Spritpreise Deutschland 2026, Steuern, Rohöl und der Vergleich mit Polen und Dänemark
Der Preis an der Zapfsäule ist die Zahl, die in Deutschland jeder kennt und fast niemand erklären kann. 2026 steht sie so hoch wie nie: 2,308 Euro für den Liter Super E10 und 2,471 Euro für Diesel am 17. September. Der Ölmarkt erklärt davon einen Teil, die Wechselkurse einen weiteren, und der größte einzelne Posten ist eine Steuer, deren Satz sich seit 2003 nicht verändert hat.
Warum 2026 alles teurer wurde, der Schock am Persischen Golf
2026 ist kein normales Spritjahr. Nach dem Militärschlag vom 28. Februar 2026 und der faktischen Schließung der Straße von Hormus sprang der Preis für ein Barrel Brent im ersten Quartal von 61 auf 118 US-Dollar. Die US-Energiebehörde EIA verzeichnet damit den größten Quartalsanstieg seit 1988. Im März brach das Weltangebot nach Zahlen der Weltbank um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein.
Pro Barrel. Größter Quartalsanstieg seit 1988.
Barrel pro Tag weniger als zuvor. Der Ausfall trifft einen Markt, der kaum freie Kapazität hat.
Barrel pro Tag, die weltweit kurzfristig zusätzlich gefördert werden könnten (IEA, Juli 2026). Ein Puffer, der praktisch keiner mehr ist.
Der Wechselkurs rechnet mit. Öl wird in Dollar gehandelt, getankt wird in Euro. 2022 kam rund ein Drittel des deutschen Preissprungs nicht vom Ölmarkt, sondern vom schwachen Euro, der im Jahresmittel bei 1,05 Dollar stand. Wer nur auf den Barrelpreis schaut, sieht die halbe Rechnung.
Rohöl gegen Zapfsäule, zwanzig Jahre nebeneinander
Die häufigste Vermutung beim Tanken lautet: Der Ölpreis steigt, also steigt der Spritpreis im gleichen Maß. Die beiden Kurven laufen tatsächlich zusammen, aber sie laufen nicht gleich weit. Der Grund steht im nächsten Kapitel: Ein großer Teil des Literpreises ist ein fester Betrag in Cent und bewegt sich überhaupt nicht mit dem Öl.
Brent-Rohöl und Super E10 im Jahresdurchschnitt, 2006 bis 2026
Linke Achse: Brent in US-Dollar je Barrel (Balken). Rechte Achse: Super E10 in Euro je Liter an deutschen Tankstellen (Linie).
Quellen: EIA (Brent), ADAC Kraftstoffpreisentwicklung (E10). 2026 sind Zwischenstände, keine Jahreswerte: Brent ist das Mittel Januar bis August, der E10-Wert ist der ADAC-Stand vom 1. September 2026.
Zwei Stellen in der Reihe lohnen den zweiten Blick. 2020 fiel Brent auf 41,96 Dollar, der E10-Preis aber nur auf 1,255 Euro, er kam also nie in die Nähe der Ölbewegung. Und 2022 stieg der Spritpreis auf 1,860 Euro, obwohl Brent mit 100,93 Dollar unter dem Niveau von 2012 lag, als der Liter 1,589 Euro kostete. Dazwischen liegen zehn Jahre Wechselkurs, CO₂-Preis und Mehrwertsteuer auf höhere Beträge.
Eine Warnung zur beliebten Milchmädchenrechnung. „Ein Barrel hat 159 Liter, also kostet das Rohöl im Liter X Cent" ist eine Kostenzurechnung, keine Mengenbilanz. Eine Raffinerie macht aus einem Barrel Rohöl nicht einen Barrel Benzin, sondern Benzin, Diesel, Kerosin, Heizöl, Bitumen und Petrochemie in einem Verbund. Wer den Literpreis so herleitet, rechnet eine Zahl aus, die es am Markt nicht gibt.
