Zwei Stunden Schule, dann die eigene Firma? Wie Amerika, Deutschland, Dänemark und Estland die Schule der Zukunft bauen
In Texas lernen Kinder nur zwei Stunden am Tag mit einer Lernsoftware und gründen am Nachmittag kleine Firmen. In Deutschland sind die Leistungen der Fünfzehnjährigen so schwach wie nie. Dänemark verbannt nach demselben Schock die Handys, Estland gibt fast allen Gymnasiasten der zehnten und elften Klasse einen KI-Lehrer, der absichtlich keine Lösungen verrät. Ein Blick auf vier Antworten auf dieselbe Frage.
Am 21. September 2026 hat Peter Diamandis, ein amerikanischer Unternehmer und Gründer der XPRIZE-Stiftung, die mit hohen Preisgeldern technische Durchbrüche anstoßen will, seinen Newsletter der Schule der Zukunft gewidmet. Er feiert darin eine texanische Privatschule, deren Schüler nur zwei Stunden am Tag klassischen Stoff lernen und trotzdem zu den Besten des Landes gehören sollen. Zwei Wochen vorher hatte die OECD, die Organisation der Industrieländer, die neuen Ergebnisse ihrer Schulstudie PISA veröffentlicht. Sie zeigen, dass die Jugendlichen in den meisten Industrieländern im Lesen und Rechnen deutlich schwächer geworden sind. Wie Schule im Zeitalter der künstlichen Intelligenz aussehen soll, wird deshalb gerade in vielen Ländern neu verhandelt. Wir haben uns angesehen, was in Texas versprochen wird, wo Deutschland steht und was zwei kleine Länder im Norden anders machen.
Das Versprechen aus Texas
Die Alpha School wurde 2014 in Austin von der Unternehmerin MacKenzie Price und Brian Holtz gegründet. Das meiste Geld kommt heute von Joe Liemandt, einem texanischen Softwaremilliardär, der nach Recherchen der amerikanischen Redaktion ProPublica eine Milliarde Dollar in die Schulen und ihre Lernplattform gesteckt hat. Der Kern ist ein Lernprogramm, das laufend misst, was ein Kind kann und was nicht, und ihm genau die Aufgaben stellt, die zu seinem Stand passen. Erst wenn ein Thema sitzt, geht es weiter. Fachleute nennen das Lernen bis zur Beherrschung (Mastery Learning). Einen Chatbot, mit dem die Kinder reden, lehnt die Schule ab, weil Kinder solche Programme so lange bearbeiten, bis sie die Lösung verraten.
Die Erwachsenen heißen nicht Lehrer, sondern „Guides“, also Begleiter. Sie unterrichten keinen Stoff, sondern sollen motivieren und begleiten. Mehrere amerikanische Medien haben anhand von Stellenanzeigen bestätigt, dass Alpha ihnen Gehälter ab etwa 100.000 Dollar im Jahr zahlt. Eine Lehrerausbildung wird dafür nicht verlangt.
Der Nachmittag
Weil der Stoff nach zwei Stunden geschafft ist, bleibt der Rest des Tages für Kurse, in denen die Kinder Auftreten und den Umgang mit Geld üben, dazu Sport und eigene Projekte. Die Jüngeren verkaufen Schmuck oder Frühstück aus einem schuleigenen Imbisswagen, mit echtem Geld und echten Kunden. Ab der Mittelstufe gibt die Schule Startkapital und verlangt, dass es mit Gewinn zurückkommt. Einzelne Oberstufenschüler haben daraus größere Vorhaben gemacht. Der am besten belegte Fall ist ein Mountainbike-Park in Marble Falls bei Austin, für den der Schüler Rhett Jones nach einem Bericht des Magazins Texas Monthly 358.000 Dollar bei Geldgebern eingesammelt hat. Der Park hat im November 2023 eröffnet. Er ist allerdings der Schüler, den die Schule immer zeigt. Die meisten Kinderfirmen bleiben beim Verkaufsstand mit ein paar hundert Dollar Gewinn.
