kipode.de Transatlantik
Transatlantik · The Diary of a CEO

Zwölf Minuten, ein iPad, 4,2 Milliarden

Adam Neumann hat WeWork gegründet und die Firma bis zu einer Bewertung von 47 Milliarden Dollar getrieben, dann brach alles zusammen. Bei Steven Bartlett erzählt er seine Fassung der Geschichte: wie ein Angebot auf dem Rücksitz eines Autos sein Ego wachsen ließ, warum er nach eigenen Worten freiwillig zurücktrat und warum er das Fallen heute für den wichtigsten Teil des Lebens hält.

28. September 2026 Adam Neumann · Steven Bartlett 2 Std. 15 Min. Originallänge · Kurzfassung zum Lesen

Das Video wird erst nach Ihrem Klick von YouTube geladen. Vorher geht keine Verbindung dorthin.

Adam Neumann hat 2010 in New York das Unternehmen WeWork mitgegründet. Die Firma mietete ganze Bürohäuser an, teilte sie in kleine Arbeitsplätze mit gemeinsamen Küchen und Treffpunkten auf und vermietete diese Plätze weiter. Neun Jahre später war WeWork auf dem Papier 47 Milliarden Dollar wert, wenige Wochen danach scheiterte der Börsengang, und Neumann trat als Chef zurück. Bei Steven Bartlett, dem britischen Unternehmer und Gastgeber des Podcasts The Diary of a CEO, erzählt er gut zwei Stunden lang seine Fassung dieser Geschichte. Video ab 0:02:57 Im Mittelpunkt steht eine Autofahrt mit dem japanischen Investor Masayoshi Son, nach der er nach eigenen Worten vergaß, wofür seine Firma eigentlich da war. Video ab 1:09:03

Der GastWer da redet und was er heute macht

Neumann stellt sich zuerst nicht als Unternehmer vor. Er sei vor allem Ehemann, dann Vater von sechs Kindern, dann Freund und erst danach Gründer. Video ab 0:02:57 Aufgewachsen ist er in Israel und für einige Jahre in den USA, bei einer Mutter, die als Ärztin arbeitete und an einer bipolaren Störung litt, einer Krankheit mit starken Stimmungsschwankungen. Video ab 0:04:53 Über diese Kindheit spricht er im Gespräch sehr offen, und die Videobeschreibung warnt vor Schilderungen von Gewalt und Missbrauch. Wir geben diese Stellen hier nicht wieder. Für Neumann zählt, was er daraus gelernt hat: Man bestimme nicht, was einem passiert, wohl aber, wie man darauf antwortet. Video ab 0:15:40

Heute baut er mit seiner Firma Flow Wohnhäuser, in denen Mieter Gemeinschaft finden sollen. Die Investmentfirma Andreessen Horowitz, einer der bekanntesten Geldgeber für junge Technikfirmen im Silicon Valley, hat nach seinen Worten 470 Millionen Dollar in Flow gesteckt, seine Familie weitere 350 Millionen. Video ab 0:51:05

Der AnfangWie aus einem halbleeren Haus WeWork wurde

Mit 21 wollte Neumann nach eigenen Worten Milliardär werden. Er glaubte, Geld werde die Lücke füllen, die seine Kindheit hinterlassen hatte. Video ab 0:20:12 Drei Firmen scheiterten. Dann lernte er Rebecca kennen, heute seine Frau. Nach einer Woche sagte sie ihm, er sei nicht der Richtige für sie, weil er nur materiellen Dingen nachjage. Video ab 0:07:13 Geld zu jagen funktioniere nicht. Er solle herausfinden, was er besonders gut kann, und das mit etwas verbinden, das für die Welt wichtig ist. Video ab 0:21:01 Drei Monate später machte er ihr einen Heiratsantrag. Video ab 0:22:06

