 16,7 Cent brutto | Super E5 | Super E10 | Diesel |
|---|---|---|---|
| ifo Institut, Mai 2026 | 16 ct | 15 ct | 12 ct |
| Bundeskartellamt, Mai und Juni 2026 | 77,8 % | — | 82,6 % |
Die beiden Auswertungen widersprechen sich beim Diesel deutlich, und keine der beiden ist deshalb falsch: Das ifo Institut misst den Monat Mai, das Bundeskartellamt Mai und Juni zusammen. Der Rabatt kam nach ifo-Angaben erst im Juni vollständig an der Säule an, deshalb fällt der Zweimonatswert höher aus. Einig sind sich beide darin, dass ein Teil hängen blieb: Das ifo Institut beziffert die Summe, die zunächst bei den Mineralölkonzernen verblieb, auf rund 1,6 Milliarden Euro, das Bundeskartellamt stellte eine Margenausweitung der Tankstellenstufe beim Diesel um 3,3 Cent fest. 2022 war das Bild ähnlich: Das ifo Institut sah früh 100 Prozent Weitergabe beim Diesel und 85 Prozent bei Super E5, das Bundeskartellamt sprach von „überwiegend" weitergegeben.
Unter Ökonomen ist die Maßnahme unbeliebt. Marcel Fratzscher nennt sie „teuer, sozial ungerecht, ökonomisch kontraproduktiv", Clemens Fuest plädiert für einkommensabhängige Direktzahlungen statt eines Rabatts für alle, Veronika Grimm nennt sie „zynisch". Der gemeinsame Kern der Kritik: Wer viel tankt, bekommt viel, und das ist nicht deckungsgleich mit dem, wer die Entlastung braucht.
Polen, Dänemark und die Nachbarn im Vergleich
Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld, aber das Mittelfeld ist weit auseinandergezogen. In der Woche zum 14. September 2026 kostete Super 95 in Deutschland 2,357 Euro. In Polen waren es 1,822 Euro.
Super 95 und Diesel im Nachbarschaftsvergleich
Euro je Liter, Woche zum 14. September 2026.
Quelle: Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin, Woche zum 14. September 2026.
| Land | Super 95 | Diesel | Steueranteil Benzin | Verbrauchsteuer Benzin |
|---|---|---|---|---|
| Dänemark | 2,564 € | 2,502 € | 48,0 % | 717 € |
| Niederlande | 2,434 € | 2,494 € | 52,2 % | 840 € |
| Deutschland | 2,357 € | 2,426 € | 50,0 % | 655 € |
| Österreich | 1,894 € | 2,197 € | 48,1 % | 463 € |
| Tschechien | 1,828 € | 1,991 € | 46,3 % | — |
| Polen | 1,822 € | 2,005 € | 41,7 % | 419 € |
| Luxemburg | 1,793 € | 2,123 € | 43,9 % | 526 € |
Verbrauchsteuer in Euro je 1.000 Liter, für Länder außerhalb des Euroraums mit dem Kurs des Bulletins umgerechnet. Der EU-Mindestsatz liegt bei 359 Euro je 1.000 Liter Benzin und 330 Euro bei Diesel. Für Deutschland führt das Bulletin noch 514,10 Euro, den Satz des Tankrabatts, der nur vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 galt. Eingetragen ist der seit 1. Juli wieder geltende Regelsatz von 654,50 Euro (Zoll).
Der Abstand zu Polen beträgt beim Benzin 53,5 Cent oder 22,7 Prozent. Drei Unterschiede liegen offen: Polen erhebt eine deutlich niedrigere Verbrauchsteuer, es gibt keinen nationalen CO₂-Preis, und der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) startet dort erst 2028 — Polen war Wortführer der Verschiebung. Die polnische Mehrwertsteuer liegt mit 23 Prozent dagegen über der deutschen.
