Der Mann, der auf die Idee setzt
Rick Rubin hat vierzig Jahre lang Platten produziert und ein Buch über das Programmieren mit KI geschrieben. Im Gespräch nennt er KI ein Werkzeug wie das Feuer, sagt, ihr fehle ein eigener Standpunkt, und erklärt, warum die Kreativität für ihn in der Idee steckt und nicht in der Ausführung. Ob eine KI kreativ sein kann, weiß er nach eigenen Worten nicht.
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Rick Rubin ist seit vierzig Jahren Musikproduzent. Er hat das Hip-Hop-Label Def Jam mitgegründet und Platten von Johnny Cash, den Red Hot Chili Peppers, Jay-Z und Adele betreut. Seine Rolle beschreibt er selbst schlicht: Er habe mit Kunst und Kreativität zu tun, mal als Begleiter, mal als Mitarbeiter an einem Projekt. Video ab 0:02:40 Bei Steven Bartlett, dem britischen Unternehmer und Gastgeber des Podcasts The Diary of a CEO, spricht er fast drei Stunden lang über Kreativität. Gut zwölf Minuten davon handeln von künstlicher Intelligenz, und dort fällt der Satz, um den es in diesem Beitrag geht: Einer KI fehle ein eigener Standpunkt, Video ab 1:29:30 und genau den suchten wir bei Künstlern. Video ab 1:30:49
Der GastWer da redet und warum er beim Thema KI mitreden kann
Rubin hat Def Jam in den achtziger Jahren mitgegründet; im Gespräch nennt er es „das Label, das ich gegründet habe“. Video ab 0:18:14 Bekannt wurde er als Produzent, der Musiker dazu bringt, das zu machen, was sie selbst am meisten lieben, statt das, was gerade im Radio läuft. Video ab 0:16:10 Sein Buch The Creative Act von 2023 ist ein Bestseller über den Weg, auf dem Kunst entsteht.
Mit künstlicher Intelligenz hat er selbst Erfahrung. Der KI-Forscher Andrej Karpathy, früher bei OpenAI, der Firma hinter ChatGPT, und bei Tesla, prägte den Begriff Vibe Coding: Man beschreibt einer KI in Alltagssprache, was ein Programm tun soll, und lässt sie den Code schreiben. Noch am selben Tag verbreitete jemand im Netz ein Foto von Rubin mit Kopfhörern, geschlossenen Augen und der Hand auf der Maus als Sinnbild dafür. Video ab 0:05:35 Rubin antwortete mit einem Scherz: Werkzeuge kommen, Werkzeuge gehen, nur der Vibe Coder bleibt. Der Beitrag wurde anderthalb Millionen Mal gesehen, und Rubin legte seine übrige Arbeit beiseite, um ein Buch darüber zu schreiben. Video ab 0:07:18 Daraus wurde The Way of Code, eine Nachdichtung des alten chinesischen Weisheitsbuchs Daodejing für das Programmieren mit KI. Video ab 1:19:38 Das Buch erschien im Mai 2025 in Zusammenarbeit mit Anthropic, der Firma hinter dem KI-Assistenten Claude.
Die FrageIst KI gefährlich?
Bartlett führt das Thema über einen Freund ein, der nichts mit Technik zu tun hat und ihm schrieb, er mache sich Sorgen, ob diese Technik den Menschen die Arbeitsplätze wegnehme. Für Bartlett war das das Zeichen, dass die Frage bei ganz normalen Leuten angekommen ist. Video ab 1:28:05
Rubin antwortet gelassen. KI sei ein ungeheuer mächtiges Werkzeug, und er sei neugierig, was es kann. Wie jedes mächtige Werkzeug könne es sehr gefährlich sein und für Schlechtes oder für Gutes eingesetzt werden. Video ab 1:28:30 Sein Vergleich ist persönlich: Ein Feuer habe sein Haus niedergebrannt. Gemeint ist sein Haus in Malibu, in dem er all seine Sachen hatte und das vor acht Jahren abbrannte, wie er an anderer Stelle erzählt. Video ab 0:51:50 Trotzdem würde er das Feuer nicht verbieten, denn mit Feuer kochen wir und heizen unsere Häuser. Video ab 1:28:45 Dasselbe gelte für das Internet und für den Buchdruck, den die Kirche nach seinen Worten verbieten wollte, weil Wissen nicht für alle zugänglich sein sollte. Aus beidem sei Gutes entstanden und vermutlich auch manches Schlechte. Video ab 1:29:03
Der StandpunktKann eine Maschine kreativ sein?
