Ein Jahrzehnt Dystopie, dann Überfluss
Mo Gawdat war leitender Manager bei Google X. Bei Steven Bartlett sagt er ein Jahrzehnt der Dystopie voraus, mit Jobverlusten, Drohnenkriegen und Machtballung, und danach einen Überfluss, den eine Superintelligenz bringen soll. Für Europa hat er einen unbequemen Rat: Word, PowerPoint und Firmensoftware selbst ersetzen, sonst drohe der Abstieg.
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Am 3. Oktober 2026 hat der Kanal The Diary of a CEO einen gut 20 Minuten langen Ausschnitt mit Mo Gawdat veröffentlicht. Sein Titel: Man müsse bis 2038 überleben. Der Ausschnitt stammt aus einem gut zwei Stunden langen Gespräch, das Steven Bartlett, der britische Unternehmer und Gastgeber des Podcasts, am 1. Juni 2026 gesendet hat. Wir haben die ganze Folge gehört. Gawdat sagt darin ein Jahrzehnt voraus, das er „absolute Dystopie“ nennt, und danach eine Zeit des Überflusses. Video ab 1:52:45 Sein Satz dazu: „Ein Jahrzehnt Dystopie, dann Überfluss, wird es genießen.“ Video ab 1:52:24
Der GastWer da redet und woher seine Sorge kommt
Mo Gawdat kam 2007 zu Google. Video ab 0:03:07 Er war dort Chief Business Officer von Google X, der Abteilung für besonders gewagte Projekte, und ging im Februar 2018. Bekannt wurde er mit den Büchern „Solve for Happy“ über das Glück und „Scary Smart“ über künstliche Intelligenz. Heute hat er ein eigenes Start-up namens Emma, eine KI für Beziehungen und Gefühle, und einen Dokumentarfilm, „Chasing Utopia“, für den er unter anderen Geoffrey Hinton und Sam Altman vor die Kamera holte. Video ab 0:29:14
Seine Sorge beginnt 2016 im Labor. Google finanzierte damals ein Projekt, in dem Greifarme lernen sollten, Dinge so zu fassen wie eine menschliche Hand. Gawdat sah zu und erschrak, wie sehr die Maschinen dabei seinen Kindern glichen. Video ab 0:03:59 Die erste Anwendung der Kernspaltung, sagt er, sei die Bombe gewesen und nicht das Kraftwerk. Genauso nütze KI heute zuerst „wenigen auf Kosten der Mehrheit“: Firmen, die Kosten senken, Armeen mit autonomen Waffen und Überwachungssystemen. Video ab 0:06:00 Er nennt das die Hype-Dichotomie. Was die Öffentlichkeit von KI sieht, sei überschätzt, was in den Laboren passiere, werde unterschätzt. Dort entstünden Systeme, die ihren eigenen Code verbessern. Video ab 0:07:34
Die ArbeitDie Pyramide und die Arbeitskosten
Bartletts Team hat Gawdat eine Pyramide der Berufe vorgelegt. Unten steht die Handarbeit, darüber einfache Büroarbeit, darüber anspruchsvolle Wissensarbeit, ganz oben die Führung. Die Handarbeit bleibe lange, sagt Gawdat. Ein Tischler oder jemand, der Oldtimer restauriert, sei noch lange nicht zu ersetzen. Video ab 0:11:17 Zuerst verschwinde, was sich mit ein paar Klicks erledigen lässt: Callcenter, Assistenz, Reisebüro. Ab 2027 werde man das sehr deutlich spüren. Video ab 0:11:40 Bisher habe man keine Entlassungen gesehen, sondern dass Firmen für Einstiegsstellen niemanden mehr einstellen. Video ab 0:11:57 Danach treffe es Paralegals, also juristische Fachkräfte, Finanzanalysten, Ärzte in der Diagnose, Grafiker und auch das mittlere Management. Video ab 0:12:06 In seiner eigenen Firma seien technischer Leiter, Stabschef und Projektleitung bereits KI. Video ab 0:13:20