Bemerkenswert ist die andere Richtung: Die Niederlande erheben die mit Abstand höchste Verbrauchsteuer der Vergleichsgruppe. Der deutsche Satz ist also kein europäischer Spitzenwert, sondern liegt zwischen Nordwesteuropa und Ostmitteleuropa. Luxemburg steht in der Tabelle, weil es für Pendler im Westen dieselbe Rolle spielt wie Polen im Osten.
Dänemark, teurer als Deutschland und trotzdem zufriedener
Dänemark ist der interessantere Vergleich, weil es die gängige Erzählung durchkreuzt. Der Liter Benzin kostet dort 2,564 Euro, also mehr als in Deutschland. Der Steueranteil liegt bei 48,0 Prozent, die Steuerquote gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei 45,2 Prozent gegenüber 38,0 in Deutschland und 36,6 in Polen. Auf ein neu zugelassenes Auto können bis zu 150 Prozent Zulassungssteuer anfallen.
elektrisch. Bei privaten Käufern sogar 97 Prozent.
Seit 2011 hat die Stadt über 3,3 Milliarden Kronen in Radinfrastruktur gesteckt.
Deutschland liegt auf Platz 17, Polen auf Platz 24.
Die naheliegende Deutung, hohe Spritpreise seien dort eben akzeptiert, hält 2026 allerdings nicht mehr. Auch in Dänemark gibt es eine Preiswut. Die Bürgerinitiative „Lavere afgifter" sammelte 50.000 Unterschriften für niedrigere Abgaben, das Folketing lehnte den Vorstoß Ende Juni mit 93 zu 11 Stimmen ab, im September schwenkte die Partei Venstre um. Der Automobilclub FDM rechnet vor, dass Benzin rund 4 und Diesel rund 6 Kronen über dem Vorkrisenniveau liegen.
Was der Vergleich trägt und was nicht. Dänemark zeigt, dass hohe Kraftstoffkosten mit hoher Lebenszufriedenheit und einem sehr schnellen Umstieg auf Elektroautos zusammen auftreten können. Er zeigt nicht, dass das eine das andere verursacht. Wer Dänemark als Beweis für eine These über Spritpreise anführt, führt eine Korrelation an.
Wer den Preis macht, Rotterdam und das Oligopol
Der Bezugspunkt für den deutschen Großhandel sind die Rotterdamer Produktnotierungen, nicht der Rohölpreis. Das Bundeskartellamt hat sich diesen Markt dreimal angesehen. Seine Sektoruntersuchung von 2011 stellte ein marktbeherrschendes Oligopol fest. Der Zwischenbericht 2022 fand keine Anhaltspunkte für verbotene Absprachen. Der Abschlussbericht vom 19. Februar 2025 benennt als Kernproblem die Preisnotierungen zweier großer Anbieter, die Transparenz über die gesamte Kette schaffen und damit das Risiko stillschweigender Koordination erhöhen.
Wichtig für die Einordnung: Ein Kartellverstoß wurde in keiner der drei Untersuchungen festgestellt. Das Problem, das die Behörde beschreibt, ist strukturell, nicht kriminell.
Das DIW untersuchte am 11. März 2026, an welcher Stelle der Kette die Preissteigerungen entstehen, und kam zu einem klaren Ergebnis: Sie beginnen bei den Raffinerien und im Großhandel. Die Margen der Tankstellen blieben im Untersuchungszeitraum stabil. Das ist ein Befund gegen die verbreitete Vermutung, der Pächter an der Ecke verdiene an jeder Krise mit.
Das heißt nicht, dass auf dem Weg zur Säule niemand mehr verdient als sonst. Es heißt, dass die Stelle, an der es passiert, nicht die Tankstelle ist, und dass die Branche die Aufteilung zwischen Raffinerie und Handel nicht veröffentlicht. Wo sich eine Margenausweitung amtlich messen ließ, steht sie in Kapitel 05: 3,3 Cent beim Diesel während des Rabatts im Mai und Juni.