2008, mitten in der Finanzkrise, saß Neumann mit einer Firma für Babykleidung in einem New Yorker Haus, das größtenteils leer stand. Der Vermieter sagte ihm regelmäßig, seine Babykleidung tauge nichts. Neumann antwortete, die Häuser des Vermieters taugten auch nichts, schließlich stünden sie leer. Video ab 0:23:35 Daraus entstand die Firma Green Desk. Neumann und der Architekt Miguel McKelvey teilten eine Etage in kleine Büros auf, stellten eine Empfangskraft ein und vermieteten die Plätze einzeln. Nach einer Woche war das Haus zu 92 Prozent belegt, und zum ersten Mal verdiente eine seiner Firmen mehr Geld, als sie ausgab. Video ab 0:24:51

Green Desk verkauften sie für 1,5 Millionen Dollar an ihren Partner. Bar ausgezahlt wurden zunächst nur 300.000 Dollar, und genau diesen Betrag verlangte der Vermieter als Scheck, bevor er ihnen das erste Haus für WeWork überließ. Video ab 0:22:58 Auf eine Glaswand zeichneten sie damals einen großen Kreis aus vielen kleinen Kreisen, darin Arbeit, Freunde, Reisen und Gesundheit. Es sei nie um Schreibtische und Stühle gegangen, sagt Neumann, sondern darum, dass Menschen sich ein Leben aufbauen und nicht bloß ihren Lebensunterhalt verdienen. Video ab 0:19:51

Die ArbeitsweiseGroß träumen und selbst den Besen nehmen

Wer etwas gründet, solle zuerst so groß träumen wie möglich, dann tief durchatmen und mit dem ersten Schritt beginnen. Beides gehöre zusammen, das ferne Ziel und die Arbeit, die heute zu tun ist. Video ab 0:27:12 Wie er das meint, zeigt eine Geschichte vom zweiten WeWork-Haus. Für die Holzböden lagen Angebote zwischen 30.000 und 45.000 Dollar je Etage vor, so viel Geld war nicht da. Neumann ließ sich aufschlüsseln, was Holz, Nägel, Kleber und Arbeitsstunden einzeln kosten, und bot den Handwerkern 15 Prozent Aufschlag auf diese Kosten an. Die erste Etage kostete danach 12.000 Dollar, und aus den Handwerkern wurde später die eigene Baufirma von WeWork. Video ab 0:38:40 Bartlett vergleicht das mit dem, was Elon Musk Denken aus ersten Grundsätzen nennt: jede Annahme bis auf ihre einzelnen Bausteine zurückzuverfolgen. Video ab 0:39:10

Das Tempo wurde enorm. Im ersten Jahr eröffnete WeWork ein Haus, im neunten Jahr nach Neumanns Worten zwei Häuser am Tag. Video ab 0:42:06 Bei solchem Wachstum helfe heute Technik, sagt er, und künstliche Intelligenz sei hier besonders spannend, weil sie viele Abläufe abkürzen könne. Video ab 0:43:07 Dann folgt ein Satz, auf den er im Gespräch immer wieder zurückkommt: Die Firma sei schneller gewachsen als er selbst. Wenn eine Firma schneller wächst als ihr Gründer, breche sie entweder zusammen, oder der Gründer halte sie zusammen und werde dabei nicht glücklich. Video ab 0:43:55

Die AutofahrtZwölf Minuten, ein iPad, 4,2 Milliarden

Ende 2016 kündigt Masayoshi Son, der Gründer des japanischen Technologiekonzerns SoftBank, einen Besuch bei WeWork an. Son sammelt zu dieser Zeit den Vision Fund ein, mit rund hundert Milliarden Dollar der größte Fonds für Beteiligungen an jungen Firmen, den es bis dahin gab. Video ab 1:00:28 Am Abend davor hat Neumann mit seinem Verwaltungsrat beschlossen, 300 bis 400 Millionen Dollar einzusammeln, das Wachstum zu bremsen, Gewinn zu machen und danach an die Börse zu gehen. Video ab 1:00:01

Aus den geplanten 90 Minuten werden zwölf, weil Son anschließend den gerade gewählten Präsidenten Donald Trump trifft. Video ab 1:01:24 Neumann fragt, ob ihn Jared Kushner vorstellt, Trumps Schwiegersohn und ein enger Freund Neumanns, und schreibt Kushner sofort eine Nachricht. Video ab 1:01:48 In der Eingangshalle sagt Son, hier rieche es nach Träumen, WeWork sei eine Fabrik für Träume. Video ab 1:02:43 Weil die Zeit drängt, lädt er Neumann ein, im Auto mitzufahren.