Auf diese Frage sagt Rubin zuerst: Er wisse es nicht, er sei neugierig. Video ab 1:29:21 Dann folgt der Gedanke, der dem Video den Titel gegeben hat. Alles, was heute im Gespräch über Kreativität gesagt worden sei, habe mit einem Standpunkt zu tun, mit einer eigenen Sicht auf die Welt. Eine KI habe keinen solchen Standpunkt. Sie sei die Sammlung der Ideen, die es schon gibt, und schaue nicht aus einem bestimmten Winkel auf die Dinge. Stelle man ihr mehrere Tage hintereinander dieselbe Frage, bekomme man womöglich jedes Mal eine ganz andere Antwort. Eine feste Haltung im Sinne von „so sehe ich die Welt“ gebe es nicht. Video ab 1:29:30
Bartlett hakt nach: Wenn eine KI zehn Millionen Musikstücke erzeugt, sei darunter doch irgendwann ein Hit. Rubin weicht der Frage nach dem Hit aus. Was ein Hit sei, könne er schwer sagen. Von zehntausend Stücken gefielen einem vielleicht eines oder zwei, vielleicht fünf Prozent, und das sei durchaus interessant. Video ab 1:30:14 Er erinnert an eine Arbeitsweise aus der frühen Hip-Hop-Zeit: Produzenten durchsuchten in Plattenläden alte Schallplatten nach einer kurzen Stelle, etwa einem Schlagzeugtakt, und bauten daraus ein neues Stück. Man nannte das Crate Digging, das Wühlen in den Plattenkisten. Liefe eine KI ständig im Hintergrund und er hörte plötzlich einen guten Ausschnitt, dann könne man daraus etwas machen, und das wäre ein sinnvoller Einsatz. Video ab 1:30:25
Dass eine KI den Künstler von Anfang bis Ende ersetzt, kann er sich nicht vorstellen. Er wäre neugierig, ob sie es könnte, aber was wir von einem Künstler wollen, habe mit dessen Standpunkt zu tun. Video ab 1:30:49
Die TürWer nicht zeichnen kann, kann trotzdem etwas erschaffen
An dieser Stelle wird Rubin fast begeistert. Er sieht in der KI ein Werkzeug, das Künstlern hilft und vielleicht auch Menschen, die gar nicht wissen, dass sie Künstler sind. Er spricht aus der Sicht eines solchen Menschen: Ich kann nicht zeichnen, ich spiele kein Instrument, ich habe keine Begabung und keinen Weg, meine Kreativität auszudrücken. Aber ich könnte mit der KI reden und sie durch Ausprobieren und immer neue Anweisungen dazu bringen, etwas Schönes zu machen. Video ab 1:31:13 Vielleicht könnten dadurch mehr Menschen kreativ sein, und das findet er etwas Schönes. Video ab 1:31:32
Eine solche Anweisung an eine KI heißt Prompt. Wie man gute Prompts schreibt, lerne man durch Ausprobieren, sagt Rubin, und die Hürde sei sehr niedrig. Er hält das für eine gute Sache. Video ab 1:34:56
Die IdeeWarum die Kunst im Auftrag steckt und nicht im Pinsel
Bartlett bringt einen eigenen Gedanken ein. Wenn Leute sagen, eine KI könne dieses oder jenes große Lied nie schreiben, meinten sie oft den ganzen Weg, der dazu gehört: die Plattenfirma, den Vertrieb, den Ruf und die Lebensgeschichte des Künstlers. Als Beispiel nennt er die britische Sängerin Olivia Dean, deren Weg viele Hörer verfolgt haben. Video ab 1:32:28
Rubin geht noch einen Schritt weiter. Die fertigen Werke seien nur das Ergebnis, sozusagen die Erinnerung daran, dass wir kreativ sind. Video ab 1:33:06 Die eigentliche Kreativität sei die Idee, die das Werk möglich macht. Der Regisseur Alfred Hitchcock habe seine Filme vorher vollständig in Zeichnungen festgelegt, Bild für Bild, so dass man den Film im Grunde gar nicht mehr drehen müsste. Video ab 1:33:20 Der amerikanische Regisseur Wes Anderson baue seine Filme ebenso Bild für Bild vorab als Entwurf, bevor ein Schauspieler dazukommt, und könne sie sich so schon ganz ansehen. Video ab 1:33:40 Beim Anfertigen solcher Entwürfe könne eine KI ein gutes Werkzeug sein. Die Kreativität aber stecke im Prompt, also in der Anweisung, mit der Hitchcock und Anderson ihren Zeichnern sagen, was in jedes Bild gehört. „Sie steckt nicht in der Zeichnung. Sie steckt nicht im fertigen Film. Sie steckt im Prompt.“ Video ab 1:34:07