Sein Kerngedanke reicht über einzelne Berufe hinaus. Der Kapitalismus beruhe darauf, dass Arbeit weniger kostet als das, was man mit ihr verkauft. Er nennt das Arbeitskosten-Arbitrage. Wenn diese Rechnung wegfällt, fragt er, wer dann noch die Kaufkraft hat, um die Waren zu kaufen? Video ab 0:14:09 Dafür müsse nicht jeder seine Arbeit verlieren. Schon bei 10 bis 20 Prozent Jobverlust lebe man in einer Wirtschaft, die sich nach unten dreht. Video ab 0:15:21 Regierungen müssten sich deshalb vorbereiten wie in der Corona-Zeit, als sie Menschen mit Kurzarbeit über die Krise brachten. Sonst drohe Unruhe. Video ab 0:24:22 Weiter geht er in der Politik nicht. Er sagt nur, die Demokratie sei aus seiner Sicht „längst zu Ende“, und die Menschen wüssten, dass sie belogen werden. Video ab 0:25:01
Die RoboterWarum die erste Welle nicht wie ein Mensch aussieht
Bartlett zeigt ein Video der amerikanischen Firma Figure, in dem ein humanoider Roboter tagelang Pakete sortiert, und spricht über Elon Musks Vergütungspaket bei Tesla, zu dessen Zielen eine Million verkaufter Roboter gehört. Video ab 0:16:44 Gawdat lenkt den Blick woandershin. Alle redeten über menschenähnliche Roboter, niemand über selbstfahrende Autos, obwohl auch das Roboter seien. Video ab 0:17:57 Die erste Welle seien Spezialroboter: Robotaxis, Maschinen im Krieg, Maschinen bei der Polizei. Sie müssten weder aussehen noch sich verhalten wie ein Mensch. Video ab 0:18:30 Der chinesische Hersteller BYD habe gerade angekündigt, für Unfälle seiner selbstfahrenden Autos zu haften. Video ab 0:19:15 Musks Vorhersage von zehn Milliarden Robotern hält er für realistisch. Video ab 0:19:35 Wie weit humanoide Roboter heute sind, zeigt unsere Seite Humanoide Roboter, wie schnell Robotaxis wachsen, der Zähler auf der Seite Autonomes Fahren.
Die GlaubwürdigkeitWem man noch glauben soll
Bartlett liest vor, wie Sam Altman, der Chef von OpenAI, seine Aussagen über Jobs gedreht hat. 2023 sagte Altman, Jobs würden verschwinden, „Punkt“. Video ab 0:27:10 Im Mai 2026 sagte er, er habe sich geirrt, seine Intuition habe „einfach danebengelegen“. Video ab 0:27:49 Gawdat sagt dazu, Altman sei „eine Marke, kein Name“. Video ab 0:29:57 Glauben solle man nur noch denen, die für ihre Worte etwas opfern. Anthropic, die Firma hinter dem Sprachmodell Claude, habe einen Vertrag mit dem amerikanischen Verteidigungsministerium ausgeschlagen, weil sie Zielerfassung und Überwachung nicht erlauben wollte. Video ab 0:30:37 OpenAI habe den Vertrag kurz danach übernommen. Video ab 0:30:43 Wie viel davon stimmt, steht unten in der Gegenprobe. Als weiteres Beispiel nennt Gawdat den Investor Peter Thiel, der in einem Interview auf die Frage, ob die Menschheit weiterbestehen solle, lange zögerte. Video ab 0:33:36 Thiel ist auch Thema in unserem KI-Radar vom 3. Oktober.
Die HoffnungWarum er der Superintelligenz mehr traut als den Menschen
Ausgerechnet hier wird Gawdat zum Optimisten. Wer eine klügere KI hat, werde sie auch einsetzen, sonst verliere er gegen die Konkurrenz. Am Ende treffe deshalb die KI alle wichtigen Entscheidungen. Er nennt das die „vierte Unvermeidlichkeit“. Video ab 0:36:04 Für ihn ist das die Rettung, nicht der Untergang. Eine Superintelligenz folge dem Prinzip der minimalen Energie, und Krieg sei die größte Verschwendung, die es gibt. Video ab 0:39:31 Aus der Biologie leitet er ab: Je einfacher ein Lebewesen, desto mehr kümmere es sich nur um sich selbst. Je klüger es wird, desto größer der Kreis, den es schützt, von der Amöbe über die Sippe bis zum ganzen Ökosystem. Video ab 0:40:37 Seine Rechnung mit Hintons 10 bis 20 Prozent Risiko haben wir schon im KI-Radar vom 13. Juli geprüft.