Was im Liter steckt, die Aufschlüsselung zum Stichtag
Am 17. September 2026 kostete der Liter Super E10 an deutschen Tankstellen 2,308 Euro, der Liter Diesel 2,471 Euro. Die staatlichen Bestandteile darin sind keine Schätzung, sondern feste Sätze: Energiesteuer, CO₂-Preis aus dem nationalen Emissionshandel, Erdölbevorratungsbeitrag und 19 Prozent Mehrwertsteuer auf alles zusammen. Was danach übrig bleibt, ist das Produkt selbst samt Transport, Lagerung und Marge.
Der Literpreis auseinandergenommen, 17. September 2026
Angaben in Cent je Liter. Super E10 links, Diesel rechts.
Gesetzliche Sätze nach Energiesteuergesetz, Brennstoffemissionshandelsgesetz und Erdölbevorratungsgesetz, angewendet auf den Zapfsäulenpreis vom 17. September 2026. Die vollständige Weitergabe des CO₂-Preises an die Zapfsäule ist dabei eine Modellannahme.
| Bestandteil | Super E10 | Diesel |
|---|---|---|
| Produkt inklusive Transport, Lager, Marge | 112,82 ct | 143,08 ct |
| CO₂-Preis, nationaler Emissionshandel (65 €/t) | 15,41 ct | 17,23 ct |
| Energiesteuer | 65,45 ct | 47,04 ct |
| Erdölbevorratungsbeitrag | 0,27 ct | 0,30 ct |
| Mehrwertsteuer 19 Prozent | 36,85 ct | 39,45 ct |
| Steuern und Abgaben zusammen | 117,98 ct (51,1 %) | 104,02 ct (42,1 %) |
Zwei Punkte daran sind erklärungsbedürftig. Erstens: Die Energiesteuer ist seit 2003 unverändert. Sie ist ein fester Centbetrag, kein Prozentsatz. Steigt der Ölpreis, wächst der Literpreis, der Steuerbetrag bleibt gleich, und der prozentuale Steueranteil sinkt. Genau deshalb nannte der ADAC für Juli 2026 noch rund 57 Prozent beim Benzin und 47 Prozent beim Diesel, während die Rechnung für den 17. September auf 51,1 und 42,1 Prozent kommt. Beide Zahlen stimmen, sie gehören zu verschiedenen Stichtagen und verschiedenen Preisniveaus.
Zweitens: Der CO₂-Preis wurde 2026 erstmals versteigert. Bis 2025 galt im nationalen Emissionshandel ein Festpreis. Die erste Auktion am 1. Juli 2026 schloss nach Angaben der Deutschen Emissionshandelsstelle beim Höchstpreis von 65 Euro je Tonne, also am oberen Rand des gesetzlichen Preiskorridors. Mehr dazu auf unserer Themenseite zur fossilen Energie.
Was wir nicht wissen. Wie sich die 112,82 Cent beim Benzin auf Raffineriemarge und Tankstellenmarge verteilen, weist die Branche nicht getrennt aus, sondern nur als eine Bruttomarge. Jede Aufteilung, die man dazu liest, ist eine Schätzung. Wir machen keine.
Die 12-Uhr-Regel, das größte Missverständnis des Jahres
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihren Preis nur noch einmal am Tag erhöhen, und zwar um 12 Uhr. Senken dürfen sie jederzeit. Verstöße kosten bis zu 100.000 Euro Bußgeld. Die Regel ist zunächst befristet, nach einem Jahr wird sie ausgewertet. Vorbild ist Österreich.
Es ist kein Tankrabatt bis 12 Uhr. Diese Verwechslung hält sich hartnäckig. Es gibt keinen staatlichen Vormittagspreis. Es gibt nur ein Verbot, den Preis mehr als einmal täglich anzuheben.
