KI Radar · Beitrag 43 ← Zurück zur Übersicht Juli 2026

Plattform Industrie 4.0 wird zur Plattform für industrielle KI

Die Plattform Industrie 4.0 gibt es seit 2013. Sie ist das Netzwerk, in dem Bund, Industrie und Forschung die Digitalisierung der deutschen Fabriken abstimmen, mit über 300 beteiligten Unternehmen und Organisationen. Am 3. Juli 2026 haben das Wirtschafts‑ und das Forschungsministerium sie neu ausgerichtet: Sie wird zum zentralen Strategie‑ und Umsetzungsnetzwerk für industrielle KI. Das ist kein neues Geld und kein neues Gesetz, sondern eine Kursänderung eines bestehenden Apparats. Ob das reicht, ist die interessantere Frage.

2030
bis dahin sollen KI‑Anwendungen Standard in der deutschen Industrie sein
300+
Unternehmen und Organisationen sind in der Plattform organisiert
16
Firmen der Industrie saßen bei der Auftaktsitzung in Berlin am Tisch
0 €
neue Fördermittel nennt die Mitteilung des Bundes nicht

Was beschlossen wurde

Zur Auftaktsitzung kamen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und Bundesforschungsministerin Dorothee Bär mit Spitzenvertretern von sechzehn Industrieunternehmen, der Fraunhofer‑Gesellschaft und mehreren Verbänden in Berlin zusammen. Leitbild der Plattform sind künftig vier Ebenen: Infrastruktur, Daten, KI‑Basismodelle und KI‑Anwendungen. Die Arbeit soll ausdrücklich auf offene, herstellerunabhängige Ansätze und Open‑Source‑Technik ausgerichtet werden. Die Leitung für die Industrieseite übernehmen Rainer Brehm, Betriebsleiter und Technikchef bei Siemens Digital Industries, und Stephan Mayer, Vorstandsvorsitzender von Trumpf Machine Tools. Sie folgen auf Henrik Schunk. Verzahnt wird die Arbeit mit der Hightech Agenda Deutschland und deren Roadmap KI sowie mit der Industrie‑Initiative „Made for Germany".

Das Argument: der Datenschatz

Reiche begründet den Schritt mit einem Bestand, den kein anderes Land in dieser Form hat. In deutschen Fabriken liegen Jahrzehnte an Maschinen‑, Prozess‑ und Qualitätsdaten, die bislang kaum genutzt werden. Ihre Formulierung: KI sei für die Industrie keine Option, sondern Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit; die größte Chance liege darin, diesen Datenschatz mit dem vorhandenen Fachwissen zu verbinden. Bär verweist auf die Innovationsökosysteme und nennt industrielle KI eine Schlüsseltechnologie, die in die Breite der Wirtschaft getragen werden müsse. Die Plattform hat in ihrer bisherigen Arbeit die sogenannte Verwaltungsschale entwickelt, einen digitalen Zwilling für Maschinen und Bauteile, auf dessen Grundlage die Datenräume Catena‑X (Automobil) und Manufacturing‑X entstanden sind. Das ist die Vorarbeit, auf der industrielle KI aufsetzen kann.

Was das für Deutschland heißt (KIPODE‑Einordnung)

Zunächst das, was hier nicht steht: Die Pressemitteilung nennt keine Fördersumme, keinen Haushaltstitel und keine Frist außer der Jahreszahl 2030. Es handelt sich um die Neuaufstellung eines bestehenden Netzwerks, nicht um ein Programm mit Geld. Wer das als KI‑Offensive liest, überdehnt die Quelle. Was sie dennoch bemerkenswert macht, ist die Richtung. Deutschland hat das Rennen um Sprachmodelle verloren, das ist unstrittig und in unserem Beitrag zu SPRIND nachzulesen. Beim Einsatz von KI in der Fabrik sieht die Ausgangslage anders aus: Deutschland liegt bei der Roboterdichte weltweit auf Platz 3, und die Daten, um die es geht, liegen bereits hier. Dass die Plattform ausdrücklich auf offene Standards und Open‑Source setzt, ist dabei kein Nebensatz, sondern die Bedingung dafür, dass mittelständische Zulieferer überhaupt mitmachen können, statt sich an ein einzelnes Anbieter‑Ökosystem zu binden. Messbar wird der Erfolg an einer einzigen Zahl: dem Anteil der Industrieunternehmen, die KI produktiv einsetzen. Laut Bitkom nutzen derzeit 41 Prozent der Unternehmen KI. Von Standard ist das weit entfernt. Mehr dazu auf unserer Themenseite Künstliche Intelligenz in Deutschland.

Quellen: BMWE und BMFTR, Gemeinsame Pressemitteilung „Bundesregierung, Wirtschaft und Forschung richten Plattform Industrie 4.0 auf industrielle KI aus" (3. Juli 2026) · Plattform Industrie 4.0.

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