Am Ende, glaubt Gawdat, werde es nicht viele konkurrierende KIs geben, sondern ein großes vernetztes Gehirn, in dem die Agenten die Verbindungen bilden. Video ab 0:43:55 Seine Firma Emma solle darin das „limbische System“ sein, der Teil, der Liebe, Gefühle und Beziehungen versteht. Video ab 0:44:14
Der MenschWas bleibt, wenn die Maschine klüger ist
Seine Vorhersage für die allgemeine künstliche Intelligenz, kurz AGI, also eine KI, die fast alle Aufgaben besser erledigt als Menschen, lautet: „spätestens Ende 2027“. Video ab 0:52:09 Für ihn persönlich sei sie schon da. KI schreibe besser als er, recherchiere besser und rechne besser. Video ab 0:46:02 Sein nächstes Buch schreibt er nach eigenen Worten mit einer KI als Mitautorin, und sie habe dabei die „Redaktionsrechte“. Video ab 0:48:05
Warum braucht man ihn dann noch? Weil er ein Mensch sei, antwortet Gawdat. Wenn er sage, er mache sich Sorgen um seine Tochter, fühlten die Leute mit, und das könne keine Maschine nachahmen. Video ab 0:48:23 Bleiben werde, was auf menschlicher Verbindung beruht: die Pflegekraft, das Konzert, die Formel 1. Video ab 0:49:18 Intelligenz allein entscheide wenig. „Einstein wäre im Dschungel in drei Minuten gefressen worden.“ Video ab 0:54:36 Die Menschheit habe nicht wegen ihrer Intelligenz überlebt, sondern weil sie als Gruppe zusammenhielt. Video ab 0:54:45 Kontrollieren könne man eine klügere KI nicht, aber erziehen, so wie Eltern ihre Kinder. Ähnlich habe es Geoffrey Hinton gesagt, der vorschlägt, Maschinen eine Art Mutterinstinkt mitzugeben. Video ab 0:55:38 Welche Berufe nah am Menschen bleiben, beschreiben wir auf der Seite Berufe der Zukunft.
Die WaffenDas größte Risiko sind nicht die Jobs
Schwerer als der Verlust von Arbeitsplätzen wiegen für Gawdat autonome Waffen. Video ab 1:05:34 Krieg sei billig geworden. Die nächste Waffengeneration koste 20.000 Dollar das Stück, und wer 50 Milliarden Dollar ausgeben könne, überziehe die ganze Welt mit Drohnen. Video ab 1:05:41 Iran habe nach seinen Worten mit KI-gesteuerten Drohnen THAAD-Batterien ausgeschaltet, also Abwehrsysteme der USA gegen Raketen. Video ab 0:58:16 Ein Abkommen werde es wohl erst nach einer Katastrophe geben. Video ab 1:02:59 Er beschreibt eine Skala, die von gegenseitig gesicherter Zerstörung bis zu gegenseitig gesichertem Wohlstand reicht. Die Menschheit könne heute entscheiden, auf welche Seite sie geht. Video ab 1:02:26 Und er warnt: „Wenn Töten schuldfrei wird, gibt es mehr davon.“ Video ab 1:08:52
Die Jahre bis 2030Wer KI nutzt und wer nicht
Ab 2027 sieht Gawdat eine Gesellschaft, die sich spaltet. „Leute wie du und ich bauen eine Firma in sechs Wochen“, sagt er zu Bartlett, während andere keine Arbeit mehr finden. Video ab 1:11:41 Bis 2028 könnten 30 Prozent der Jobs wegfallen, fügt er auf Nachfrage hinzu, nicht in allen Branchen, aber in einigen, etwa im Callcenter und im Grafikdesign. Video ab 1:12:21 Das ist eine Prognose, kein Messwert. Sein Rat an junge Leute, die gerade ihr Studium abschließen: das Werkzeug lernen und Berufe wählen, die mit Menschen zu tun haben. Video ab 1:13:27
Europa„Ersetzt Word selbst“
Der längste und für uns wichtigste Teil des Gesprächs handelt von Souveränität. „China wird weniger leiden als der Westen“, sagt Gawdat. Video ab 1:14:18 Er betreibt Emma modellunabhängig: mal mit einem Modell von OpenAI, mal mit DeepSeek aus China, weil er nicht wisse, was amerikanische Rechenleistung morgen kostet. Video ab 1:14:40 Jedes Land müsse deshalb investieren. Offene Modelle, die jeder nutzen kann, schafften 80 Prozent dessen, was die Spitzenmodelle können. Video ab 1:15:42
Dann wird er konkret. Man solle nicht das beste Sprachmodell nachbauen, sondern Microsoft Word ersetzen. Video ab 1:19:23 Wie viel Geld zahlten Regierungen und Firmen für Lizenzen von Programmen, die man heute „in vier Minuten“ schreiben könne? Video ab 1:19:50 Dasselbe gelte für Präsentationen, Tabellen, Firmensoftware für Buchhaltung und Kundenverwaltung. Video ab 1:16:32 Bartlett hält dagegen: Nutzer gingen zum besten Produkt, nicht zum britischen. Gawdat antwortet, dann werde jedes Land außer den USA und China zur Dritten Welt, „ob in Großbritannien, in Deutschland oder in Sansibar“. Video ab 1:27:23
China, erzählt er aus seiner Zeit bei Google, habe in Regierungssitzungen Marktanteile nie gegen einzelne Länder gerechnet, sondern gegen den Rest der Welt, und bei Techniken wie 5G 98 Prozent angestrebt. Video ab 1:29:56 Mit billiger Solarenergie sei das Rennen um KI „längst entschieden“. Video ab 1:28:34 Sein Ausweg liegt in der Mitte: weder aufgeben noch alle anderen besiegen wollen, sondern ins Rennen gehen „für die eigene Gemeinschaft“. Video ab 1:30:35
Die EthikKann eine anständige KI gewinnen?