Wenig später im Gespräch bringt er ein zweites Beispiel, den amerikanischen Künstler Andy Warhol. Warhol begann als Werbezeichner und zeichnete zum Beispiel Schuhe für Anzeigen. Video ab 1:37:02 Dann kam er zu dem, was heute Pop-Art heißt, mit Motiven aus dem Alltag wie einer Suppendose der Marke Campbell. Die ersten Suppendosen habe er vielleicht noch selbst gemalt. Seine berühmtesten Bilder von Elvis Presley und Marilyn Monroe seien dagegen Siebdrucke, und dafür habe Warhol nie etwas selbst gemalt oder angefasst. Er habe festgelegt, welches Foto wie behandelt wird, und die Leute in seinem Atelier hätten gedruckt. Video ab 1:37:31 Weniger Warhol seien diese Bilder deshalb nicht. Die Kunst liege immer in der Idee und nicht darin, wer die Farbe auf die Leinwand bringt. Video ab 1:37:50
Dasselbe habe es in den Werkstätten der Renaissance und danach gegeben. Der niederländische Maler Rembrandt habe an manchem Bild vielleicht siebzig Prozent gemalt, an einem anderen dreißig, während Schüler den Rest übernahmen. Rubin schränkt selbst ein, dass Rembrandt vielleicht nicht das beste Beispiel sei; üblich sei die Arbeit mit Gehilfen aber gewesen. Video ab 1:38:16 Heute spielten auf vielen Platten von Bands Studiomusiker statt der Band selbst. Das mache die Platte nicht schlechter. Video ab 1:38:51 Seinen Gedanken schließt er offen ab: Ob die Ideen einer KI irgendjemanden interessieren, wisse er nicht. „Wir werden sehen.“ Video ab 1:39:06
Der EinwandDas Lied, das plötzlich weniger gefiel
Bartlett erzählt eine eigene Erfahrung. Er und seine Geschäftspartnerin hörten bei Spotify ein Lied, das beiden sehr gefiel. Zwei Monate später wollte er mehr von der Sängerin hören und stellte fest, dass es sie nicht gibt: Das Lied war mit KI gemacht. Video ab 1:35:56 Von da an gefiel es ihm weniger. Video ab 1:36:29 Es habe ihn berührt, weil er glaubte, eine Frau singe über etwas, das ihr etwas bedeutet. Als er erfuhr, dass nichts davon stimmte, habe das Lied etwas verloren. Er vergleicht das mit der Formel 1: Säße der siebenmalige Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton nicht mehr im Auto, würde er nicht mehr zuschauen, auch wenn die Autos schneller wären. Video ab 1:39:14
Rubin stimmt zu, dass ein Rennen ohne Fahrer weniger spannend wäre. Dann dreht er die Beobachtung um. Interessant sei doch, dass Bartlett das Lied mochte, bevor er wusste, woher es kam. Video ab 1:39:52 Und er fragt sich selbst: Würde ich etwas ablehnen, nur weil es auf eine bestimmte Weise gemacht wurde? „Das ergibt für mich keinen Sinn. Entweder es gefällt einem, oder es gefällt einem nicht.“ Video ab 1:40:00
Damit stehen am Ende des KI-Teils zwei Gedanken von Rubin nebeneinander. Was wir von einem Künstler wollen, sei sein Standpunkt. Und ob ein Werk gefällt, entscheide sich beim Hören, unabhängig davon, wie es entstanden ist. Rubin verbindet die beiden Gedanken nicht; das Gespräch wendet sich danach Geschichten aus dem Studio zu.