Im Auto fragt Son nach der Bewertung und nach dem Betrag. 300 bis 400 Millionen reichten nicht, sagt Son, ob Neumann denn kein weltweites Geschäft wolle, auch in Japan und in Südostasien. Er schlägt drei Milliarden vor. Video ab 1:05:14 Am Ende der Fahrt stehen 4,2 Milliarden Dollar für WeWork und für die Ableger in China, Japan und Südostasien. Video ab 1:06:21 Son schreibt alles auf ein iPad, unterschreibt, reicht Neumann den Stift und steigt zu seinem Termin aus. Video ab 1:07:56

Neumann geht danach zu Fuß von der 54. zur 18. Straße, wo WeWork seinen Sitz hat. Mit jedem Schritt, sagt er, sei sein Ego gewachsen. Er rechnete mit 20 Milliarden Dollar Bewertung, seinem Anteil von etwa einem Viertel und seinem Vermögen, und als er im Büro ankam, hatte er vergessen, worum es ging. Video ab 1:09:03 Ego und Begehren seien für ihn dasselbe Wort. Ein großes Ego brauche man, um Großes zu bauen, man müsse es aber im Zaum halten. Video ab 1:10:24 Weil eine Firma von oben geführt werde, habe sich sein Fehler auf alle übertragen: „Als ich es verlor, verloren es alle.“ Video ab 1:11:16

Gewarnt worden sei er. Marc Benioff, der Gründer des Softwarekonzerns Salesforce, habe ihn angerufen und geraten, nach Japan zu fliegen und Son abzusagen. Video ab 1:11:51 Stattdessen solle er WeWork zu einer Bewertung von fünf Milliarden Dollar an die Börse bringen und lernen, eine börsennotierte Firma zu führen. Video ab 1:12:14 Neumann hörte nicht darauf, weil sie sich damals noch nicht lange kannten.

Der AbsturzWie Neumann das Ende von WeWork erzählt

Ab hier schildert Neumann eine Kette von Ereignissen, die in der Öffentlichkeit meist anders erzählt wurde. Im März 2018 habe Son angeboten, WeWork für 20 Milliarden Dollar in bar zu übernehmen, zehn Milliarden für die bisherigen Anleger und zehn Milliarden für die Kasse der Firma. Neumann und seine Führungsleute hätten 30 Prozent behalten. Video ab 1:40:44 Weil Neumann selbst Teil des Geschäfts war, verhandelte ein Ausschuss aus zwei Mitgliedern des Verwaltungsrats, darunter ein Vertreter der Beteiligungsfirma Benchmark. Nach Neumanns Darstellung wollten sie bis zu 32 Milliarden herausholen. Video ab 1:45:11 Als im Dezember 2018 alles unterschriftsreif war, war die Aktie von SoftBank gefallen, und Son sagte ab. Video ab 1:46:20 Weil WeWork längst Mietverträge für das geplante Wachstum unterschrieben hatte, sei nur der Börsengang geblieben, für den die Firma nicht bereit gewesen sei. Video ab 1:47:46 Und dann der Satz: „Ich, Adam, war nicht bereit.“ Video ab 1:48:45

Den Fehler im Geschäftsmodell benennt er selbst. WeWork habe sich mit langen Mietverträgen gebunden und die Plätze nur kurzfristig weitervermietet. Video ab 1:07:13 Bei Flow mache er es anders, und die Software dort sei ein verbundenes System, das für jede Etage und sogar für jede Ecke eines Hauses wisse, ob sie Geld verdient. Die Technik von WeWork habe das nie gekonnt. Video ab 0:59:15