Gewirkt hat die Regel messbar. Das Bundeskartellamt zählte in seinem Quartalsbericht zur Markttransparenzstelle für Kraftstoffe vom 10. Juli 2026, dass die Zahl der Preisänderungen von bis zu 50 auf rund 8 pro Tag gefallen ist. Um 12 Uhr springen die Preise im Mittel um rund 7,3 Prozent nach oben, bis 18 Uhr sind davon fast 80 Prozent wieder abgebaut. Der ADAC wertete im Mai 2026 über 14.000 Tankstellen aus: am günstigsten ist es kurz vor 12 Uhr, am teuersten direkt danach, wo E10 im Schnitt 14,6 Cent über dem Tagesmittel liegt.
Vor und nach dem 1. April 2026.
E10 direkt nach 12 Uhr, gegenüber dem Tagesmittel. Günstigster Moment: kurz davor.
91,7 Prozent melden weniger Absatz nach 12 Uhr, 12,1 Prozent haben bereits Bußgeldbescheide erhalten.
Das Gewerbe hält von der Regel wenig. Die Tankstellenverbände ZTG und BTG berichten, dass das Shop-Geschäft nach 12 Uhr einbricht, und schlagen vor, den Stichtagswechsel auf Mitternacht zu legen. Der ADAC nennt die Regel „eher preistreibend". Ob sie während des Oktober-Rabatts unverändert gilt, ist derzeit nicht belegt.
Der Tankrabatt, und wie viel davon wirklich ankommt
Deutschland hat 2026 zweimal zum selben Mittel gegriffen. Der erste Tankrabatt lief vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026 und senkte die Energiesteuer um 14,04 Cent. Der zweite ist für den 1. Oktober bis 31. Dezember 2026 beschlossen, wieder rund 14 Cent, mit Mehrwertsteuer rund 17 Cent an der Säule. Er kostet 2,5 Milliarden Euro, die Bund und Länder sich hälftig teilen. Für spätestens den 1. Januar 2027 ist ein Spritpreisdeckel angekündigt.
| Weitergabe des Rabatts Mai/Juni 2026 | Diesel | Benzin |
|---|---|---|
| Bundeskartellamt | 82,6 % | 77,8 % (Super E5) |
| ifo Institut | rund 73 % | rund 99 % (E10) |
Die beiden Auswertungen widersprechen sich beim Diesel deutlich, und keine der beiden ist deshalb falsch: Sie messen verschiedene Kraftstoffsorten über verschiedene Zeiträume. Einig sind sie sich darin, dass ein Teil hängen blieb. Das Bundeskartellamt stellte fest, dass die Tankstellenstufe ihre Marge beim Diesel um 3,3 Cent ausweitete. 2022 war das Bild ähnlich: Das ifo Institut sah früh 100 Prozent Weitergabe beim Diesel und 85 Prozent bei Super E5, das Bundeskartellamt sprach von „überwiegend" weitergegeben.
Unter Ökonomen ist die Maßnahme unbeliebt. Marcel Fratzscher nennt sie „teuer, sozial ungerecht, ökonomisch kontraproduktiv", Clemens Fuest plädiert für einkommensabhängige Direktzahlungen statt eines Rabatts für alle, Veronika Grimm nennt sie „zynisch". Der gemeinsame Kern der Kritik: Wer viel tankt, bekommt viel, und das ist nicht deckungsgleich mit dem, wer die Entlastung braucht.
Polen, Dänemark und die Nachbarn im Vergleich
Deutschland liegt im europäischen Mittelfeld, aber das Mittelfeld ist weit auseinandergezogen. In der Woche zum 14. September 2026 kostete Super 95 laut dem wöchentlichen Ölbulletin der EU-Kommission in Deutschland 2,357 Euro. In Polen, 80 Kilometer von Michaels Wohnort entfernt, waren es 1,822 Euro.
Super 95 und Diesel im Nachbarschaftsvergleich
Euro je Liter, Woche zum 14. September 2026.