Wo sich der Abstand zum Rohöl auftut. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt sieht den Ursprung auf der Stufe von Raffinerie und Großhandel. Am 19. März 2026 lag der Preisanstieg für Diesel im Großhandel rund 25 Cent je Liter über dem Anstieg des Rohölpreises, beim Benzin gab es diese Entkopplung nicht. Vom 1. bis 11. September stiegen die Raffinerie- und Großhandelspreise für Diesel um 11,4 Cent je Liter, der Rohölpreis um 6,5 Cent. Seit Mai 2026 laufen Verfahren der Behörde gegen Raffineriebetreiber zu ihrer Preisbildung. Ob ein Missbrauch vorliegt, ist nach Angaben des Amtes vom 14. September offen.
Der Abstand enthält auch Knappheit und Transportkosten und ist deshalb nicht mit Gewinn gleichzusetzen. Einen amtlichen Gesamtbetrag für krisenbedingte Mehrerlöse von Raffinerien und Großhandel gibt es nicht. Schätzungen privater Analysehäuser lassen sich an amtlichen Daten nicht nachprüfen, deshalb nennen wir keine Summe.
Auch innerhalb Deutschlands schwankt der Preis. Im zweiten Quartal 2026 lagen zwischen den Postleitzahlregionen bis zu 8 Cent je Liter, bei Super E5 von 2,00 bis 2,08 Euro, beim Diesel von 1,99 bis 2,07 Euro. In den ersten Wochen nach dem Militärschlag waren es bei Super E5 bis zu 19,3 Cent. Den Hauptgrund sieht das Bundeskartellamt in den Beschaffungskosten: Tankstellen beziehen meist aus der nächstgelegenen Raffinerie oder dem nächsten Tanklager, deren Preise und die Transportwege unterscheiden sich. Im zweiten Quartal kaufte der Süden häufig günstiger ein als Teile des Westens, Ostens und Nordens.
Die Rangfolge der Länder wechselt. Bei Niedrigwasser am Rhein war Super E10 nach einer ADAC-Auswertung vom 18. August 2026 in Hessen mit 2,164 Euro am teuersten und in Mecklenburg-Vorpommern mit 2,078 Euro am günstigsten, ein Abstand von 8,6 Cent. Beim Diesel lag Nordrhein-Westfalen mit 2,254 Euro vorn, Mecklenburg-Vorpommern mit 2,172 Euro hinten.
Die OPEC verliert Gewicht, aber nicht ihre Bedeutung
Die OPEC wurde am 14. September 1960 in Bagdad gegründet und hat ihr Sekretariat in Wien. Sie hat heute elf Mitglieder; die Vereinigten Arabischen Emirate sind zum 1. Mai 2026 ausgetreten. In den 1970er Jahren förderte das Kartell über 50 Prozent des Weltrohöls. 2025 waren es nach dem eigenen Jahrbuch 36,7 Prozent, nach EIA-Zahlen 35 Prozent, nach dem Austritt der Emirate rund 30 Prozent. Bei den Reserven liegt der Anteil unverändert bei rund 79,5 Prozent.
| Anteil an der Weltförderung | OPEC | OPEC+ |
|---|---|---|
| 1970er Jahre | über 50 % | — |
| 2022 | — | rund 59 % |
| 2025 | 36,7 % | rund 46 % |
| nach dem Austritt der VAE 2026 | rund 30 % | rund 41 % |
Für den Bedeutungsverlust sprechen das amerikanische Schieferöl, Brasilien und Guyana mit über 900.000 Barrel pro Tag, eine für Anfang 2026 prognostizierte Angebotsschwemme von 2,1 bis 4 Millionen Barrel pro Tag, auf die OPEC+ nur mit einer „Pause" reagierte, und Quotenüberschreitungen einzelner Mitglieder, die im Mai 2025 ausdrücklich kompensiert werden mussten.