Im August 2019 legte WeWork den Börsenprospekt vor, im September wurde der Börsengang verschoben. Neumann sagt, er sei freiwillig als Chef zurückgetreten, denn er habe die Mehrheit der Stimmen gehalten. Video ab 1:51:17 Eine Großbank habe zugesagt, WeWork mit zwei Milliarden Dollar zu stützen, wenn er gehe, und man werde sich um seinen privaten Kredit über 460 Millionen Dollar kümmern. Video ab 1:52:32 Wenige Minuten nach dem Rücktritt sei ein Schreiben der Bank gekommen. Er habe den Vertrag verletzt und müsse den Kredit binnen 15 Tagen zurückzahlen, sonst gingen seine Aktien und mit ihnen die Kontrolle über WeWork an die Bank. Video ab 1:53:53 Seine Lehre daraus formuliert er drastisch: Wer den König angreift, müsse ihn auch erledigen, sonst komme er zurück. Video ab 1:54:48 Am Ende habe Son die Schulden bei den Banken abgelöst und dafür die Kontrolle über die Firma bekommen. Video ab 1:55:51

Der HaltDie Nacht, in der er weinte

Wenige Tage später wacht Neumann nachts neben seiner Frau auf und weint, zum ersten Mal, seit sie ihn kennt. Er sagt ihr, sie hätten alles verloren. Video ab 1:58:01 Die hundert Millionen Dollar, die er für den Notfall auf ihren Namen zurücklegen sollte, hatte er nie zurückgelegt, und eine persönliche Bürgschaft, die er nie unterschreiben wollte, hatte er doch unterschrieben. Rebecca antwortet, ihre Mutter habe ein abbezahltes Haus im Norden des Bundesstaats New York, dort könnten sie erst einmal wohnen. Video ab 1:59:30 Und wenn er nicht mehr gründen wolle, zögen sie nach Costa Rica, sie unterrichte die Kinder zu Hause, und sie gingen morgens und abends surfen. Video ab 1:59:42

In diesem Moment, sagt Neumann, sei er zum ersten Mal erwachsen geworden. Am nächsten Morgen um sechs Uhr ging er lächelnd zu den drei Leuten, die von zuvor 13.000 Beschäftigten an seiner Seite geblieben waren. Video ab 0:31:42 Er sagte ihnen einen Satz, den ihm sein spiritueller Lehrer am Abend davor am Telefon mitgegeben hatte: Der dunkelste Moment der Nacht liege kurz vor dem Morgengrauen. Video ab 0:30:43

Die Geschichte hat ein Nachspiel. Am 1. April 2020 sollte SoftBank Neumann und anderen Anteilseignern Aktien für drei Milliarden Dollar abkaufen. Ende März kam nach Neumanns Worten die Absage. Video ab 2:04:53 Nach einem Rechtsstreit einigten sich beide Seiten auf ungefähr die Hälfte. Neumann erzählt, Rebecca habe den ausgehandelten Vergleich wenige Tage vor der Geburt ihres Sohnes abgelehnt, weil das Geld erst zwei Monate später fließen sollte. Entweder sei es bis Freitag früh auf dem Konto, oder man sehe sich am Montag vor Gericht. Video ab 2:07:16 Um halb fünf am Freitagmorgen kam das Geld, um acht Uhr wurde der Sohn geboren. Video ab 2:10:08

Die TechnikWas Neumann über KI und das Telefon sagt

Künstliche Intelligenz ist in diesem Gespräch ein Nebenthema. Die deutlichste Stelle kommt, als Bartlett nach Ratschlägen für junge Gründer fragt. Neumann sagt, mit dem Kommen der KI werde gerade jeder zum Gründer und könne eine Firma starten, und das gelte für Zwölfjährige ebenso wie für Sechzigjährige. Video ab 1:19:29 Sein erster Rat sei trotzdem kein Tempo, sondern der Blick nach innen. Man solle herausfinden, woran man an sich selbst arbeiten muss, und sich eine einzige Sache vornehmen statt vieler. Video ab 1:19:44