Was bleibtWas einen großen Künstler ausmacht, auch mit KI
Wenn es so leicht wird, etwas zu erschaffen, will Bartlett wissen, was dann einen großen Künstler von einem mittelmäßigen unterscheidet. Video ab 1:35:10 Rubins Antwort: dasselbe wie heute. Man liebe einen Künstler, weil er etwas macht, das einem das Leben verändert und einen bewegt, so dass man ein Lied millionenfach hören, einen Film immer wieder sehen, seine Bücher lesen will. Video ab 1:35:15 Ob eine KI ein Buch schreiben könnte, das man immer wieder lesen möchte, wisse er nicht. Anzeichen dafür sehe er keine. Video ab 1:35:42
Schon vorher im Gespräch hatte er beschrieben, was die großen Künstler verbindet, mit denen er gearbeitet hat. Meist sei es ein Standpunkt: die Welt so zu sehen, wie andere sie nicht sehen, oder etwas zu bemerken, das alle kennen und das noch niemand ausgesprochen hat, so wie es ein guter Komiker tut. Video ab 1:14:59 Dazu komme harte Arbeit. Wer sehr begabt sei, aber nicht bereit, alles Nötige zu tun, werde vermutlich nie gehört. Video ab 1:16:13
Das übrige GesprächWas Rubin außerhalb des KI-Teils sagt
Der größte Teil der fast drei Stunden handelt von der Frage, wie Kunst entsteht. Rubin wirbt für Ideen, die sich nicht rechtfertigen lassen. Das englische Wort dafür, indefensible, heißt eigentlich „unvertretbar“; er meint Entscheidungen, die man mit Vernunft nicht begründen kann und trotzdem für richtig hält. Video ab 0:03:53 An kurzfristige Verkaufszahlen denke er beim Arbeiten nie. Video ab 0:11:59 Jedes Werk sei wie ein Tagebucheintrag, und den könne niemand für falsch erklären. Video ab 0:12:38 Als Beispiel nennt er die Band Linkin Park, die nach seinen Worten nach drei ähnlichen Alben mit ihm einen neuen Stil suchte. Ungefähr die Hälfte der alten Hörer mochte das nicht, dafür kamen neue hinzu. Video ab 0:13:23
Vergleiche hält er für sinnlos, weil der Sänger Michael Jackson besser darin sei, Michael Jackson zu sein, und der Musiker Prince besser darin, Prince zu sein. Video ab 0:34:22 Abgabetermine setzt er erst, wenn ein Projekt zu etwa neunzig Prozent klar ist. Video ab 0:36:11 Den Weg dorthin teilt er in vier Abschnitte: das Sammeln von Keimen einer Idee, das Ausprobieren, das Ausarbeiten und das Fertigstellen. Video ab 0:38:28
Ein längerer Teil handelt davon, wie sehr uns das eigene Bild von uns selbst festlegen kann, etwa als Anwalt in Manhattan, und dass jeder Mensch jederzeit neu anfangen könne. Video ab 0:59:41 Offen erzählt Rubin auch von einer schweren depressiven Phase mit 33 Jahren, ausgelöst, als ein neuer Chef bei einem großen Musikkonzern seinen Vertrag infrage stellte. Er habe Jahre gebraucht, um wieder herauszukommen, und verstehe seitdem die Künstler besser, mit denen er arbeitet. Video ab 1:08:23 Meditieren hat er mit vierzehn Jahren gelernt. Video ab 0:20:48
Die GegenprobeWas der Titel verspricht und was Rubin sagt
Der Titel des Videos behauptet, es gebe eine Fähigkeit, die KI niemals stehlen könne. So bestimmt ist Rubin im Gespräch nicht. Auf die Frage, ob KI kreativ sein kann, antwortet er, er wisse es nicht. Video ab 1:29:21 Ob die Ideen einer KI jemanden interessieren, lässt er mit „wir werden sehen“ offen. Video ab 1:39:06 Das „niemals“ steht nur im Videotitel.
Zwei seiner Beispiele sind Zuspitzungen. Die Kirche hat den Buchdruck nicht verboten, sie hat ihn selbst genutzt und bald kontrolliert: Druckwerke brauchten eine kirchliche Genehmigung, und ab 1559 gab es ein Verzeichnis verbotener Bücher. Und dass Warhol für seine Siebdrucke Gehilfen in seinem Atelier einsetzte, ist gut belegt; wie viel er selbst anfasste, war von Werk zu Werk verschieden. Beim Rembrandt-Beispiel schränkt Rubin sich selbst ein.