Dagegen spricht, dass die effektive freie Förderkapazität der OPEC+ im Juli 2026 nach IEA-Zahlen nur noch bei 0,17 Millionen Barrel pro Tag lag, im September bei 0,22 Millionen. Wo niemand schnell einspringen kann, hat jeder verbliebene Produzent mehr Gewicht, nicht weniger. Und OPEC+ hat als Verbund seit Ende 2016 den Schieferboom, die Pandemie und den Ukrainekrieg überstanden. 2026 ist ohnehin nicht die Quotenpolitik der dominierende Preistreiber, sondern die Einschränkung des Verkehrs durch die Straße von Hormus.
Was der Staat einnimmt
Die Energiesteuer auf Kraftstoffe brachte dem Bund 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 33,3 Milliarden Euro ein, davon 15,5 Milliarden aus Benzin und 17,8 Milliarden aus Diesel. Die Mehrwertsteuer auf den Kraftstoffumsatz kommt obendrauf und ist in dieser Zahl nicht enthalten.
Wofür das Geld ausgegeben wird. Die Energiesteuer ist an keinen Zweck gebunden. Im Haushaltsrecht gilt der Grundsatz der Gesamtdeckung: „Alle Einnahmen dienen als Deckungsmittel für alle Ausgaben" (§ 7 Haushaltsgrundsätzegesetz, gleichlautend § 8 Bundeshaushaltsordnung). Die 33,3 Milliarden Euro fließen deshalb in den allgemeinen Bundeshaushalt. Wer sie mit den Ausgaben für Straßen verrechnet, stellt zwei Haushaltsposten nebeneinander; eine rechtliche Verbindung zwischen beiden gibt es nicht.
Wärme und Verkehr zusammen. Welcher Anteil auf den Verkehr entfällt, wird nicht getrennt ausgewiesen.
Zum Vergleich: Der geplante Oktober-Rabatt kostet 2,5 Milliarden Euro für drei Monate. Gemessen an den 33,3 Milliarden Euro Jahreseinnahme aus der Energiesteuer gibt der Staat damit für ein Vierteljahr einen mittleren einstelligen Prozentanteil seiner Kraftstoffeinnahmen zurück.
Ehrliche Bilanz
Der hohe Preis von 2026 hat eine äußere Ursache, die kein deutsches Gesetz beeinflusst: den Ausfall am Persischen Golf. Darauf liegt ein deutscher Aufschlag, der politisch gemacht ist und über die Hälfte des Benzinliters ausmacht. Beides zugleich stimmt, und beide Seiten der Debatte lassen gern eine Hälfte weg.
Drei Beobachtungen bleiben:
- Die Instrumente wirken schwächer als erhofft. Die 12-Uhr-Regel hat den Preiszickzack beruhigt, aber nicht das Niveau gesenkt; der Mai-Rabatt kam nicht vollständig an; ein Spritpreisdeckel ist angekündigt, aber noch nicht ausgestaltet.
- Der Abstand zu Polen ist real und dauerhaft. Er hat mit Steuersätzen, dem fehlenden nationalen CO₂-Preis und dem späteren ETS-2-Start zu tun. Er verschwindet nicht durch einen befristeten Rabatt.
- Dänemark zeigt einen zweiten Weg, aber keinen bequemen. Teurer Sprit und ein sehr schneller Umstieg auf Elektroautos treten dort gemeinsam auf. Auch dort wächst 2026 der Unmut über die Abgaben.
Wer 2026 entlastet werden will, hat im Wesentlichen zwei Hebel: weniger tanken oder anders fahren. Beides ist in der Stadt leichter als auf dem Land. Was an dieser Stelle technisch dazukommt, steht auf unseren Seiten zum autonomen Fahren und zur Autoindustrie.
Häufige Fragen zu den Spritpreisen
Wie viel Steuer steckt im Liter Benzin?