Ausführlicher spricht er über das Telefon. Seit etwa zehn Jahren hält er den Schabbat, den jüdischen Ruhetag, und ist von Freitagabend an 25 Stunden ohne Technik bei Familie und Freunden. Video ab 1:30:08 Allen anderen empfiehlt er einen technikfreien Tag ausdrücklich ohne Religion: einmal in der Woche das Telefon wegschließen oder einem Freund geben. In den ersten zwei Stunden greife die Hand ständig zur Hosentasche, und daran sehe man, dass es eine echte Sucht sei. Video ab 1:30:57 Am Ende des Tages fühle man sich großartig, und zehn Minuten nach dem Einschalten sei man wieder auf der falschen Frequenz. Video ab 1:31:22 Bartlett gibt zu, dass ihm schon der Gedanke daran unangenehm ist, und sagt vor laufender Kamera zu, es im September einmal auszuprobieren. Video ab 1:34:26

Gemeinschaft statt Vereinzelung ist auch das Geschäftsmodell von Flow. Die Videobeschreibung nennt als Ziel der Firma, etwas gegen die Einsamkeit unserer Zeit zu tun. Den Satz dazu sagt im Gespräch allerdings ein anderer. Marcelo Claure, damals einer der führenden Manager bei SoftBank, habe Rebecca im Jahr 2020 gesagt, die Welt sei einsam und ohne Verbindung, die Menschen bräuchten Gemeinschaft, und die Neumanns seien ihrer Zeit voraus gewesen. Video ab 2:09:27

Die LehrenWas Neumann zum Schluss aufschreiben lässt

Am Ende lässt Bartlett seinen Gast fünf Lehren auf Karten festhalten. Neumann diktiert sie, weil er Legastheniker ist. Video ab 2:10:37 Man solle Lebenspartner, Freunde und Geschäftspartner danach wählen, wie sie am schlimmsten Tag zu einem stehen, und nicht danach, wie sie am besten sind. Video ab 2:10:54 Es komme im Leben nicht darauf an, wie man fällt, sondern wie man wieder aufsteht. Video ab 2:11:05 Man solle den Partner wählen, der einen zur besten Fassung seiner selbst macht. Kontrolle entstehe nicht aus Macht, sondern aus Einfluss, und den müsse man sich jeden Tag neu verdienen. Video ab 2:11:20 Und jeder solle sich selbst kennenlernen, um seinen eigenen Weg zu gehen. Video ab 2:11:37

Zum Abschied liest Bartlett aus einem Brief von Ben Horowitz vor, dem Mitgründer der Investmentfirma Andreessen Horowitz. Man solle einen Gründer nie nach seinem schlechtesten Moment beurteilen, schreibt Horowitz, und bei Neumann sei das leicht gefallen. Video ab 2:12:25

Die GegenprobeWo Neumanns Fassung von den Belegen abweicht

Als Bartlett ihn darauf anspricht, er habe sich die Marke „We“ gesichert und sie an die eigene Firma verkauft, sagt Neumann: „Das stimmt nicht.“ Video ab 1:50:14 Der Börsenprospekt vom August 2019 nennt eine Zahlung von 5,9 Millionen Dollar an eine Gesellschaft, die Neumann mitkontrollierte, für die Rechte an dem Namen. Nach öffentlicher Kritik zahlte Neumann das Geld im September 2019 an WeWork zurück, wie der amerikanische Wirtschaftssender CNBC berichtete.

Die Absage der drei Milliarden im April 2020 nennt Neumann höhere Gewalt wegen der Pandemie. SoftBank begründete sie am 2. April 2020 damit, dass vereinbarte Bedingungen nicht erfüllt seien, worauf WeWork und Neumann klagten. Beim Vergleich im Februar 2021 zahlte SoftBank nach eigener Mitteilung rund 1,6 Milliarden Dollar.

