KI Radar · Beitrag 39 ← Zurück zur Übersicht Juli 2026

Die KI‑Rechnung kommt: Microsoft 365 ist seit dem 1. Juli teurer

Während über Modelle und Milliarden diskutiert wird, erreicht die KI‑Welle den deutschen Mittelstand an einer sehr unspektakulären Stelle: auf der monatlichen Rechnung für Büro‑Software. Zum 1. Juli 2026 hat Microsoft die Preise für Microsoft 365 angehoben. Begründet wird das ausdrücklich mit neuen Funktionen in den Bereichen KI, Sicherheit und Geräteverwaltung, allen voran mit dem Einbau des Assistenten Copilot in die Office‑Programme. Wer die KI nicht bestellt hat, zahlt sie trotzdem mit.

+16,7 %
Business Basic steigt von 6 auf 7 Euro je Nutzer und Monat
14 €
Business Standard statt bisher 12,50 Euro, ein Plus von zwölf Prozent
22 €
Business Premium bleibt unverändert
39 / 60 €
neue Preise für die großen Pakete Microsoft 365 E3 und E5

Was sich konkret ändert

Am stärksten trifft es die günstigen Pakete, also ausgerechnet jene, die kleine Betriebe, Vereine und Handwerksbetriebe buchen. Business Basic kostet nun 7 statt 6 Euro je Nutzer und Monat, Business Standard 14 statt 12,50 Euro. Business Premium bleibt bei 22 Euro stabil. Bei den größeren Unternehmenspaketen steigt Office 365 E3 von 23 auf 26 Euro und E5 von 38 auf 41 Euro, während Microsoft 365 E3 nun 39 Euro und E5 60 Euro kostet. Der Zusatzbaustein Copilot, der die KI‑Funktionen im vollen Umfang freischaltet, bleibt bei 30 US‑Dollar je Nutzer und Monat. Für einen Handwerksbetrieb mit fünfzehn Arbeitsplätzen im Standard‑Paket bedeutet die Erhöhung rund 270 Euro mehr im Jahr, ohne dass sich an der Arbeit etwas ändert.

Wann es Sie trifft

Wichtig für die Planung: Laufende Verträge bleiben zunächst unberührt. Die neuen Preise gelten für Neuabschlüsse und für Verlängerungen. Wer also einen Jahresvertrag hat, zahlt bis zu dessen Ende den alten Preis und rutscht bei der nächsten Verlängerung automatisch in den neuen. Das ist der Grund, warum viele Betriebe die Erhöhung erst in einigen Monaten auf der Rechnung sehen werden, und der Grund, warum es sich lohnt, den eigenen Verlängerungstermin jetzt nachzuschlagen statt später überrascht zu werden.

Was das für Deutschland heißt (KIPODE‑Einordnung)

Hier wird eine Entwicklung greifbar, die sonst abstrakt bleibt. Die Rechenzentren, die neuen Modelle und der Stromverbrauch kosten Geld, und dieses Geld holen sich die Anbieter über die Fläche zurück, also über Millionen ganz normaler Büro‑Abonnements. Das ist kein Skandal, sondern schlicht Betriebswirtschaft. Bemerkenswert ist die Richtung: Die KI wird nicht als Zusatzangebot verkauft, das man bestellen kann, sondern in ein Produkt eingebaut, das ohnehin jeder hat. Der Aufpreis ist damit nicht mehr verhandelbar. Für den deutschen Mittelstand, der bei Büro‑Software fast vollständig von einem einzigen US‑Anbieter abhängt, ist das eine ungemütliche Position, und sie hängt mit den beiden anderen Beiträgen dieses Monats zusammen: Wenn die günstigen chinesischen Modelle wegfallen und die US‑Anbieter gleichzeitig ihre Preise anziehen, steigt die Rechnung von zwei Seiten. KIPODE rät zu dem, was in jedem anderen Einkauf selbstverständlich wäre: den tatsächlichen Bedarf prüfen, statt jedem Nutzer das größte Paket zu geben, europäische Alternativen wenigstens kennen, und die Frage stellen, welche Aufgaben die teuer bezahlte KI im Betrieb wirklich übernimmt. Wer das nicht beantworten kann, zahlt für eine Funktion, die niemand benutzt.

Quellen: Telekom Geschäftskunden, „Microsoft 365: Neue Funktionen und Preise ab Juli 2026" (Preise je Plan in Euro) · borncity, „Microsoft 365: Preiserhöhung ab 1. Juli 2026" · Microsoft, offizielle Preisübersicht Microsoft 365 Copilot.

Alle Beiträge aus dem Juli 2026 · Zum KI-Radar, alle Monate