Seine Beschreibung von KI stimmt im Kern. KI-Modelle lernen aus vorhandenen Texten, Bildern und Tönen, und auf dieselbe Frage geben sie oft unterschiedliche Antworten, weil ihre Ausgaben absichtlich ein Stück Zufall enthalten. Die Anbieter können ihnen allerdings feste Vorgaben für Ton und Haltung mitgeben. Ob das ein Standpunkt in Rubins Sinn ist, beantwortet das Gespräch nicht.
Was unberührt bleibt: vierzig Jahre Erfahrung im Studio, seine Beispiele aus der Filmgeschichte und die Frage, die er selbst offenlässt, ob wir ein Werk anders hören, wenn wir wissen, wie es gemacht wurde.
EinordnungWas das für Europa heißt
Europa kommt in dem Gespräch nur einmal vor, als Ort: Rubin erzählt, dass die Band System of a Down, die er produziert hat, zwei Wochen vor der Aufnahme in Paris an zwei Abenden hintereinander ein Stadion mit 80.000 Plätzen ausverkauft hat. Video ab 0:20:00 Die Fragen, über die er spricht, werden hier aber gerade vor Gericht und im Gesetz beantwortet, und zwar an zwei Stellen, die Rubin selbst nicht anspricht.
Die erste Stelle ist das Material, aus dem eine KI lernt. Rubins Gedanke, eine KI könne Musik liefern, aus der man sich Ausschnitte nimmt, trifft in Deutschland auf zwei Urteile des Landgerichts München I. Am 11. November 2025 entschied es im Streit zwischen der Verwertungsgesellschaft GEMA, die die Rechte von Komponisten und Textern vertritt, und OpenAI, dass ChatGPT geschützte Liedtexte nicht ohne Lizenz speichern und wiedergeben darf; OpenAI ist in Berufung gegangen. Am 31. Juli 2026 folgte das Urteil gegen den Musikgenerator Suno: Das Training mit Liedern aus dem GEMA-Bestand, ihre Speicherung im Modell und Ausgaben, die Titeln wie „Atemlos“ oder „Forever Young“ ähneln, brauchen eine Lizenz, und die Urheber müssen bezahlt werden. Rechtskräftig ist dieses Urteil noch nicht. Die GEMA fasst beide Verfahren in ihrer Mitteilung zum Suno-Urteil zusammen.
Die zweite Stelle ist die Frage, ob man erfährt, dass eine Maschine im Spiel ist, also genau das, was Bartlett bei seinem Spotify-Lied erst nach zwei Monaten herausfand. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung. Anbieter von Systemen, die Texte, Bilder, Töne oder Videos erzeugen, müssen die Ergebnisse maschinenlesbar kennzeichnen; für Systeme, die schon vorher auf dem Markt waren, gilt dafür eine Übergangsfrist bis zum 2. Dezember 2026. Sichtbar kennzeichnen müssen die Betreiber, also Firmen oder Personen, die solche Systeme einsetzen, vor allem sogenannte Deepfakes, also Inhalte, die echten Personen, Orten oder Ereignissen täuschend ähneln. Ob Hörer in einer Musik-App einen Hinweis sehen, ist mit der maschinenlesbaren Kennzeichnung allein noch nicht entschieden. Die EU-Kommission erklärt die Pflichten in einer Übersicht zu den Transparenzregeln.
Zusammenfassung und Einordnung von kipode.de. Der Text ist unser eigener; Aussagen im Original mit Zeitmarke. Das Video stammt von The Diary of a CEO und wird über den offiziellen YouTube-Player eingebunden. Keine offizielle Übersetzung, keine Verbindung zum Podcast.
Was drüben gesagt wird, hier nachlesbar.
Transatlantik ist die Abteilung von kipode.de für amerikanische Debatten über künstliche Intelligenz. Wir hören die Gespräche zu Ende, fassen sie in eigenen Worten zusammen und setzen Zeitmarken ins Original, damit jede Aussage nachprüfbar bleibt.
Am Schluss steht die Frage, die drüben niemand stellt: Was heißt das für uns in Europa? Jede Folge gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.