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Die neue Weltkarte: Warum Afrika auf der Equal-Earth-Karte so viel größer ist

Am 4. September 2026 hat die UN-Generalversammlung empfohlen, für Größenvergleiche eine neue Weltkarte zu verwenden: die Equal-Earth-Karte. Auf ihr hat jedes Land die Fläche, die ihm im Verhältnis zusteht. Afrika und Südamerika wirken plötzlich viel größer, Russland, Kanada, die USA und Europa kleiner. 164 Staaten stimmten dafür, nur die USA dagegen. Diese Seite erklärt, was sich ändert, wer dahintersteht und was das mit einem Kartografen aus Duisburg zu tun hat.

Stand: 1. Oktober 2026

Kurz gesagt. Die neue Weltkarte heißt Equal Earth. Die Kartografen Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny haben sie 2018 vorgestellt. Sie zeigt alle Länder flächentreu, also im richtigen Größenverhältnis zueinander. Die UN-Generalversammlung hat sie am 4. September 2026 als Ersatz für die Mercator-Karte von 1569 empfohlen. Der Beschluss ist nicht bindend.

Mercator (1569): Grönland (blau) wirkt fast so groß wie Afrika (orange)
Equal Earth (2018): Afrika ist etwa vierzehnmal so groß wie Grönland. Grönland liegt nahe am Nordpol, am oberen Kartenrand, und wird dort flach gedrückt.
Dieselbe Welt, zwei Karten. Links Mercator, rechts Equal Earth. Grönland blau, Afrika orange. Eigene Darstellung KIPODE nach Natural Earth.

Was ist die neue Weltkarte?

Jede Weltkarte hat ein Grundproblem: Die Erde ist eine Kugel, das Papier ist flach. Wer die Kugel auf eine Fläche bringt, muss etwas verzerren, entweder die Winkel, die Formen oder die Flächen. Eine Karte, die alles richtig zeigt, gibt es nicht.

Die Equal-Earth-Karte entscheidet sich für die Flächen. Ein Land, das in Wirklichkeit doppelt so groß ist wie ein anderes, ist auf ihr auch doppelt so groß. Die Karte hat abgerundete Seiten und erinnert an ein Oval. Entwickelt haben sie 2018 drei Kartografen: Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny. Sie wollten eine flächentreue Weltkarte bauen, die trotzdem vertraut aussieht und auf der die Kontinente nicht wie geschmolzen wirken.

Was ist falsch an der alten Mercator-Karte?

Die Weltkarte, die fast alle aus der Schule kennen, stammt von Gerhard Mercator. Er veröffentlichte sie 1569, damals lebte und arbeitete er in Duisburg. Mercator baute die Karte für Seefahrer: Auf ihr stimmen die Winkel, ein Schiff kann einen geraden Kurs mit dem Lineal einzeichnen. Für die Navigation war das eine Revolution, und für Seekarten wird das Prinzip bis heute genutzt.

Der Preis dafür sind die Flächen. Je weiter ein Land vom Äquator entfernt liegt, desto stärker bläht die Mercator-Karte es auf. Grönland wirkt darauf fast so groß wie Afrika. In Wirklichkeit ist Afrika rund vierzehnmal größer. Russland, Kanada, Skandinavien und Alaska erscheinen riesig, Afrika, Südamerika, Indien und Südostasien klein. Die Tabelle zeigt die echten Flächen.

Land oder KontinentFläche in Mio. km²Auf der Mercator-Karte
Afrika30,4wirkt viel zu klein
Russland17,1wirkt größer als Afrika
Kanada10,0wirkt viel zu groß
USA9,8wirkt zu groß
China9,6ungefähr richtig
Brasilien8,5wirkt zu klein
Indien3,3wirkt zu klein
Grönland2,2wirkt fast so groß wie Afrika
Deutschland0,36wirkt etwas zu groß

Gesamtflächen einschließlich Binnengewässer, gerundet. Afrika ist rund 85-mal so groß wie Deutschland. Die USA, China und Indien passen zusammen in Afrika hinein, und es bleibt noch Platz.

Wer hat den Wechsel angestoßen?

Den Anstoß gab die Kampagne „Correct the Map“, auf Deutsch etwa „Korrigiert die Karte“. Gestartet haben sie die afrikanischen Organisationen Africa No Filter und Speak Up Africa. Ihr Argument: Eine Karte, auf der Afrika kleiner aussieht als Grönland, prägt seit Generationen, wie Menschen in Schulen, Nachrichten und Firmen über den Kontinent denken. Im August 2025 stellte sich die Afrikanische Union hinter die Kampagne.

Ein Jahr später brachte Togo eine Resolution in die UN-Generalversammlung ein, unterstützt von den Mitgliedern der Afrikanischen Union. Der Leitsatz der Kampagne lautet sinngemäß: Afrika muss nicht größer gemacht werden, es muss nur richtig gesehen werden.

Was hat die UN beschlossen, und gilt das schon?

Am 4. September 2026 hat die UN-Generalversammlung die Resolution angenommen. 164 Staaten stimmten dafür, sechs enthielten sich: Estland, Georgien, Litauen, Moldau, Serbien und die Ukraine. Ein einziges Land stimmte dagegen, die USA. Ihre Vertretung sprach von einer ideologischen Agenda, die von echten Problemen ablenke.

Die Resolution ermutigt Regierungen und Institutionen, für Größenvergleiche flächentreue Karten wie Equal Earth zu nutzen. Sie ist eine Empfehlung und rechtlich nicht bindend. Die Mercator-Karte wird nicht verboten, für die Navigation bleibt sie in Gebrauch. Ein Datum, bis zu dem Atlanten umgestellt sein müssen, gibt es nicht. Frankreich hat angekündigt, in der Regierung auf die Mercator-Karte zu verzichten. Außenminister Jean-Noël Barrot sagte, eine Karte zu ändern ändere nicht die Welt, aber eine verzerrte Darstellung zu korrigieren sei bereits ein Akt der Wahrheit.

Warum wirken die USA, Russland und Kanada kleiner?

Die Länder selbst bleiben natürlich gleich groß. Sie verlieren nur den Bonus, den ihnen die Mercator-Karte jahrhundertelang geschenkt hat. Wer weit im Norden liegt, wurde auf der alten Karte aufgeblasen: Kanada, Russland, Alaska, Skandinavien und Grönland am stärksten, die USA und Europa spürbar. Auf der Equal-Earth-Karte rutschen sie auf ihre echte Größe zurück, und Afrika, Lateinamerika und Südasien rücken optisch nach vorn.

Russland, das auf der neuen Karte ebenfalls deutlich kleiner wirkt, stimmte in der UN nicht dagegen. Die Gegenstimme kam allein aus Washington.

Ist Afrika auf der neuen Karte in die Länge gezogen?

Nein. Afrika und Südamerika liegen zu großen Teilen am Äquator, und dort verzerren beide Karten die Formen kaum. Der Unterschied ist die Größe: Auf der Mercator-Karte sind die beiden Kontinente im Vergleich zum Norden geschrumpft, auf der Equal-Earth-Karte haben sie ihre echten Proportionen. Wer an die alte Karte gewöhnt ist, empfindet das als Streckung.

Ganz ohne Verzerrung kommt auch Equal Earth nicht aus. Zu den Rändern und zu den Polen hin werden die Formen gestaucht. Grönland sieht deshalb flacher aus als auf einem Globus. Die Flächen stimmen trotzdem.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland hat die Sache eine besondere Note: Die Karte, die jetzt abgelöst werden soll, entstand in Duisburg. Gerhard Mercator gilt bis heute als einer der bedeutendsten Kartografen der Geschichte, und seine Erfindung bleibt für Seekarten unverzichtbar. Ersetzt werden soll sie dort, wo es um den Vergleich von Größen geht, also in Schulbüchern, Nachrichten und Präsentationen.

Ob Schulatlanten umgestellt werden, entscheiden in Deutschland die Länder und die Verlage. Auf der Equal-Earth-Karte nimmt Deutschland übrigens nur einen sehr kleinen Fleck ein: rund 0,36 Millionen Quadratkilometer, etwa ein Vierhundertstel der Landfläche der Erde. KIPODE verwendet die neue Karte bereits, zum Beispiel für die Weltkarte der Hersteller humanoider Roboter.

Gut zu wissen

Was ist die neue Weltkarte der UN?

Die neue Weltkarte heißt Equal Earth. Sie wurde 2018 von den Kartografen Bojan Šavrič, Tom Patterson und Bernhard Jenny vorgestellt und zeigt alle Länder flächentreu, also im richtigen Größenverhältnis zueinander. Die UN-Generalversammlung hat sie am 4. September 2026 für Größenvergleiche anstelle der Mercator-Karte empfohlen.

Seit wann gilt die Equal-Earth-Karte?

Als Empfehlung gilt sie seit der Abstimmung in der UN-Generalversammlung am 4. September 2026. Der Beschluss ist nicht bindend und setzt kein Datum für eine Umstellung. Ob Schulen, Verlage und Behörden umstellen, entscheiden die Staaten selbst.

Warum haben die USA gegen die neue Weltkarte gestimmt?

Die USA stimmten als einziges Land dagegen und sprachen von einer ideologischen Agenda, die von echten Problemen ablenke. Auf der Equal-Earth-Karte wirkt Nordamerika kleiner als auf der gewohnten Mercator-Karte. 164 Staaten stimmten dafür, sechs enthielten sich.

Warum ist Afrika auf der neuen Karte größer?

Afrika ist nicht größer geworden, es wird nur richtig dargestellt. Die Mercator-Karte von 1569 bläht Länder fern des Äquators auf, Grönland wirkt darauf fast so groß wie Afrika. In Wirklichkeit ist Afrika mit rund 30,4 Millionen Quadratkilometern etwa vierzehnmal so groß wie Grönland.

Ist die Mercator-Karte jetzt verboten?

Nein. Die Resolution ist eine Empfehlung. Für die Navigation bleibt die Mercator-Karte in Gebrauch, weil auf ihr die Winkel stimmen. Ersetzt werden soll sie dort, wo Größen verglichen werden, etwa in Schulbüchern und Nachrichten.

Quellen, Stand Oktober 2026

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