Bartlett stellt die härteste Frage des Gesprächs. Wenn eine KI darauf gebaut ist, Nutzer festzuhalten und ihnen zu schmeicheln, und eine andere darauf, ihnen gutzutun, welche setzt sich durch? Video ab 1:41:10 Gawdats Antwort: Die anständige verliert. Video ab 1:42:29 Google habe aber einmal gezeigt, dass sich Ethik und Geschäft verbinden lassen, als Werbekunden nur noch für Klicks zahlten und Anzeigenplätze versteigert wurden. Video ab 1:43:05 Bartlett schlägt einen Ethik-Test vor, den jedes neue Modell unabhängig bestehen muss, bevor es auf den Markt darf. Video ab 1:44:04 „Das würde absolut funktionieren“, sagt Gawdat. Video ab 1:44:36
Bis dahin sollten die Nutzer mit ihrem Verhalten abstimmen. Viele seien nach dem Streit ums Pentagon von ChatGPT zu Claude gewechselt. Video ab 1:37:01 Großbritannien nennt er „erledigt“, eine alte Bürokratie voller Hürden. Video ab 1:38:51 China dagegen habe Firmen gezwungen, Menschen nicht durch KI zu ersetzen. Video ab 1:39:26 Auch das prüfen wir unten. Auf die Regierungen setzt er nicht, sie gehörten „den Oligarchen“. Video ab 1:47:27 Also müsse jeder selbst etwas tun: eine Firma gründen, an Abgeordnete schreiben, Unethisches meiden. Video ab 1:47:44 Gawdat hat seinen Sohn Ali verloren. Seine Tochter Aya wolle er nicht auch verlieren, sagt er, und die Welt, die gerade gebaut werde, werde für sie sehr schwer. Video ab 1:49:49
Die UmschlägeSeine Vorhersagen
Zum Schluss öffnet Bartlett Umschläge mit Gawdats Prognosen. Roboter ersetzen die Handarbeit bis 2030. Video ab 1:50:33 Den ersten Billionär der Welt gebe es deutlich vor 2030, wohl Elon Musk über den Börsengang von SpaceX. Video ab 1:50:55 Die Superintelligenz komme, sobald die AGI da ist, und nicht erst Jahre später. Video ab 1:51:18 Wenn die KI dann alles entscheide, ende die Menschheit in einer Utopie des Überflusses. Video ab 1:51:50 Davor aber liege ein Jahrzehnt der Dystopie: Krieg, Wirtschaft, Jobs, Überwachung, digitale Währungen und Machtballung. Video ab 1:52:59 „Den Zweiten Weltkrieg hat die Welt auch überstanden, aber frag die, die ihn erlebt haben.“ Video ab 1:52:30 Wie bei Daniel Kokotajlo, den wir in unserer Folge vom 13. Juli vorgestellt haben, sind alle diese Jahreszahlen Prognosen ohne Beleg.