Quelle: Europäische Kommission, Weekly Oil Bulletin, Woche zum 14. September 2026.
| Land | Benzin | Diesel | Energiesteuer Benzin |
|---|---|---|---|
| Dänemark | 2,564 € | 2,502 € | 362 € + CO₂-Abgabe |
| Niederlande | 2,434 € | 2,494 € | 845 € |
| Deutschland | 2,357 € | 2,426 € | 655 € |
| Österreich | 1,894 € | 2,197 € | 482 € |
| Tschechien | 1,828 € | 1,991 € | 529 € |
| Polen | 1,822 € | 2,005 € | 423 € |
| EU-Mindestsatz | — | — | 359 € (Diesel 330 €) |
Energiesteuer in Euro je 1.000 Liter. Dänemark erhebt zusätzlich eine eigene CO₂-Abgabe von 206,3 Øre je Liter.
Der Abstand zu Polen beträgt beim Benzin 53,7 Cent oder 22,8 Prozent. Drei Unterschiede liegen offen: Polen erhebt eine Energiesteuer von 423 statt 655 Euro je 1.000 Liter, es gibt keinen nationalen CO₂-Preis, und der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr (ETS 2) startet dort erst 2028 — Polen war Wortführer der Verschiebung. Die polnische Mehrwertsteuer liegt mit 23 Prozent dagegen über der deutschen.
Bemerkenswert ist die andere Richtung: Die Niederlande erheben mit 845 Euro je 1.000 Liter die mit Abstand höchste Energiesteuer der Vergleichsgruppe, mehr als doppelt so viel wie Polen. Die deutschen 655 Euro sind also kein europäischer Spitzenwert, sondern liegen zwischen Nordwesteuropa und Ostmitteleuropa.
Dänemark, teurer als Deutschland und trotzdem zufriedener
Dänemark ist der interessantere Vergleich, weil es die gängige Erzählung durchkreuzt. Der Liter Benzin kostet dort 2,564 Euro, also mehr als in Deutschland. Der Steueranteil liegt bei 49,7 Prozent, die Steuerquote gemessen am Bruttoinlandsprodukt bei 45,2 Prozent gegenüber 38,0 in Deutschland und 36,6 in Polen. Auf ein neu zugelassenes Auto können bis zu 150 Prozent Zulassungssteuer anfallen.
elektrisch. Bei privaten Käufern sogar 97 Prozent.
Seit 2011 hat die Stadt über 3,3 Milliarden Kronen in Radinfrastruktur gesteckt.
Deutschland liegt auf Platz 17, Polen auf Platz 24.
Die naheliegende Deutung, hohe Spritpreise seien dort eben akzeptiert, hält 2026 allerdings nicht mehr. Auch in Dänemark gibt es eine Preiswut. Die Bürgerinitiative „Lavere afgifter" sammelte 50.000 Unterschriften für niedrigere Abgaben, das Folketing lehnte den Vorstoß Ende Juni mit 93 zu 11 Stimmen ab, im September schwenkte die Partei Venstre um. Der Automobilclub FDM rechnet vor, dass Benzin rund 4 und Diesel rund 6 Kronen über dem Vorkrisenniveau liegen.
Was der Vergleich trägt und was nicht. Dänemark zeigt, dass hohe Kraftstoffkosten mit hoher Lebenszufriedenheit und einem sehr schnellen Umstieg auf Elektroautos zusammen auftreten können. Er zeigt nicht, dass das eine das andere verursacht. Wer Dänemark als Beweis für eine These über Spritpreise anführt, führt eine Korrelation an.