In der Woche zum 14. September 2026 waren im Liter Super 95 bei einem Preis von 2,357 Euro rund 117,9 Cent Steuern und Abgaben enthalten, also 50,0 Prozent. Beim Diesel waren es bei 2,426 Euro rund 102,0 Cent oder 42,0 Prozent. Die größten Posten sind die Energiesteuer mit 65,45 Cent beim Benzin und 47,04 Cent beim Diesel, die Mehrwertsteuer von 19 Prozent und der CO₂-Preis aus dem nationalen Emissionshandel. Die Zahlen stammen aus dem wöchentlichen Ölbulletin der EU-Kommission.
Ist die 12-Uhr-Regel ein Tankrabatt bis 12 Uhr?
Nein. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Senken dürfen sie ihn jederzeit. Es gibt keinen staatlich verordneten günstigeren Vormittagspreis. In der Praxis ist es kurz vor 12 Uhr am günstigsten und direkt danach am teuersten: Der ADAC maß im Mai 2026 an über 14.000 Tankstellen zwischen dem teuersten und dem günstigsten Zeitpunkt eines durchschnittlichen Tages 14,6 Cent je Liter Super E10 und 18,4 Cent beim Diesel.
Warum ist Benzin in Polen so viel billiger?
In der Woche zum 14. September 2026 kostete Super 95 in Polen 1,822 Euro und in Deutschland 2,357 Euro, ein Abstand von 53,5 Cent oder 22,7 Prozent. Drei Unterschiede sind belegt: Polen erhebt eine deutlich niedrigere Verbrauchsteuer, es gibt keinen nationalen CO₂-Preis, und der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr startet dort erst 2028. Die polnische Mehrwertsteuer liegt mit 23 Prozent dagegen über der deutschen.
Wie viel vom Tankrabatt kommt beim Autofahrer an?
Der Rabatt war 14,04 Cent Energiesteuer, mit Mehrwertsteuer rund 16,7 Cent an der Säule. Das ifo Institut maß für den Mai 2026 eine Weitergabe von 16 Cent bei Super E5, 15 Cent bei Super E10 und 12 Cent beim Diesel; rund 1,6 Milliarden Euro verblieben zunächst bei den Mineralölkonzernen. Das Bundeskartellamt kam für Mai und Juni zusammen auf 82,6 Prozent beim Diesel und 77,8 Prozent bei Super E5, weil der Rabatt erst im Juni vollständig ankam. Die Tankstellenstufe weitete ihre Marge beim Diesel um 3,3 Cent aus.
Warum steigt der Spritpreis 2026 so stark?
Nach dem Militärschlag vom 28. Februar 2026 und dem Einbruch des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus stieg Brent von 61 US-Dollar je Barrel zu Jahresbeginn auf 118 Dollar am Ende des ersten Quartals, nach EIA-Angaben inflationsbereinigt der größte Quartalsanstieg im seit 1988 verfügbaren Datenbestand. Das Weltölangebot brach im März nach Weltbank-Zahlen um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein, und die effektive freie Förderkapazität der OPEC+ lag im Juli 2026 nur noch bei 0,17 Millionen Barrel pro Tag. Gesperrt ist die Straße von Hormus nicht, aber die Ölausfuhren der Golfstaaten lagen im August bei etwa der Hälfte des Vorkriegsniveaus. Dazu kommt, dass Öl in Dollar gehandelt und in Euro getankt wird.
Verdienen die Tankstellen an der Krise mit?
Nach einer Untersuchung des DIW vom 11. März 2026 entstehen die Preissteigerungen bei den Raffinerien und im Großhandel, während die Margen der Tankstellen stabil blieben. Das Bundeskartellamt stellte allerdings für den Rabattzeitraum Mai und Juni 2026 eine Margenausweitung von 3,3 Cent beim Diesel auf der Tankstellenstufe fest. Einen Kartellverstoß hat die Behörde in ihren Untersuchungen von 2011, 2022 und 2025 nie festgestellt.
Wie mächtig ist die OPEC heute noch?
