KI Radar · Beitrag 75 ← Zurück zur Übersicht Oktober 2026

Die KI forscht jetzt mit: OpenAI meldet seinen ersten KI-Forschungspraktikanten, startet Agenten, die rund um die Uhr arbeiten, und Europa muss erst einmal zuschauen

Einmal im Jahr zeigt OpenAI, die Firma hinter ChatGPT, auf ihrem Entwicklertag in San Francisco, woran sie arbeitet. Der DevDay 2026 fand am 29. September statt. Der deutsche KI-Kanal Everlast AI war vor Ort, hat die über 20 Neuerungen zusammengefasst und zusätzlich eine Firma besucht, die humanoide Roboter aus China nach Deutschland bringt. Drei Dinge daraus sind für uns wichtig: Die künstliche Intelligenz (KI) hilft inzwischen mit, die KI selbst zu verbessern. Agenten arbeiten künftig im Hintergrund weiter, während wir schlafen. Und in einem deutschen Lager trägt schon ein humanoider Roboter Kisten.

OpenAI über das Ziel, das Sam Altman vor einem Jahr ausgegeben hatte: „Nach unseren Messungen haben wir das Ziel erreicht, bis September dieses Jahres einen automatisierten Forschungspraktikanten zu haben.“OpenAI, 6. September 2026

Veröffentlicht Anfang Oktober 2026, 31 Minuten, auf Deutsch. Das Video wird erst nach Ihrem Klick von YouTube geladen, vorher geht keine Verbindung dorthin.

Schon heute in Deutschland: ein Roboter im Rossmann-Lager

Bevor es nach Amerika geht, ein Blick nach Niedersachsen. Im Logistikzentrum der Drogeriekette Rossmann in Burgwedel bei Hannover arbeitet seit März 2026 ein humanoider Roboter, also ein Roboter in Menschengestalt: der Walker S2 des chinesischen Herstellers UBTECH. Der Versuch läuft das ganze Jahr.

Geliefert hat ihn Terra Robotics, ein junges Unternehmen aus der Wortmann-Gruppe, die als einer der größten Computerhändler Europas bekannt ist. Terra Robotics verkauft die Roboter von UBTECH seit März als einziger Händler in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Bei der Vorstellung, die Everlast AI besucht hat, zeigt das Team den Einsatz, nach dem Kunden am häufigsten fragen: genormte Transportkisten von A nach B tragen, wie sie in jedem Lager und jeder Fabrik stehen. Angelernt werden die Roboter auch per VR-Brille. Ein Mensch macht die Bewegung vor, der Roboter macht sie genau nach.

Die Begründung der Händler ist nüchtern: Es fehlen Fachkräfte, und viele Tätigkeiten will ohnehin niemand machen, etwa den ganzen Tag schwere Lasten heben. Nach Medienberichten kostet ein Walker S2 derzeit rund 80.000 Dollar. UBTECH will den Preis bis 2027 auf etwa 20.000 Dollar senken.

80.000 $
kostet ein Walker S2 von UBTECH heute ungefähr (laut Medienberichten)
20.000 $
soll er nach Plänen von UBTECH bis 2027 kosten

0:21:40 · Roboter in Deutschland0:23:40 · Der erste Einsatz0:24:55 · Steuerung per VR-Brille0:25:32 · Gegen den Fachkräftemangel

Der Forschungspraktikant ist da

Im Oktober 2025 hatte OpenAI-Chef Sam Altman ein Ziel genannt, das damals wie Science-Fiction klang: Bis September 2026 wolle die Firma einen KI-Forschungspraktikanten haben, bis März 2028 einen vollwertigen KI-Forscher. Am 6. September 2026 meldete OpenAI nach eigenen Messungen, das erste Ziel sei erreicht. Auf dem DevDay war das eines der großen Themen.

Gemeint ist ein System, das klar umrissene Forschungsaufgaben unter Anleitung eines Menschen erledigt, auch solche, für die eine erfahrene Forscherin einige Tage bräuchte. Wie schnell das wächst, zeigen OpenAIs eigene Zahlen: Aufgaben, für die ein Mensch vier bis acht Stunden braucht, schafften die Agenten im Januar in 18 von 100 Fällen ganz ohne menschliche Hilfe, im Juli schon in 53 von 100.

18 von 100
Aufgaben von vier bis acht Stunden schaffte die KI im Januar 2026 ganz ohne Hilfe
53 von 100
waren es im Juli 2026, nach OpenAIs eigener Messung

Zur Einordnung: OpenAI hat das selbst gemessen, eine unabhängige Prüfung gibt es nicht. Und bei den langen Aufgaben, die am Ende gelangen, griff in mehr als der Hälfte der Fälle doch noch mindestens einmal ein Mensch ein. Ein Beispiel aus dem Alltag der Forscher nennt Everlast AI: Die Steuerung, mit der die KI einen Computer bedient, haben die Forscher mithilfe der KI selbst verbessert. Sie läuft jetzt doppelt so schnell.

0:08:43 · Der Forschungspraktikant0:09:00 · KI verbessert die KI

Agenten, die nie schlafen

Die größte Neuerung für normale Nutzer heißt „Dots“. Das sind KI-Agenten, also Programme, die selbstständig Aufgaben erledigen. Sie arbeiten dauerhaft im Hintergrund weiter, auf einem eigenen Rechner im Internet, in der sogenannten Cloud. Man spricht mit ihnen, schreibt ihnen eine Nachricht oder ruft sie an, statt lange Anweisungen zu tippen. Über Erweiterungen sind sie mit mehr als 4.000 Anwendungen verbunden, vom Kalender bis zur Buchhaltung.

Der Unterschied zu einem Chatbot: Ein Dot wartet nicht, bis man ihn fragt. Er schaut in Kalender und Programme und meldet sich selbst mit Vorschlägen. Wer etwa mehrfach nach Kennzahlen seiner Firma fragt, bekommt den Vorschlag, dafür eine eigene kleine Anwendung zu bauen, und der Dot baut sie dann auch. Laut Everlast AI gibt es für Unternehmen spezialisierte Dots für Buchhaltung, E-Mail-Werbung und Rechtsfragen.

0:02:33 · Was Dots sind0:04:00 · KI meldet sich von selbst0:06:15 · Agenten für Firmen

Schneller, billiger, mehr Menschen

Dazu kommt ein neues KI-Modell, also eine neue Fassung des Programms hinter ChatGPT: GPT-6.1 Sol. Laut OpenAI kommt es fast an das bisherige Spitzenmodell heran und kostet ein Fünftel. Ein Turbomodus schafft bis zu 300 Tokens pro Sekunde, das sind grob 200 Wörter, kostet aber das Sechsfache. ChatGPT nutzen inzwischen 1,2 Milliarden Menschen pro Woche, im Juli war es noch eine Milliarde.

Die Richtung ist eindeutig: Künstliche Intelligenz wird schneller, günstiger und selbstständiger, und das in Monaten, nicht in Jahren.

0:07:06 · GPT-6.1 Sol0:13:39 · 1,2 Milliarden Nutzer

Wie sich das entwickelt

Der Praktikant ist nur eine Zwischenstation. Das nächste Ziel, ein KI-Forscher, der eigenständig forscht, steht für März 2028, und OpenAI schreibt, man komme dabei gut voran. Wenn die KI an ihrer eigenen Entwicklung mitarbeitet, kommen neue Fähigkeiten schneller, für alle. Was heute im Labor in San Francisco passiert, dürfte in ein bis zwei Jahren in den Programmen stecken, mit denen wir im Büro arbeiten.

Bei den Robotern zeigt sich dasselbe Muster. Die Chinesen liefern, sagt Everlast AI: Während amerikanische Firmen vor allem eindrucksvolle Vorführungen zeigen, steht ein chinesischer Roboter schon in einem deutschen Lager. Sinken die Preise wie geplant, werden aus einzelnen Versuchen ganze Flotten.

0:21:19 · China liefert

EinordnungWas das für Europa und Deutschland heißt

Die wichtigste Zeile steht im Kleingedruckten: Im Pro-Abo startet Dots nicht im Europäischen Wirtschaftsraum, also in der EU sowie Norwegen, Island und Liechtenstein, nicht in der Schweiz und nicht in Großbritannien. Einen Termin für Europa nennt OpenAI nicht. Die Agenten, die in Amerika ab sofort Arbeit übernehmen, gibt es für Pro-Kunden bei uns vorerst nicht.

Man kann das gelassen sehen, denn so wird neue Technik erst einmal anderswo erprobt. Man kann es auch so sehen: Amerikanische Nutzer und Firmen sammeln jetzt Erfahrung mit Agenten, die Europa nicht hat. Beim Internet hat so ein Vorsprung gereicht, um für Jahrzehnte die großen Plattformen zu stellen.

Die gute Nachricht kommt aus Burgwedel. Bei den Robotern ist Deutschland nicht nur Zuschauer, sondern schon mit dabei. Der nächste Schritt wäre, dass solche Roboter nicht nur aus China kommen, sondern auch bei europäischen Firmen wie NEURA Robotics aus Metzingen in Serie entstehen, und dass es europäische Agenten gibt, bevor die amerikanischen auch bei uns ankommen.

Am 26. Oktober kommt OpenAI mit einem Ableger seines Entwicklertags, dem DevDay Exchange, nach Berlin. Eine gute Gelegenheit, die Frage laut zu stellen: Wollen wir die Agenten der anderen nur nutzen, oder bauen wir eigene? Diese Diskussion sollte jetzt geführt werden. Was meinen Sie?

Weiterlesen im KI-Radar: Peter Thiel: Europa liegt bei KI extrem weit zurück (Beitrag 74), Wenn beide Türen zugehen: Europas KI hängt an Amerika und China (Beitrag 73) und Warum die Hand das schwerste Stück am Roboter ist (Beitrag 70).

Quellen: Everlast AI, Das neue ChatGPT ist da: Alle 20+ Updates, YouTube, Oktober 2026 · OpenAI, Research acceleration: a view inside OpenAI, 06.09.2026 · TechCrunch, Altmans Zeitplan, 28.10.2025 · OpenAI, Introducing Dots, 29.09.2026 · OpenAI, DevDay 2026 Recap, 29.09.2026 · OpenAI, Introducing GPT-6.1 Sol, 29.09.2026 · Terra Robotics, UBTECH-Exklusivvertrieb DACH, 24.03.2026 · Rossmann, Pressemitteilung humanoider Roboter, 26.03.2026 · The Verge, 1,2 Milliarden Wochennutzer, 29.09.2026.

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