Wer den Preis macht, Rotterdam und das Oligopol
Der Bezugspunkt für den deutschen Großhandel sind die Rotterdamer Produktnotierungen, nicht der Rohölpreis. Das Bundeskartellamt hat sich diesen Markt dreimal angesehen. Seine Sektoruntersuchung von 2011 stellte ein marktbeherrschendes Oligopol fest. Der Zwischenbericht 2022 fand keine Anhaltspunkte für verbotene Absprachen. Der Abschlussbericht vom 19. Februar 2025 benennt als Kernproblem die Preisnotierungen zweier großer Anbieter, die Transparenz über die gesamte Kette schaffen und damit das Risiko stillschweigender Koordination erhöhen.
Wichtig für die Einordnung: Ein Kartellverstoß wurde in keiner der drei Untersuchungen festgestellt. Das Problem, das die Behörde beschreibt, ist strukturell, nicht kriminell.
Das DIW untersuchte am 11. März 2026, an welcher Stelle der Kette die Preissteigerungen entstehen, und kam zu einem klaren Ergebnis: Sie beginnen bei den Raffinerien und im Großhandel. Die Margen der Tankstellen blieben im Untersuchungszeitraum stabil. Das ist ein Befund gegen die verbreitete Vermutung, der Pächter an der Ecke verdiene an jeder Krise mit.
Die OPEC verliert Gewicht, aber nicht ihre Bedeutung
Die OPEC wurde am 14. September 1960 in Bagdad gegründet und hat ihr Sekretariat in Wien. Sie hat heute elf Mitglieder; die Vereinigten Arabischen Emirate sind zum 1. Mai 2026 ausgetreten. In den 1970er Jahren förderte das Kartell über 50 Prozent des Weltrohöls. 2025 waren es nach dem eigenen Jahrbuch 36,7 Prozent, nach EIA-Zahlen 35 Prozent, nach dem Austritt der Emirate rund 30 Prozent. Bei den Reserven liegt der Anteil unverändert bei rund 79,5 Prozent.
| Anteil an der Weltförderung | OPEC | OPEC+ |
|---|---|---|
| 1970er Jahre | über 50 % | — |
| 2022 | — | rund 59 % |
| 2025 | 36,7 % | rund 46 % |
| nach dem Austritt der VAE 2026 | rund 30 % | rund 41 % |
Für den Bedeutungsverlust sprechen das amerikanische Schieferöl, Brasilien und Guyana mit über 900.000 Barrel pro Tag, eine für Anfang 2026 prognostizierte Angebotsschwemme von 2,1 bis 4 Millionen Barrel pro Tag, auf die OPEC+ nur mit einer „Pause" reagierte, und Quotenüberschreitungen einzelner Mitglieder, die im Mai 2025 ausdrücklich kompensiert werden mussten.
Dagegen spricht, dass die freie Förderkapazität weltweit im Juli 2026 nach IEA-Zahlen nur noch bei 0,17 Millionen Barrel pro Tag lag. Wo niemand schnell einspringen kann, hat jeder verbliebene Produzent mehr Gewicht, nicht weniger. Und OPEC+ hat als Verbund seit Ende 2016 den Schieferboom, die Pandemie und den Ukrainekrieg überstanden. 2026 ist ohnehin nicht die Quotenpolitik der dominierende Preistreiber, sondern die Blockade der Straße von Hormus.
Was der Staat einnimmt
Die Energiesteuer auf Kraftstoffe brachte dem Bund 2025 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 33,3 Milliarden Euro ein, davon 15,5 Milliarden aus Benzin und 17,8 Milliarden aus Diesel. Die Mehrwertsteuer auf den Kraftstoffumsatz kommt obendrauf und ist in dieser Zahl nicht enthalten.
Wärme und Verkehr zusammen. Welcher Anteil auf den Verkehr entfällt, wird nicht getrennt ausgewiesen.
Zum Vergleich: Der beschlossene Oktober-Rabatt kostet 2,5 Milliarden Euro für drei Monate. Gemessen an den 33,3 Milliarden Euro Jahreseinnahme aus der Energiesteuer gibt der Staat damit für ein Vierteljahr einen mittleren einstelligen Prozentanteil seiner Kraftstoffeinnahmen zurück.