Deutlich weniger mächtig als in den 1970er Jahren, als sie über 50 Prozent des Weltrohöls förderte. 2025 waren es 36,7 Prozent nach dem eigenen Jahrbuch, und nach dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate zum 1. Mai 2026 rund 30 Prozent. OPEC+ kommt auf rund 41 Prozent. Bei den Reserven liegt der Anteil dagegen weiter bei rund 79,5 Prozent. 2026 ist ohnehin die Blockade der Straße von Hormus der dominierende Preistreiber, nicht die Quotenpolitik.
Quellen
- Europäische Kommission: Weekly Oil Bulletin, Preisreihe ab 2005 mit Preisen mit und ohne Steuern, Mehrwertsteuer- und Verbrauchsteuersätzen, Woche zum 14. September 2026, energy.ec.europa.eu
- US Energy Information Administration: Europe Brent Spot Price, Jahreswerte, und Today in Energy zum ersten Quartal 2026
- ADAC: Kraftstoffpreisentwicklung und Auswertung von über 14.000 Tankstellen, 11. Juni 2026
- Europäische Kommission: Weekly Oil Bulletin, Woche zum 14. September 2026, energy.ec.europa.eu
- Deutsche Bundesbank und EZB: Euro-Referenzkurse, bundesbank.de
- Bundeskartellamt: Sektoruntersuchung Kraftstoffe, Zwischenbericht 2022 und Abschlussbericht vom 19. Februar 2025, sowie MTS-K-Quartalsbericht vom 10. Juli 2026, bundeskartellamt.de
- Bundeskartellamt, Markttransparenzstelle für Kraftstoffe: Kraftstoff-News vom 27. März 2026 (Entkopplung Diesel, regionale Unterschiede) und 10. Juli 2026 (regionale Unterschiede, Ende der Steuersenkung), Pressemitteilung Kraftstoffpreise im September, 14. September 2026
- Generalzolldirektion: Vorübergehende Senkung der Energiesteuer zum 1. Mai 2026 und Steuerhöhe, abgerufen am 23. September 2026
- ADAC: Niedrigwasser am Rhein treibt Spritpreise im Westen, 18. August 2026
- Haushaltsgrundsätzegesetz § 7 und Bundeshaushaltsordnung § 8, Grundsatz der Gesamtdeckung, gesetze-im-internet.de
- Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt): nationaler Emissionshandel, erste Auktion am 1. Juli 2026 zum Höchstpreis von 65 Euro je Tonne, dehst.de
- Statistisches Bundesamt: Energiesteuereinnahmen 2025, destatis.de
- DIW Berlin: Untersuchung zur Preisentstehung entlang der Kraftstoffkette vom 11. März 2026, diw.de
- ifo Institut: Tankrabatt-Tracker, Pressemitteilung vom 8. Juni 2026 und ifo Schnelldienst digital 2026 Nr. 6, ifo.de
- Bundesregierung: Entlastung bei den Spritpreisen, Bund-Länder-Einigung vom 18. September 2026, bundesregierung.de; erster Tankrabatt: Bundestag, 24. April 2026
- en2x, Wirtschaftsverband Fuels und Energie: Mehrkosten für den Klimaschutz 2026, en2x.de
- Bundesverband Freier Tankstellen (bft): Mitgliederumfrage vom 14. August 2026, 132 Unternehmen mit mindestens 866 Stationen, bft.de
- OPEC: Annual Statistical Bulletin 2026, opec.org
- Internationale Energieagentur: Oil Market Report Juli 2026 und September 2026, effektive freie Förderkapazität der OPEC+ und Lage an der Straße von Hormus
- Weltbank: Datenblog vom 7. Mai 2026 zum Angebotsausfall im März 2026, gestützt auf den Commodity Markets Outlook April 2026, blogs.worldbank.org
- FDM, dänischer Automobilclub, und Folketing: Bürgerinitiative „Lavere afgifter", Abstimmung Ende Juni 2026, fdm.dk
- World Happiness Report 2026, worldhappiness.report
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