Was belegt ist und was nicht
Belegt ist der Preis. Das Schulgeld liegt je nach Standort zwischen 10.000 Dollar in Brownsville an der mexikanischen Grenze und 75.000 Dollar in San Francisco. Die teuren Standorte kosten mehr, als ein Durchschnittsverdiener in Deutschland in einem Jahr netto verdient. Wer bei diesen Preisen anmeldet, bringt in aller Regel ein Elternhaus mit, das viel Zeit und Geld in Bildung steckt. Deshalb sagen die Leistungszahlen wenig. Diamandis nennt einen Durchschnitt von 1540 Punkten im SAT, dem amerikanischen Studierfähigkeitstest mit einem Höchstwert von 1600. Die Zahl stammt von der Schule selbst, eine unabhängige Prüfung gibt es nicht. Dasselbe gilt für die Angabe, 96 Prozent der Kinder liebten ihre Schule.
Den einzigen Fall mit öffentlicher Kontrolle gibt es in Arizona. Dort betreibt der Alpha-Verbund unter dem Namen Unbound Academy eine staatlich finanzierte Online-Schule, die jedes Kind aufnehmen muss. Die ersten staatlichen Tests blieben weit hinter dem zurück, was die Schule bei ihrer Zulassung versprochen hatte. Im Fach Englisch erreichten nach vorläufigen Zahlen 28 Prozent der Schüler das Ziel, angekündigt waren 65 Prozent. In Mathematik waren es 10 statt 60 Prozent. ProPublica und die Zeitung Texas Tribune berichteten am 2. September 2026, dass Alpha in mindestens zehn Bundesstaaten eine Zulassung als öffentlich finanzierte Schule beantragt hat und nur Arizona zustimmte. Trotzdem darf Alpha in Texas Geld aus dem neuen staatlichen Bildungsgutschein annehmen. In New York ist der Standort in Manhattan rechtlich gar keine anerkannte Schule, wie das Magazin Wired im Juni 2026 berichtete, verlangt aber 65.000 Dollar im Jahr.
Am weitesten geht die mit Alpha verbundene Founders School in New York. Sie kostet 150.000 Dollar im Jahr und verspricht, dass jeder Schüler bis zum Abschluss eine Million Dollar mit einer eigenen Firma erwirtschaftet, sonst gibt es das Schulgeld zurück. Die erste Klasse mit rund 20 Plätzen hat im September 2026 angefangen. Prüfen lässt sich das Versprechen frühestens 2030.
Wo Deutschland steht
Die Zahlen
Die PISA-Studie 2025, veröffentlicht im September 2026, zeigt die schwächsten deutschen Ergebnisse seit Beginn der Erhebung vor 25 Jahren. In Mathematik fielen die Fünfzehnjährigen von 475 auf 464 Punkte, im Lesen von 480 auf 465, in den Naturwissenschaften von 492 auf 486. Zur Einordnung: Rund zwanzig Punkte entsprechen etwa dem Lernstoff eines Schuljahres. Ein Drittel der Jugendlichen erreicht in Mathematik und im Lesen nicht einmal die Grundstufe, die die OECD für nötig hält, um in Ausbildung und Beruf zurechtzukommen. In die Spitzengruppe schaffen es weniger als zehn Prozent. Ein Drittel gibt an, im Unterricht vom Handy abgelenkt zu werden, und genauso viele halten die Schule für verschwendete Zeit. Dabei besuchen schon 64 Prozent der deutschen Fünfzehnjährigen eine Schule mit Handyverbot auf dem Gelände, im OECD-Schnitt sind es 49 Prozent: Ablenkung und Verbot bestehen parallel.
Der IQB-Bildungstrend, die Vergleichsstudie der Länder für die neunten Klassen, kam im Oktober 2025 zum selben Bild. 34 Prozent der Neuntklässler verfehlen in Mathematik den Mindeststandard für den mittleren Schulabschluss, 2018 waren es bereits rund 24 Prozent, knapp ein Viertel. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind groß: In Sachsen sind es gut 20 Prozent, in Bremen fast die Hälfte.
Was in den Klassenzimmern passiert
Die künstliche Intelligenz ist längst angekommen, nur anders als in Texas. Das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung, für das das Institut forsa rund 1.500 Lehrkräfte befragt hat, zeigt: Nur noch zehn Prozent der Lehrerinnen und Lehrer nutzen nie KI, Ende 2024 waren es fast ein Drittel. Sie setzen sie vor allem ein, um Aufgaben zu erstellen und den Unterricht zu planen. Gleichzeitig fürchten zwei Drittel, dass KI das kritische Denken der Schüler schwächt. Die Schüler selbst sind gespalten. In einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom aus dem Jahr 2025 sagte fast ein Viertel der 14- bis 19-Jährigen, die Hausaufgaben meistens mit KI zu machen. Die Hälfte meint, KI verbessere ihr Lernen, fast genauso viele glauben, sie mache dümmer.