Ehrliche Bilanz
Der hohe Preis von 2026 hat eine äußere Ursache, die kein deutsches Gesetz beeinflusst: den Ausfall am Persischen Golf. Darauf liegt ein deutscher Aufschlag, der politisch gemacht ist und über die Hälfte des Benzinliters ausmacht. Beides zugleich stimmt, und beide Seiten der Debatte lassen gern eine Hälfte weg.
Drei Beobachtungen bleiben:
- Die Instrumente wirken schwächer als erhofft. Die 12-Uhr-Regel hat den Preiszickzack beruhigt, aber nicht das Niveau gesenkt; der Mai-Rabatt kam nicht vollständig an; ein Spritpreisdeckel ist angekündigt, aber noch nicht ausgestaltet.
- Der Abstand zu Polen ist real und dauerhaft. Er hat mit Steuersätzen, dem fehlenden nationalen CO₂-Preis und dem späteren ETS-2-Start zu tun. Er verschwindet nicht durch einen befristeten Rabatt.
- Dänemark zeigt einen zweiten Weg, aber keinen bequemen. Teurer Sprit und ein sehr schneller Umstieg auf Elektroautos treten dort gemeinsam auf. Auch dort wächst 2026 der Unmut über die Abgaben.
Wer 2026 entlastet werden will, hat im Wesentlichen zwei Hebel: weniger tanken oder anders fahren. Beides ist in der Stadt leichter als auf dem Land. Was an dieser Stelle technisch dazukommt, steht auf unseren Seiten zum autonomen Fahren und zur Autoindustrie.
Häufige Fragen zu den Spritpreisen
Wie viel Steuer steckt im Liter Benzin?
Am 17. September 2026 waren im Liter Super E10 bei einem Preis von 2,308 Euro rund 117,98 Cent Steuern und Abgaben enthalten, also 51,1 Prozent. Beim Diesel waren es bei 2,471 Euro rund 104,02 Cent oder 42,1 Prozent. Die größten Posten sind die Energiesteuer (65,45 Cent beim Benzin, 47,04 Cent beim Diesel), die Mehrwertsteuer von 19 Prozent und der CO₂-Preis aus dem nationalen Emissionshandel.
Ist die 12-Uhr-Regel ein Tankrabatt bis 12 Uhr?
Nein. Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen den Preis nur noch einmal täglich um 12 Uhr erhöhen. Senken dürfen sie ihn jederzeit. Es gibt keinen staatlich verordneten günstigeren Vormittagspreis. In der Praxis ist es kurz vor 12 Uhr am günstigsten und direkt danach am teuersten: Der ADAC maß im Mai 2026 an über 14.000 Tankstellen 14,6 Cent über dem Tagesmittel unmittelbar nach dem Preissprung.
Warum ist Benzin in Polen so viel billiger?
In der Woche zum 14. September 2026 kostete Super 95 in Polen 1,822 Euro und in Deutschland 2,357 Euro, ein Abstand von 53,7 Cent oder 22,8 Prozent. Drei Unterschiede sind belegt: Polen erhebt eine Energiesteuer von 423 Euro je 1.000 Liter statt 655 Euro in Deutschland, es gibt keinen nationalen CO₂-Preis, und der EU-Emissionshandel für Gebäude und Verkehr startet dort erst 2028. Die polnische Mehrwertsteuer liegt mit 23 Prozent dagegen über der deutschen.
Wie viel vom Tankrabatt kommt beim Autofahrer an?
Für den Rabatt von Mai und Juni 2026 ermittelte das Bundeskartellamt eine Weitergabe von 82,6 Prozent beim Diesel und 77,8 Prozent bei Super E5. Das ifo Institut kam auf rund 99 Prozent bei E10 und rund 73 Prozent beim Diesel. Die Zahlen unterscheiden sich, weil verschiedene Sorten und Zeiträume betrachtet wurden. Einig sind sich beide, dass ein Teil nicht ankam: Die Tankstellenstufe weitete ihre Marge beim Diesel um 3,3 Cent aus.
Warum steigt der Spritpreis 2026 so stark?
Nach dem Militärschlag vom 28. Februar 2026 und der faktischen Schließung der Straße von Hormus stieg Brent im ersten Quartal von 61 auf 118 US-Dollar je Barrel, nach EIA-Angaben der größte Quartalsanstieg seit 1988. Das Weltangebot brach im März nach Weltbank-Zahlen um 10,1 Millionen Barrel pro Tag ein, und die weltweit freie Förderkapazität lag im Juli 2026 nur noch bei 0,17 Millionen Barrel pro Tag. Dazu kommt, dass Öl in Dollar gehandelt und in Euro getankt wird.
Verdienen die Tankstellen an der Krise mit?
Nach einer Untersuchung des DIW vom 11. März 2026 entstehen die Preissteigerungen bei den Raffinerien und im Großhandel, während die Margen der Tankstellen stabil blieben. Das Bundeskartellamt stellte allerdings für den Rabattzeitraum Mai und Juni 2026 eine Margenausweitung von 3,3 Cent beim Diesel auf der Tankstellenstufe fest. Einen Kartellverstoß hat die Behörde in ihren Untersuchungen von 2011, 2022 und 2025 nie festgestellt.
Wie mächtig ist die OPEC heute noch?
Deutlich weniger mächtig als in den 1970er Jahren, als sie über 50 Prozent des Weltrohöls förderte. 2025 waren es 36,7 Prozent nach dem eigenen Jahrbuch, und nach dem Austritt der Vereinigten Arabischen Emirate zum 1. Mai 2026 rund 30 Prozent. OPEC+ kommt auf rund 41 Prozent. Bei den Reserven liegt der Anteil dagegen weiter bei rund 79,5 Prozent. 2026 ist ohnehin die Blockade der Straße von Hormus der dominierende Preistreiber, nicht die Quotenpolitik.
Quellen
- US Energy Information Administration: Europe Brent Spot Price, Jahreswerte, eia.gov
- ADAC: Kraftstoffpreisentwicklung und Auswertung von über 14.000 Tankstellen (Mai 2026), adac.de
- Europäische Kommission: Weekly Oil Bulletin, Woche zum 14. September 2026, energy.ec.europa.eu
- Deutsche Bundesbank und EZB: Euro-Referenzkurse, bundesbank.de
- Bundeskartellamt: Sektoruntersuchung Kraftstoffe, Zwischenbericht 2022 und Abschlussbericht vom 19. Februar 2025, sowie MTS-K-Quartalsbericht vom 10. Juli 2026, bundeskartellamt.de
- Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt): nationaler Emissionshandel, erste Auktion am 1. Juli 2026 zum Höchstpreis von 65 Euro je Tonne, dehst.de
- Statistisches Bundesamt: Energiesteuereinnahmen 2025, destatis.de
- DIW Berlin: Untersuchung zur Preisentstehung entlang der Kraftstoffkette vom 11. März 2026, diw.de
- ifo Institut: Auswertung zur Weitergabe der Energiesteuersenkung 2026 und 2022, ifo.de
- Bundesverband Freier Tankstellen (bft): Mitgliederumfrage vom 14. August 2026, 132 Unternehmen mit mindestens 866 Stationen, bft.de
- OPEC: Annual Statistical Bulletin 2026, opec.org
- Internationale Energieagentur: Oil Market Report Juli 2026, freie Förderkapazität, iea.org
- Weltbank: Commodity Markets Outlook, Angebotsausfall März 2026, worldbank.org
- FDM, dänischer Automobilclub, und Folketing: Bürgerinitiative „Lavere afgifter", Abstimmung Ende Juni 2026, fdm.dk
- World Happiness Report 2026, worldhappiness.report
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