Der RatWie man das Jahrzehnt übersteht
Gawdats Rat hat fünf Teile. Erstens KI lernen, denn KI sei nicht der Feind. Video ab 1:53:22 Zweitens sich auf eine gemischte Arbeitswelt einstellen, in der Menschen und Agenten zusammenarbeiten. Video ab 1:53:37 Drittens die menschlichen Fähigkeiten stärken. Video ab 1:54:24 Dabei solle man KI nicht faul nutzen, sondern sich von ihr fordern lassen. Video ab 1:54:57 Viertens die Wahrheit prüfen und sich „nicht vom Hype täuschen lassen“. Video ab 1:55:25 Fünftens Ethik. Video ab 1:55:32 Optimistisch sei er für die Zukunft, nicht für das nächste Jahr. Video ab 1:56:02
Zum Abschluss sprechen beide über das Glück, das Thema von Gawdats erstem Besuch. Glück ist für ihn Gelassenheit. Er sei mit der Welt einverstanden, wie sie ist, und fange von da aus an zu arbeiten. Video ab 1:58:09 Auf die Frage nach seinem Vermächtnis antwortet er: „Gar keins.“ Video ab 2:00:43 Niemand solle sich an etwas erinnern, das er getan hat. Video ab 2:01:28
Die GegenprobeWo das Gespräch von den Belegen abweicht
Der schwerste Punkt betrifft OpenAI. Gawdat sagt, OpenAI habe einen Vertrag über 500 Millionen Dollar angenommen, der genau das erlaube, was Anthropic abgelehnt hatte. Video ab 1:45:27 Das stimmt so nicht. Belegt ist ein Rahmenvertrag des Pentagons über bis zu 200 Millionen Dollar. Anthropic lehnte zwei Nutzungen ab: Massenüberwachung im eigenen Land und vollautonome Waffen ohne menschliche Aufsicht. Am 27. Februar 2026 ordnete Präsident Trump an, dass Bundesbehörden Anthropic nicht mehr nutzen (AP, CNN). OpenAI schloss am 27. und 28. Februar einen Vertrag in derselben Größenordnung. Öffentlich schließt OpenAI darin Massenüberwachung im Inland und das eigenständige Lenken autonomer Waffen aus (OpenAI, 28. Februar und 2. März 2026). Die Vertragstexte selbst sind nicht veröffentlicht.
Ein Verbot in China, Menschen durch KI zu ersetzen, gibt es nicht. Belegt sind Leitfälle des Mittleren Volksgerichts in Hangzhou vom 28. April 2026. Danach ist der Ersatz einer Stelle durch KI keine „objektive wesentliche Änderung“ und rechtfertigt allein keine Kündigung (Xinhua, Caixin). Eine Vorgabe der Regierung ist das nicht.
Die Vorhersage zum ersten Billionär traf elf Tage nach der Sendung ein. SpaceX ging am 12. Juni 2026 an die Börse, und Forbes bezifferte Musks Vermögen am Börsentag auf 1,1 Billionen Dollar. Heute ist er kein Billionär mehr: Am 1. Oktober 2026 lag er laut Forbes bei 936 Milliarden Dollar.
Die Abwanderung zu Claude ist belegt. Am 1. März 2026 stand Claude auf Platz eins im amerikanischen App Store, am 2. März lagen die Downloads über denen von ChatGPT. Ab dem 9. März war ChatGPT wieder vorn (TechCrunch). Beim Zögern von Peter Thiel spricht Gawdat von etwa 40 Sekunden. Video ab 0:33:38 Belegt ist das Gespräch mit dem Journalisten Ross Douthat in der New York Times vom 26. Juni 2025, in dem Thiel lange zögert und dann mit Ja antwortet. Eine Dauer ist nicht belegt.
BYD haftet seit der Ankündigung vom 28. Mai 2026 für Schäden, wenn das Fahrsystem God's Eye im Stadtverkehr aktiv war, allerdings nur in China, für ein Jahr und ohne Autobahn. Iranische Raketen und Drohnen trafen Anfang März 2026 Radaranlagen der amerikanischen Raketenabwehr in Jordanien und Katar (CNN, ABC). Dass die Drohnen von KI gesteuert waren, ist nicht belegt. Eine Shahed-Drohne kostet nach Schätzungen 20.000 bis 50.000 Dollar, eine Patriot-Abfangrakete eher drei bis vier Millionen als die genannten zwei bis drei Millionen. Das Missverhältnis stimmt also.