Einige Zahlen rundet Neumann großzügig. SoftBank gab im August 2017 eine Beteiligung von 4,4 Milliarden Dollar bekannt. Laut Börsenprospekt hatte WeWork Mitte 2019 528 Standorte in 111 Städten und 29 Ländern, Neumann spricht von 130 Städten und 50 Ländern. Seine Aktien trugen laut Prospekt zwanzig Stimmen je Aktie, er selbst nennt ein Verhältnis von fünf zu eins. Der Umsatz lag 2017 bei 886 Millionen Dollar und 2018 bei 1,8 Milliarden, der Verlust 2018 bei 1,6 Milliarden Dollar.

Was im Gespräch fehlt: Im November 2023 meldete WeWork in den USA Insolvenz nach Kapitel 11 an, einem Verfahren, in dem sich eine Firma unter Aufsicht eines Gerichts neu ordnet. Neumann hatte das Unternehmen da schon vier Jahre verlassen.

Auf einem der Vorschaubilder des Videos ist von KI als Einsamkeitsfalle die Rede. Diesen Gedanken spricht im Gespräch niemand aus. Was Neumann sagt, betrifft das Telefon als Sucht und die Einsamkeit unserer Zeit allgemein. Über künstliche Intelligenz spricht er nur an den oben genannten Stellen.

EinordnungWas das für Europa heißt

Neumanns neue Firma Flow setzt auf ein Problem, das in Europa inzwischen Politik geworden ist. Die Bundesregierung hat im Dezember 2023 eine Strategie gegen Einsamkeit beschlossen. Das erste Einsamkeitsbarometer des Bundesfamilienministeriums vom Mai 2024 zeigt, dass sich 2021 rund 11,3 Prozent der Erwachsenen in Deutschland einsam fühlten. Im ersten Pandemiejahr 2020 waren es 28,2 Prozent. Am häufigsten betroffen waren 2021 die 18- bis 29-Jährigen mit 14,1 Prozent. Die Zahlen stehen in der Mitteilung des Ministeriums.

Die Geschichte der Autofahrt handelt auch von Geld in einer Größenordnung, die es in Europa lange nicht gab: ein einzelner Investor, der in einer halben Stunde vier Milliarden Dollar zusagt. Anfang August 2026 hat die EU-Kommission den Scaleup Europe Fund mit fünf Milliarden Euro gestartet. Er soll sich an Firmen für künstliche Intelligenz, Quantencomputer, Biotechnologie und saubere Energie beteiligen, damit diese für großes Wachstumskapital nicht ins Ausland gehen müssen. Die Kommission beschreibt den Fonds in ihrer Ankündigung.

Eine europäische Spur führt durch das Gespräch selbst. Die Firma für künstliche Surfwellen, an der WeWork nach Neumanns Worten 48 Prozent für sieben Millionen Dollar kaufte, ist Wavegarden aus San Sebastián im Baskenland. Video ab 1:26:13 Gegründet wurde sie 2005 von dem Ingenieur José Manuel Odriozola und der Sportökonomin Karin Frisch. Nach Neumanns Rücktritt gingen die Anteile laut ihm für fünf Millionen Dollar an die Gründer zurück. Die Umsätze, die er für Wavegarden heute nennt, sind seine Angaben.

Zusammenfassung und Einordnung von kipode.de. Der Text ist unser eigener; Aussagen im Original mit Zeitmarke. Das Video stammt von The Diary of a CEO und wird über den offiziellen YouTube-Player eingebunden. Keine offizielle Übersetzung, keine Verbindung zum Podcast.

Über Transatlantik

Was drüben gesagt wird, hier nachlesbar.

Transatlantik ist die Abteilung von kipode.de für amerikanische Debatten über künstliche Intelligenz. Wir hören die Gespräche zu Ende, fassen sie in eigenen Worten zusammen und setzen Zeitmarken ins Original, damit jede Aussage nachprüfbar bleibt.

Am Schluss steht die Frage, die drüben niemand stellt: Was heißt das für uns in Europa? Jede Folge gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.

4Sprachen je Folge
100 %eigener Text, kein übersetztes Transkript
0heruntergeladene Videos oder Bilder — nur der offizielle Player

Alle Folgen ansehen →