Was der Staat tut
Geld fließt in großen Summen. Der Digitalpakt 2.0 ist seit dem 1. September 2026 in Kraft und bringt fünf Milliarden Euro über fünf Jahre, je zur Hälfte von Bund und Ländern. Anders als beim ersten Digitalpakt, der vor allem Kabel und Tablets bezahlt hat, soll diesmal auch Geld in Fortbildung fließen, ausdrücklich zu KI. Das Startchancen-Programm verteilt über zehn Jahre 20 Milliarden Euro an rund 4.000 Schulen in schwieriger Lage, für mehr Personal und Sozialarbeit.
Das deutsche Gegenstück zu Alphas Lernsoftware heißt AIS, Adaptives Intelligentes System. Das FWU, das Medieninstitut der Länder, lässt es im Auftrag aller 16 Bundesländer für rund 60 Millionen Euro entwickeln. Es soll wie bei Alpha den Stand eines Kindes messen und passende Aufgaben stellen. Bis Ende 2026 soll eine erste Fassung für eine Klassenstufe und zwei Fächer fertig sein. Anders als in Texas bleibt die Lehrkraft dabei im Raum. Parallel gibt es einen staatlichen Schul-Chatbot, der zuerst telli hieß und im Mai 2026 wegen eines Markenstreits in AIS.chat umbenannt wurde. Er wird nach Berichten des Lehrerportals News4teachers wenig genutzt, weil die Schüler lieber zu den bekannten kommerziellen Programmen greifen.
Eine Expertenkommission der Bundesregierung, die der Kieler Bildungsforscher Olaf Köller mitleitet, hat im Juni 2026 empfohlen, soziale Netzwerke für Kinder unter 13 Jahren weitgehend zu verbieten. Bevor Schüler im Unterricht mit KI arbeiten, sollen sie außerdem eine Art Grundkurs absolvieren, den die Kommission „KI-Seepferdchen“ nennt.
Der Streit
Über die Richtung wird heftig gestritten. Eine Expertengruppe um Kai Maaz, Direktor am Leibniz-Institut für Bildungsforschung DIPF, hat im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung im Februar 2026 ein Bild der Schule der Zukunft vorgelegt. Sie fordert, weg vom Aussortieren und vom Notenvergleich zu kommen und stattdessen regelmäßig zu messen, was jedes Kind kann, und es von dort aus weiterzubringen. Das ist inhaltlich erstaunlich nah an Alpha, nur ohne Software als Motor. Auf der anderen Seite steht Klaus Zierer, Professor für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Er spricht von einem „regelrechten Sturzflug“ der Lernleistungen und hält die Digitalisierung für einen Teil des Problems. Wer das Denken an die KI abgebe, spare Mühe und verliere genau die Anstrengung, durch die Lernen entsteht. Mit dem Bündnis für humane Bildung fordert er, KI aus der Grundschule herauszuhalten.
Wo es schon anders läuft
Dass eine deutsche Schule wie Alpha arbeitet, ist rechtlich kaum möglich. Das Grundgesetz verlangt in Artikel 7, dass Privatschulen ihre Schüler nicht nach dem Geldbeutel der Eltern aussortieren, und die Länder verlangen ausgebildete Lehrkräfte. Einzelne öffentliche Schulen zeigen aber, dass die Grundidee auch hier funktioniert. An der Alemannenschule im badischen Wutöschingen, einer staatlichen Gemeinschaftsschule mit gut 700 Schülern, heißen die Lehrer Lernbegleiter. Die Kinder arbeiten im eigenen Tempo und weisen selbst nach, wenn sie ein Thema beherrschen. Ihren Stand besprechen sie in regelmäßigen Beratungsgesprächen. Den Nachmittag mit eigenen Firmen gibt es ebenfalls in kleinerer Form. Beim Programm IW JUNIOR des Instituts der deutschen Wirtschaft gründen Schülerinnen und Schüler ein Schuljahr lang ein echtes kleines Unternehmen, allerdings als Arbeitsgemeinschaft neben dem Unterricht.
Dänemark: Das Handy raus, das Buch zurück
Dänemark hat bei PISA 2025 noch stärker verloren als Deutschland. Im Lesen fielen die Fünfzehnjährigen um 29 Punkte auf 460, in Mathematik um 19 auf 471, in den Naturwissenschaften um 16 auf 478. Bildungsminister Magnus Heunicke sprach von einer „ernsten Bildungskrise“. Mehr als ein Drittel der Schüler gab an, in fast jeder Stunde von Handy und Apps abgelenkt zu werden.