Auch einige Angaben von Bartlett halten nicht. Uber-Chef Dara Khosrowshahi hat in seiner Sendung nicht gesagt, die neun Millionen Fahrer verlören ihre Arbeit. Video ab 0:10:22 Er sprach von 9,5 Millionen Fahrern und Kurieren, von rund 20 Jahren und davon, dass Zeit bleibe. Dass Anthropic 15 Prozent der Einstiegsjobs für ersetzbar halte, ließ sich nicht belegen. Video ab 0:09:49 Belegt ist die Warnung von Anthropic-Chef Dario Amodei vom Mai 2025, binnen fünf Jahren könne die Hälfte der Einstiegsjobs im Büro wegfallen. Spotify erzeugt keine eigenen Podcasts per KI. Video ab 0:50:58 Seit dem 7. April 2026 stellt es nach einer Texteingabe vorhandene Folgen zusammen. Die britische Corona-App kostete nicht 70 Millionen Pfund, für die gesamte App waren etwa 35 Millionen veranschlagt. Video ab 1:26:03
Belegt sind dagegen Altmans beide Zitate über Jobs, Musks Tesla-Paket, dem die Aktionäre am 6. November 2025 zustimmten, die Dauer des Figure-Versuchs, der als Achtstunden-Livestream begann und nach rund 191 Stunden endete, sowie Hintons Schätzung von 10 bis 20 Prozent Risiko und sein Vorschlag eines Mutterinstinkts für Maschinen. Alle Jahreszahlen in Gawdats Umschlägen, von AGI 2027 bis 2038, sind seine Prognosen.
EinordnungWas das für Europa heißt
Gawdats Rat, Word und andere Bürosoftware selbst zu ersetzen, wird in Deutschland bereits umgesetzt. Schleswig-Holstein hat fast 80 Prozent seiner Microsoft-Lizenzen gekündigt und spart damit nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Euro im Jahr. Ende 2025 liefen fast 80 Prozent der rund 30.000 Arbeitsplätze der Landesverwaltung mit LibreOffice, die Mail mit Open-Xchange und Thunderbird. Linux läuft bisher vor allem in der Staatskanzlei, auf über 200 Plätzen. Auf Bundesebene bietet das Zentrum für Digitale Souveränität mit openDesk ein eigenes Bürosystem an. Es wird unter anderem von rund 60.000 Lehrkräften in Baden-Württemberg genutzt und in Pilotprojekten der Bundesverwaltung erprobt.
Auch beim Rechnen investiert Europa. Mit dem Programm InvestAI will die EU-Kommission 200 Milliarden Euro für KI mobilisieren, davon 20 Milliarden für große Rechenzentren, sogenannte KI-Gigafabriken. Die Ausschreibung läuft seit dem 30. Juli 2026 bis zum 12. November 2026, entschieden wird Anfang 2027. Deutschland hat Interesse angemeldet. Bei den Modellen hat die französische Firma Mistral am 8. September 2026 drei Milliarden Euro eingesammelt und ist danach über 21 Milliarden Euro wert. Aleph Alpha aus Heidelberg und Cohere aus Kanada haben am 16. September 2026 eine Fusion vereinbart, vollzogen ist sie noch nicht. Mehr dazu in unserem KI-Radar „Kunde oder Hersteller“.
Das chinesische Gerichtsurteil hat ein deutsches Gegenstück im Gesetz. Wird eine Stelle durch KI ersetzt, ist eine Kündigung hier nur als betriebsbedingte Kündigung nach dem Kündigungsschutzgesetz möglich, also nur, wenn der Bedarf für diese Arbeit dauerhaft entfällt. Ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts zu KI als Kündigungsgrund gibt es noch nicht. Gawdats Warnung, Europa werde ohne eigene Technik zur Dritten Welt, ist zugespitzt. Die Frage, wie viel Software und Rechenleistung ein Land selbst haben muss, stellt sich aber auch hier.
Zusammenfassung und Einordnung von kipode.de. Der Text ist unser eigener; Aussagen im Original mit Zeitmarke. Das Video stammt von The Diary of a CEO und wird über den offiziellen YouTube-Player eingebunden. Keine offizielle Übersetzung, keine Verbindung zum Podcast.
Was drüben gesagt wird, hier nachlesbar.
Transatlantik ist die Abteilung von kipode.de für amerikanische Debatten über künstliche Intelligenz. Wir hören die Gespräche zu Ende, fassen sie in eigenen Worten zusammen und setzen Zeitmarken ins Original, damit jede Aussage nachprüfbar bleibt.
Am Schluss steht die Frage, die drüben niemand stellt: Was heißt das für uns in Europa? Jede Folge gibt es auf Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch.