Googles Plan B für die Arbeit: Elf Rezepte, falls KI die Jobs nimmt
Was passiert mit unserem Geld, wenn Maschinen die Arbeit machen? Diese Frage stellen sich inzwischen nicht mehr nur Gewerkschaften und Philosophen, sondern auch die Firmen, die solche Maschinen bauen. Zwei Ökonomen von Google DeepMind, dem KI-Labor von Google, haben jetzt durchgerechnet, was ein Staat tun kann, wenn künstliche Intelligenz Arbeitsplätze in großer Zahl ersetzt. Sie haben elf Maßnahmen verglichen, vom Arbeitslosengeld bis zum Grundeinkommen, und daraus einen Fahrplan in drei Stufen gemacht.
Es ist kein offizieller Plan des Konzerns, sondern ein Essay zweier angestellter Forscher auf einer Plattform von Google. Das Ergebnis überrascht trotzdem: Das bedingungslose Grundeinkommen, in der öffentlichen Debatte oft die erste Antwort, schneidet bei ihnen eher schlecht ab. Solange Arbeit noch trägt, setzen sie auf Hilfen, die am Arbeitsleben ansetzen. Erst für den schlimmsten Fall, wenn Maschinen fast alle Arbeit machen, empfehlen sie eine andere Idee: Jeder Bürger bekommt einen Anteil am Kapital, also an den Firmen und Maschinen, die das Geld verdienen. Was das für Deutschland hieße und wie viel dabei für jeden herauskäme, rechnen wir weiter unten vor. Denn für Deutschland steckt darin eine unbequeme Frage: Unsere Rente, Krankenkasse und Pflege werden fast vollständig aus Löhnen bezahlt. Wenn die Gewinne bei den Rechenzentren landen statt auf den Lohnzetteln, wackelt nicht nur das Einkommen, sondern das ganze Sicherungssystem.
Die Autoren schreiben selbst, die Angst vor KI am Arbeitsmarkt sei schon jetzt ein großes Thema, „bevor sich die Wirkung der KI in den meisten Wirtschaftsdaten zeigt“ (before the effect of AI shows up in most economic data). Ihr Plan ist für den Fall gedacht, dass sie sich zeigt.
Wer dahinter steckt
Das Essay trägt den Titel „Economic Policy for AGI“, also Wirtschaftspolitik für eine allgemeine künstliche Intelligenz, die so viel kann wie ein Mensch. Geschrieben haben es Julian Jacobs, Ökonom und Forscher bei Google DeepMind mit Studium in Oxford und an der London School of Economics, und Alex Imas, Professor für Verhaltensökonomie an der Universität Chicago und bei DeepMind Leiter der Abteilung für die Wirtschaft im Zeitalter der AGI. Imas hat zusammen mit dem Nobelpreisträger Richard Thaler ein Buch geschrieben.
Veröffentlicht ist das Essay auf der Seite des DeepMind Institute, einer neuen Plattform für Aufsätze und Debatten über eine Welt mit AGI. Leiter sind Demis Hassabis, Chef von Google DeepMind und Nobelpreisträger für Chemie 2024, Shane Legg, Mitgründer von DeepMind, und James Manyika, bei Google für Forschung zuständig. Öffentlich vorgestellt wurde das Institut Mitte September 2026. Es ist eine Schreibplattform, kein Forschungsinstitut mit eigenem Gebäude: Ein Budget, Mitarbeiterzahlen oder einen Standort nennt Google nicht. In deutschen Zeitungen ist das Essay bisher so gut wie gar nicht aufgetaucht.
Die elf Rezepte im Test
Jacobs und Imas haben jede Maßnahme mit 0 bis 100 Punkten bewertet, wie ein Zeugnis mit mehreren Fächern. Grundlage waren die Fachliteratur, eine Umfrage unter gut 2.000 Amerikanern und eine Simulation, in der KI-Programme die Sicht von 51 bekannten Ökonomen einnahmen. Wichtig: Es wurden keine lebenden Professoren befragt, das Ergebnis ist ein durchgespielter Test, kein Urteil der Fachwelt. Die Autoren bewerten vier Fächer, darunter auch, wie gut es den Menschen damit geht (Wohlfahrt) und wie viel Eigentum und Selbstbestimmung sie bekommen. Für den Alltag zählen vor allem zwei:
Umsetzbar heißt: Wie leicht bekommt man die Maßnahme durch das Parlament und in den Alltag? Gefragt wird, ob es dafür eine Mehrheit gibt, ob der Staat das bezahlen kann und ob es eine Behörde gibt, die das schon kann. 100 Punkte hieße: morgen beschlossen, übermorgen ausgezahlt. Die Steuergutschrift für Geringverdiener kommt auf 80 Punkte, weil es sie in den USA längst gibt und man nur die Beträge ändern muss. Die Jobgarantie kommt auf 28, weil der Staat dafür Millionen Stellen schaffen und verwalten müsste.
Hält im Ernstfall heißt: Hilft die Maßnahme auch dann noch, wenn es richtig schlimm kommt? Die Forscher haben jede Maßnahme durch drei Zukunftsbilder geschickt: eine milde Veränderung, einen breiten Verlust von Arbeitsplätzen und den vollständigen Umbruch, in dem Maschinen fast alle Arbeit machen. Die Zahl ist der Durchschnitt aus allen drei. Umschulung hilft im milden Fall, im Umbruch aber kaum noch, denn wohin soll man umschulen, wenn es die neuen Stellen nicht gibt? Im Umbruch bekommt die staatliche Umschulung deshalb nur 6 von 100 Punkten, im Durchschnitt 23. Grundkapital zahlt dagegen umso mehr aus, je mehr die Maschinen verdienen. Im Umbruch bekommt es 94 von 100 Punkten, im Durchschnitt 74. Im Durchschnitt liegt die kostenlose Grundversorgung mit 75 Punkten sogar knapp vorn, im Totalumbau gewinnt aber klar das Eigentum.
Die beiden Fächer ziehen in entgegengesetzte Richtungen. Was sich heute leicht umsetzen lässt, hält im Ernstfall oft wenig aus, und was im Ernstfall hält, ist heute schwer durchzusetzen. Genau deshalb schlagen die Autoren eine Reihenfolge vor statt eines einzigen Rezepts.
| Maßnahme | Umsetzbar | Hält im Ernstfall |
|---|---|---|
| Steuergutschrift für Geringverdiener (in den USA „EITC“) | 80 | 51 |
| Arbeitslosenversicherung | 54 | 62 |
| Negative Einkommensteuer: wer wenig verdient, bekommt vom Finanzamt Geld dazu | 50 | 70 |
| Lohnversicherung: der Staat gleicht aus, wenn der neue Job schlechter bezahlt ist | 48 | 36 |
| Umschulung durch staatliche Programme | 48 | 23 |
| Industriepolitik | 41 | 51 |
| KI-Staatsfonds, der eine Dividende an alle zahlt | 38 | 64 |
| Bedingungsloses Grundeinkommen | 36 | 58 |
| Kostenlose Grundversorgung (Wohnen, Nahverkehr, Gesundheit) | 35 | 75 |
| Grundkapital: jeder bekommt Anteile an Firmen und Maschinen | 33 | 74 |
| Jobgarantie durch den Staat | 28 | 35 |
Punkte von 0 bis 100, gerundet. Quelle: Jacobs und Imas, Economic Policy for AGI.
Auffällig ist ein Befund, den die Autoren selbst betonen: Was die Menschen in der Umfrage am liebsten wollen, hält im Ernstfall am wenigsten aus. 85 Prozent der befragten Amerikaner wünschen sich Umschulung, in Deutschland dürfte es ähnlich sein. Genau die bekommt von den Forschern die schlechteste Note für den Ernstfall. Staatliche Umschulungsprogramme hätten Arbeitnehmern beim technischen Wandel in der Vergangenheit „enttäuschend“ wenig geholfen (historically been disappointing). Besser schneiden Programme ab, bei denen Arbeitgeber selbst ausbilden, also etwas wie die deutsche Lehre. Für die Maßnahmen der Arbeitsagentur ist das der unbequemste Satz im ganzen Papier.
Der Fahrplan in drei Stufen
Statt ein Lieblingsrezept zu empfehlen, schlagen Jacobs und Imas eine Reihenfolge vor. Die nächste Stufe soll erst greifen, wenn sich etwas messen lässt. Zu früh eingeführt, koste eine Maßnahme unnötig viel. Zu spät, und die Gesellschaft stehe dem ersten Schock hilflos gegenüber.
KI verändert Berufe, aber es gibt genug neue Arbeit. Antwort: besseres Arbeitslosengeld, Steuergutschrift für Geringverdiener, Ausbildung im Betrieb.
Arbeitslose finden lange keinen Job, die mittleren Löhne sinken schneller, als neue Stellen entstehen. Antwort: die Steuergutschrift wird zur negativen Einkommensteuer.
Der Anteil der Arbeit am Volkseinkommen fällt dauerhaft, die Gewinne aus Kapital steigen. Antwort: Grundkapital für alle als Auffangnetz.
Zum Grundeinkommen schreiben die Autoren, es sei „ein teures und grobes Werkzeug“, das die Hilfe womöglich nicht dort bündelt, wo sie am dringendsten gebraucht wird (an expensive and blunt instrument that may fail to concentrate sufficient relief where it is needed most). Ihr Schluss ist trotzdem optimistisch: Die Gesellschaft habe die Mittel, ihren wirtschaftlichen Weg im Zeitalter der AGI selbst zu bestimmen. Wenn die KI das Wachstum wirklich steigere, werde eine der zentralen Fragen unserer Zeit sein, wie alle am Gewinn beteiligt werden.
Wo stehen wir heute?
Das Signal für Stufe 3 ist der Anteil der Löhne an allem, was eine Volkswirtschaft erwirtschaftet. In den USA ist er in der Privatwirtschaft ohne Landwirtschaft im zweiten Quartal 2026 auf 52,8 bis 52,9 Prozent gefallen, je nach Quelle (Arbeitsstatistikbehörde BLS, Reuters), den tiefsten Stand seit Beginn der Messung 1947. Die Kurve fällt allerdings seit Jahrzehnten, Globalisierung und die Marktmacht großer Konzerne waren lange vor der KI da. Ob das an der KI liegt, ist offen, und die Zahl selbst ist umstritten: Die Steuerforscher der Tax Foundation kommen mit einer anderen Rechnung auf rund 68 Prozent und sehen keinen historischen Einbruch.
In Deutschland zeigt die Kurve in die andere Richtung. Hier liegt der Lohnanteil am Volkseinkommen laut Statistischem Bundesamt bei über 70 Prozent und ist in den letzten Jahren gestiegen. Eine Auswertung des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), über die KIPODE in Beitrag 65 berichtet hat, fand bisher keine zusätzliche Arbeitslosigkeit durch Sprachprogramme wie ChatGPT, wohl aber, dass Beschäftigte in Berufen, deren Aufgaben solche Programme gut übernehmen können, deutlich häufiger nach einer neuen Stelle suchen. Gleichzeitig breitet sich die Technik schnell aus: Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung nutzte 2023 erst jeder zwanzigste Betrieb generative KI, 2025 schon fast jeder vierte.
Nach dem Fahrplan von Google stünde Deutschland damit in Stufe 1. Die USA zeigen ein erstes Warnsignal für eine spätere Stufe.
Deutschland hat mehr davon, als man denkt
Einiges aus der Liste gibt es hierzulande längst in ähnlicher Form. Das Kurzarbeitergeld fängt Einbrüche ab, das Bürgergeld sichert das Existenzminimum, allerdings nur nach Prüfung und mit Pflichten, und die Arbeitsagentur fördert Weiterbildung für Beschäftigte. Was fehlt, ist die dritte Stufe: eine Beteiligung aller Bürger am Kapital.
Grundkapital auf Deutsch: Was wäre das, und was brächte es?
Die Idee ist einfach. Heute verdienen Menschen ihr Geld mit Arbeit, und ein kleiner Teil zusätzlich mit Aktien, Mieten oder einer eigenen Firma. Wenn Maschinen die Arbeit übernehmen, wandert immer mehr Geld zu denen, denen die Maschinen gehören. Grundkapital heißt: Jeder Bürger besitzt ein Stück davon, zum Beispiel über ein eigenes Depot oder über Anteile an einem staatlichen Fonds, der in Firmen weltweit investiert. Verdienen die Firmen mehr, weil ihre Maschinen mehr leisten, wächst auch der Anteil jedes Einzelnen, und er bekommt eine jährliche Ausschüttung.
Das klingt amerikanisch, aber Deutschland hat zwei Anfänge davon schon auf dem Tisch. Der erste ist die Frühstartrente, die das Bundeskabinett am 12. August 2026 beschlossen hat. Für jedes Kind zwischen 6 und 18 Jahren zahlt der Staat 10 Euro im Monat in ein eigenes Depot, beginnend mit dem Jahrgang 2020. Das Finanzministerium rechnet bei 7 Prozent Rendite mit rund 2.200 Euro zum 18. Geburtstag und rund 53.000 Euro mit 65, ohne dass die Eltern etwas dazugeben. Das ist Grundkapital im Kleinen, allerdings nur für die Rente und erst in vielen Jahrzehnten.
Der zweite Anfang ist das Deutsche Zukunftskapital. Die Expertenkommission „Wettbewerb und Künstliche Intelligenz“ der Bundesregierung, geleitet unter anderem vom Stanford-Forscher Sebastian Thrun, hat im April 2026 einen Staatsfonds nach dem Vorbild Norwegens und Singapurs vorgeschlagen: rund 300 Milliarden Euro über zehn Jahre. Gedacht ist er allerdings dafür, KI-Rechenzentren und Firmen in Deutschland zu finanzieren, nicht dafür, den Bürgern etwas auszuzahlen.
Wie man es rechnet
Wie viel Grundkapital bringt, hängt an drei Zahlen: wie groß der Fonds ist, wie viele Menschen sich ihn teilen und wie viel man jedes Jahr entnimmt, ohne den Fonds aufzuzehren. Norwegen entnimmt höchstens 3 Prozent im Jahr. Mit dieser Regel sieht die Rechnung für Deutschland mit rund 83,5 Millionen Einwohnern so aus:
| Fonds | Anteil je Bürger | Ausschüttung (3 %) |
|---|---|---|
| Deutsches Zukunftskapital, 300 Milliarden Euro | rund 3.600 € | rund 9 € im Monat |
| Wenn Deutschland 30 Jahre lang jedes Jahr 45 Milliarden Euro einzahlt (etwa 1 % der Wirtschaftsleistung) und der Fonds real 4 % im Jahr erwirtschaftet | rund 30.000 € | rund 75 € im Monat |
| Zum Vergleich Alaska: Der Ölfonds zahlt jedem Einwohner jedes Jahr eine Dividende, 2026 sind es 1.000 Dollar | nicht ausgewiesen | gut 70 € im Monat |
| So viel wie Norwegen je Einwohner (rund 290.000 €) | rund 290.000 € | rund 725 € im Monat |
KIPODE-Rechnung, gerundet. Norwegens Fonds: rund 1,6 Billionen Euro für 5,5 Millionen Menschen, gespeist aus Öl und Gas seit 1990.
Die Rechnung zeigt zweierlei. Erstens: Mit einem Fonds von 300 Milliarden Euro ersetzt man keinen Lohn. Für norwegische Verhältnisse bräuchte Deutschland rund 24 Billionen Euro, mehr als das Fünffache seiner gesamten jährlichen Wirtschaftsleistung. Zweitens: Kapital wächst langsam und dann schnell. Wer in dreißig Jahren eine spürbare Ausschüttung will, muss heute anfangen einzuzahlen. Norwegen hat seinen Fonds nicht im Notfall gegründet, sondern als das Geld hereinkam.
Woher das Geld kommen könnte, ist die eigentliche politische Frage. Möglich wären ein Teil der Unternehmensgewinne aus KI, Anteile des Staates an Firmen, die er fördert, oder eine Abgabe auf Maschinen, die Arbeit ersetzen, wie sie KIPODE in Beitrag 71 diskutiert hat.
Auch zum Grundeinkommen gibt es deutsche Daten. Im Pilotprojekt Grundeinkommen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und des Vereins Mein Grundeinkommen bekamen 122 Menschen drei Jahre lang, von Juni 2021 bis Mai 2024, jeden Monat 1.200 Euro. Sie arbeiteten nicht weniger als die Vergleichsgruppe, waren zufriedener, psychisch gesünder und sparten mehr als ein Drittel des Geldes. Man sollte die Studie aber nicht überschätzen: Es war eine kleine Gruppe, befristet auf drei Jahre, und über die Frage, wie der Staat so etwas für alle bezahlen soll, sagt sie nichts.
Und selbst in der Bundesregierung ist das Thema angekommen. Digitalminister Karsten Wildberger (CDU) sagte im März 2026 der Neuen Osnabrücker Zeitung, ein bedingungsloses Grundeinkommen könne „ein Teil der Lösung werden“, um die Umwälzungen am Arbeitsmarkt aufzufangen. Die Menschen bräuchten aber auch eine sinnstiftende Tätigkeit. Das zeigt, dass das Thema in der Union angekommen ist, einen Plan der Bundesregierung gibt es dafür nicht.
Die Kritik
Beide Autoren arbeiten für Google, das legen sie im Fachaufsatz offen, und das Institut betont, die Essays seien nicht die offizielle Haltung des Konzerns. Trotzdem lohnt ein zweiter Blick: Google baut die Systeme, die Arbeit ersetzen können. Zwei seiner Ökonomen schreiben, der Staat solle im Ernstfall nicht die Löhne stützen, sondern die Bürger zu Miteigentümern machen. Das ist ehrlich, weil sie den schlimmsten Fall ernsthaft durchspielen. Es ist aber auch bequem, denn wann das passieren soll, wer es bezahlt und wem welche Anteile weggenommen oder abgekauft werden, überlassen sie der Politik. Einen belegten Vorwurf der Lobbyarbeit gibt es bisher nicht. Offen bleibt auch, wie ein deutscher Fonds an den Gewinnen amerikanischer Rechenzentren beteiligt werden soll. Kritiker bemängeln aber die Methode: Die Rangliste der „Ökonomen“ stammt aus einer Simulation mit KI-Programmen, nicht aus einer Befragung echter Fachleute. Und Landesdurchschnitte als Auslöser könnten übersehen, dass einzelne Regionen oder Berufe viel früher getroffen werden. Der amerikanische Autor Paul Millerd merkte an, Grundkapital mache jeden Einzelnen zum Kapitalisten, in den USA seien Jobgarantie oder Lohnversicherung politisch aber wahrscheinlicher.
%%EinordnungWas das für Europa und Deutschland heißt
Europa ist für Stufe 1 und 2 besser gerüstet als die USA. Arbeitslosenversicherung, Kurzarbeit und Grundsicherung gibt es hier längst, in Amerika müsste vieles davon erst gebaut werden. Das ist ein echter Vorsprung.
Für Stufe 3 hat Europa dagegen noch keinen Plan. Wenn die Gewinne einmal bei den Besitzern der Rechenzentren und Roboter landen statt auf den Lohnzetteln, hilft ein System wenig, das fast vollständig über Löhne finanziert wird. Dann stellt sich die Frage, wem die Maschinen gehören.
Die Bausteine liegen schon da. Die Frühstartrente gibt jedem Kind ein eigenes Depot, das Zukunftskapital soll ein Staatsfonds werden. Verbindet man beides, entsteht ein Bürgerfonds: Der Staat investiert in die KI-Wirtschaft, und jeder Bürger hält einen Anteil daran, der mit den Gewinnen der Maschinen wächst. Das ist genau die Antwort, die Googles eigene Ökonomen für den Ernstfall am stärksten bewerten, und sie passt zur Frage aus Beitrag 71, ob nicht auch die Maschine für das Leben des Menschen mitbezahlen muss, den sie ersetzt.
Noch ist Zeit. Der Fahrplan zeigt, woran man den Übergang von einer Stufe zur nächsten erkennt. Genau jetzt, solange die Zahlen in Deutschland noch gut aussehen, ist der richtige Moment, die dritte Stufe vorzubereiten, und nicht erst, wenn sie gebraucht wird.
Weiterlesen im KI-Radar: Warum zahlt der Mensch mehr Steuern als die Maschine? (Beitrag 71), Drei Prognosen, eine Messung (Beitrag 65) und Wenn beide Türen zugehen: Europas KI hängt an Amerika und China (Beitrag 73). Mehr zur Idee eines Grundeinkommens steht auf unserer Themenseite Bedingungsloses Grundeinkommen.