Die Antwort kam schnell, und sie wird im Ausland oft falsch verstanden. Dänemark dreht nicht die Digitalisierung zurück. Es verbannt das private Gerät und die Ablenkung. Die Folkeskole, die gemeinsame Schule von der Vorschule bis zur neunten Klasse, ist per Gesetz handyfrei. Zwei Tage nach den PISA-Zahlen kündigte Ministerpräsidentin Mette Frederiksen am 10. September 2026 an, das Verbot auf alle privaten Bildschirme auszuweiten, auch auf dem Pausenhof. Der Rechner für den Unterricht bleibt. Er soll aber nur noch auf dem Tisch stehen, wenn die Aufgabe ihn braucht.
Dahinter steht ein Umdenken, das schon vor einigen Jahren begann. Dänemark hatte die Kinder so früh und so umfassend mit Tablets und Lernplattformen ausgestattet wie kaum ein anderes Land. Der damalige Bildungsminister Mattias Tesfaye sagte später, man schulde dieser Generation eine große Entschuldigung. Seitdem kauft der Staat gedruckte Bücher zurück, 540 Millionen Kronen, rund 72 Millionen Euro, sind dafür vorgesehen. Die dänische Lehrerzeitung Folkeskolen kritisiert allerdings, dass ein Teil des Geldes gar nicht in neue Bücher fließt. Eine Studie der Rockwool-Stiftung, die den Unterrichtsalltag beobachtet hat, liefert dazu einen überraschenden Befund: Bildschirme laufen in einem Großteil der Unterrichtszeit, und am meisten stört nicht das Handy, sondern der viele übrige Bildschirmeinsatz.
Mit künstlicher Intelligenz geht Dänemark vorsichtig um. Für die Gymnasien hat das Bildungsministerium im August 2026 ein Sofortpaket gegen KI-Betrug beschlossen: Bildschirme werden bei Arbeiten überwacht, und schriftliche Hausarbeiten müssen mündlich verteidigt werden. Außerdem sollen mehr Aufgaben in der Schule statt zu Hause entstehen. Daneben laufen Versuche, bei denen KI in einzelnen Prüfungen ausdrücklich erlaubt ist, etwa in Englisch. Eine eigene staatliche Lern-KI baut Dänemark nicht.
Stattdessen holt das Land die Welt in die Schule. Seit August 2025 gilt eine Reform, die die Lehrkräfte von Tausenden verbindlichen Lernzielen befreit und die Schultage verkürzt. Dafür gibt es mehr praktischen Unterricht. Schüler der achten und neunten Klasse können mehrere Tage in der Woche in einem Betrieb lernen, die Dänen nennen das Junior-Meisterlehre. Ab 2030 kommt mit epx ein neues praktisches Gymnasium mit Werkstatt und Ausbildung im Betrieb. Das ist der nächste Verwandte von Alphas Nachmittag, nur kostenlos und im echten Betrieb statt in der eigenen Kinderfirma.
Estland: Ein KI-Lehrer, der keine Lösungen verrät
Estland, ein Land mit 1,36 Millionen Einwohnern, gehört auch bei PISA 2025 zu den stärksten Ländern Europas. Es geht den umgekehrten Weg. Als eine Umfrage zeigte, dass zwischen 64 und 90 Prozent der estnischen Schüler ohnehin schon KI benutzten, oft um Hausaufgaben erledigen zu lassen, entschied sich die Regierung gegen ein Verbot. Auf Anregung von Präsident Alar Karis startete im September 2025 das Programm AI Leap, auf Estnisch TI-Hüpe. Der Name erinnert an den „Tigersprung“ der 1990er Jahre, mit dem Estland damals alle Schulen ans Internet brachte.
Die Reihenfolge ist dabei entscheidend. Zuerst kamen die Lehrkräfte: Rund 5.000 Gymnasiallehrer erhielten Zugang zu den Bezahlversionen von ChatGPT und Google Gemini, dazu Fortbildungen und regelmäßige Lerngruppen. Danach kamen die Schüler. 154 von 156 Gymnasien machen mit, rund 20.000 Jugendliche der zehnten und elften Klasse. Sie bekommen nicht ChatGPT, sondern eine eigens gebaute Lern-App namens Iti. Estnische Bildungsforscher haben ihr beigebracht, sich wie ein guter Lehrer zu verhalten: Sie führt mit Rückfragen zum Lösungsweg und verlangt, dass die Schüler selbst zu Ergebnissen kommen. Fertige Lösungen gibt sie nicht heraus. Projektleiter Ivo Visak räumt ein, dass die App manchmal langweilig sei, weil sie zu viele Fragen stelle. Genau das ist beabsichtigt.
Das Programm wird je zur Hälfte vom Staat und von privaten Geldgebern bezahlt, darunter der Telekommunikationskonzern Telia. Nach dem ersten Schuljahr haben rund 12.000 Schüler die App mindestens einmal genutzt, etwa 4.000 arbeiten wöchentlich damit. Das zeigt auch die Grenze: Die App erreicht längst nicht alle. Ob sie das Denken tatsächlich schult, untersucht die Universität Tartu unter dem Bildungspsychologen Jaan Aru in einer Begleitstudie. Im Schuljahr 2026/27 wird das Programm auf Berufsschulen und jüngere Jahrgänge ausgeweitet, um rund 38.000 weitere Schüler.
Ein Schwachpunkt bleibt. Estland hängt bei der Technik an amerikanischen Konzernen, ein eigenes europäisches Sprachmodell steckt nicht dahinter. Und ob die Leistungen steigen, weiß heute noch niemand.
Vier Antworten auf dieselbe Frage
| Alpha School (USA) | Deutschland | Dänemark | Estland | |
|---|---|---|---|---|
| Rolle der KI | Lernsoftware übernimmt den Stoff | Lernsoftware AIS im Bau, Chatbot wenig genutzt | Vor allem Betrugsrisiko in Prüfungen | Eigene App, die nachfragt statt zu antworten |
| Rolle der Lehrkraft | Begleiter ohne Lehramt, nur Motivation | Bleibt zentral, KI-Fortbildung im Aufbau | Soll wieder führen, ohne Konkurrenz durchs Handy | Wird zuerst fortgebildet, dann kommen die Schüler |
| Nachmittag | Eigene Firmen und Projekte | Ganztag, Schülerfirmen als AG | Junior-Meisterlehre im Betrieb | Freiwillige Angebote wie Debattierclubs |
| Kosten für Familien | 10.000 bis 150.000 Dollar im Jahr | Kostenlos | Kostenlos | Kostenlos |
| Belege | Eigene Zahlen, öffentliche Tests in Arizona schwach | PISA und IQB, AIS noch nicht im Einsatz | PISA und Beobachtungsstudien | Begleitstudie der Universität Tartu |
Was bleibt
Alle vier reagieren auf dieselbe Sorge, dass Maschinen das Denken ersetzen und Kinder weniger lernen. Texas setzt auf Software und Unternehmergeist für Familien, die es sich leisten können, und liefert bisher nur eigene Zahlen. Dänemark nimmt zuerst der Ablenkung die Bühne und holt Bücher und Betriebe in die Schule. Estland zwingt die Maschine, das Denken zu trainieren, und lässt das wissenschaftlich prüfen. Deutschland gibt so viel Geld aus wie nie, setzt auf gemeinsame Schul-Chatbots und Lizenzplattformen statt auf ein landesweites Tutorsystem wie Estlands Iti und streitet darüber, ob KI in die Grundschule gehört.
Deutsche Schulen können sich trotzdem einiges abschauen. Von Alpha stammt der Gedanke, Stoff bis zur Beherrschung zu üben und das Aneignen vom Anwenden zu trennen – das Geschäftsmodell mit Schulgeld und eigenen Kinderfirmen lässt sich davon nicht ableiten. Estland zeigt, wie eine KI dabei helfen kann, ohne die Lösung zu verraten, wenn zuerst die Lehrkräfte gut ausgestattet sind. Von Dänemark lässt sich lernen, zwischen dem privaten Handy und dem Arbeitsgerät der Schule zu unterscheiden, statt über „Handyverbot oder Digitalisierung“ zu streiten. Die Alemannenschule in Wutöschingen zeigt, dass manches davon auch unter deutschen Regeln geht, ohne Schulgeld und ohne Genehmigungsstreit.
Peter Diamandis ist an der Alpha School nach allem, was bekannt ist, nicht beteiligt. Er wirbt aber für sie, und sein Newsletter endet mit einer Einladung zu seiner eigenen Konferenz.